und ein Streifen Roggenland , über das der alte Beherrscher dieser Gegenden , der Strandhafer , immer wieder Lust zeigt , als Sieger herzufallen , diese drei sind nach wie vor der einzige Reichtum dieser Ansiedelung . Und wenn noch ein Zweifel daran wäre , so würde ihn die Begräbnisstätte lösen , die zu diesem Etablissement Stendenitz gehört . Da wo die Bäume hart an den See treten , ist ein quadratisches Eckstück aus dem Walde herausgeschnitten und von vier tiefen Furchen umzogen worden . Auf diesem Eck- und Waldstück wird nun begraben , und umherstehende Krüppelkiefern tun ihren Zypressen- und Trauertannendienst . In hundert Jahren stirbt sich was zusammen , auch da , wo die Lebendigen nur vier Büdnerfamilien sind , und so drängen sich denn die Gräber hier , eingefallene Hügel , von denen die meisten schon wieder zu bloßen Moosplätzen mit ein paar verspätet blühenden Erdbeeren geworden sind . Nur zwei Grabtafeln ragen auf , schräg gedrückt vom Westwind , und nicht ohne Müh ' entziffern wir das folgende : » Hier ruht in Gott der Schneidergesell Andreas Laudon , Kanonier von der 3. Garde-Compani der Attolerie-Bregade , gest . 3. April 1836 . « Und ihm zur Seite der Namen eines siebzehnjährigen Mädchens , und darunter : Vielgeliebte , weinet nicht , Seht mir nach und lebt in Segen , Gott ist euer Trost und Licht – Ich habe mich zur Ruh geleget . Wohl auf manchem Begräbnisplatze habe ich gestanden , aber auf keinem , der mich tiefer erschüttert hätte . Welche Mischung von groteskem Humor und erschütternder Poesie . Schneidergeselle Laudon , Kanonier , und daneben : Gott ist euer Trost und Licht . Ich habe mich zur Ruh geleget . Zur Ruhe hier ! Die Bahre , die diesem Begräbnisplatz dient , hing an dem abgebrochenen Ast einer alten Kiefer , und Baum und Bahre waren gleichmäßig mit Flechten überdeckt ; dazu gurgelte das Wasser im Röhricht und über uns in den Kronen ging der Wind . Alles Klage . Nur zwischen den Bäumen leuchtete das ewige Blau . Zwischen Zermützel- und Tornowsee Zwischen Zermützel- und Tornowsee Mein Bier und Wein ist frisch und klar , Mein Töchterlein liegt auf der Totenbahr . Uhland Bald hinter der » Stendenitz « liegt Dorf und See Zermützel . Der auf der Höhe laufende Weg schlängelt sich in einiger Entfernung am Ufer hin und berührt dabei mehrere Hügel und Vorsprünge , die die verschiedensten Bezeichnungen führen . Einer heißt der » Totenberg « und macht seinem Namen Ehre , trotzdem er seine Gruselwirkung mit den einfachsten Mitteln erzielt . Ackerfurchen überall , und nur den » Totenberg « umkreisen sie wie Parallelen eine gefürchtete Festung . Eine dieser Linien , vielleicht von einem dörfischen Freigeist gezogen , rührt schon an den Zauberkreis , aber auch nur , um plötzlich wieder abzuhrechen . Eine alte Kiefer hält Wacht , und soweit ihre Nadeln fallen , ist verbotener Grund . Schädel liegt da an Schädel , so heißt es . Natürlich aus der Schwedenzeit . Wo das Dunkel beginnt , fangen Torstensson und Wrangel an . Vom » Totenberg « sind nur noch wenig hundert Schritt bis zu Dorf Zermützel und seinem See . Wir fahren aber an beiden vorüber und halten uns nordwärts auf eine dritte Wasserfläche zu , die den Namen führt : der Tornowsee . Da wo der Weg den See trifft , trifft er auch ein von Birken und Obstbäumen überschattetes Haus , das jetzt still und glücklich daliegt , als strecke ihm der segenspendende Herbst seine vollste Hand entgegen . Aber ich entsinne mich eines anderen Tages hier . Im Januar war es . Alles , was einen Pelz und eine Büchse hatte , war auf den Beinen , und seit Tagesgrauen knallte es im Wald und an den drei Rhinseen hin : am Tornow- , Molchow- und Zermützelsee . Zu zehn Uhr war hier unter diesem Dache , das Frühstück angesagt , und keiner fehlte . Da waren die Förster und Oberförster : Berger von Alt-Ruppin , Conrad von Rottstiel , Kuse von Pfefferteich , dazu der Grafschaftsadel mitsamt den Offizieren der Garnison , und nicht zum letzten die städtischen Nimrods , die nie genug haben an Billard und Kegelspiel und denen nur wohl ist , wenn sie zu Füßen eines Sechzehnenders schlafen . Das Frühstück war kalte Küche ; desto heißer aber war der Grog . Über dem Herdfeuer hing ein Kessel , brodelnd und dampfend , und die Büdnersleute gingen auf und ab , um überall , wo man es begehrte , mit ihrem kochenden Wasser auszuhelfen . Der Mischung besserer Teil aber floß aus den eigenen Flaschen . Und siehe da , Pelze , Grog und Tabak schufen alsbald eine wunderlich dicke Luft , eine Wolke , darauf die Göttin der Jagdanekdote saß und orakelte . Nein , nicht orakelte – ihren klassischen Aussprüchen fehlte jedes Dunkel . Aber sonderbar , die Büdnersleute waren heute so still und ernst , und pflegten doch sonst bei jeder Derbheit , die laut wurde , mit einzustimmen . Endlich trat ich an die Alte heran und fragte leise : » Wo ist Hannah ? « Erst schüttelte sie den Kopf , aber sich besinnend , nahm sie mich rasch bei der Hand und führte mich über den Flur weg in eine Kammer , die gerade hinter dem Zimmer gelegen war , in dem die Jäger ihren Imbiß nahmen . Einen Augenblick sah ich nichts , empfing doch die Kammer all ihr Licht von einer kaum zweihandbreiten Öffnung her , durch die der Schnee , vom Winde getrieben , eben in kleinen Flocken hineinstiebte . Die Frau , während ich mich noch zurechtzufinden suchte , war inzwischen an ein Strohlager dicht unterm Fenster getreten und schlug ein Laken zurück , das über das Stroh hin ausgebreitet war . Da lag Hannah , die Augen geschlossen , in keinem anderen Schmuck , als dem ihres langen Haares . Dann deckte die Alte das Laken