Spanier auf eine unvergängliche Leinwand gezaubert . Er wandte erschrocken den Blick ab und wäre beinahe über die aufgeworfene Erde gestolpert . Im Hinblick auf die Haltung Daniels sagte der Apotheker Pflaum : » Ich hätte mehr Gram und Trauer erwartet , nicht solche Verbissenheit . « » Ein harter Mensch , ein äußerst harter Mensch , « bemerkte der Provisor Seelenfromm in seinem Schmerz . Es wurde Daniel arg verdacht , daß er die Herren und Damen vom Theater , die sich vollzählig auf dem Kirchhof eingefunden hatten , mit barschem Hochmut behandelte . Als ihm mehrere die Hand reichten , nickte er nur kurz und verkniff die Augen hinter den kreisrunden Gläsern der Brille , die er seit einiger Zeit trug . Der Amtsrichter Kleinlein sagte : » Er sollte dankbar sein für die christliche Bestattung , denn die behauptete Sinnesverwirrung der Frau ist trotz dahingehender Zeugenschaften durchaus nicht einwandfrei erwiesen . « Lenore blickte in das offene Grab . Sie dachte : Schuld häuft sich auf , tiefe , tiefe Schuld . Alles dies war jetzt vorüber . Daniel und Lenore und der alte Jordan waren in ihr Haus zurückgekehrt . 2 In den Stuben war ihnen öde zumut . Der Inspektor schloß sich in seine Kammer ein . Nur noch selten trat er seine abendlichen Gänge an , und seine Rockärmel und seine Hosenenden bekamen immer längere Fransen . Er verfiel ; sein Haar wurde schlohweiß , sein Schritt unsicher , und sein Auge erlosch . Aber er war niemals krank , er beklagte sein Schicksal nie . Er war ein stiller Kostgänger , ein stiller Mann . Lenore zog wieder zum Vater hinauf , und Daniel bewohnte wieder sein Zimmer neben der Eßstube . Auf einmal war so viel Raum geworden ; er wunderte sich , daß das Fortgehen eines einzigen Menschen so viel Raum schaffen könne . Den Tag über blieb Lenore bei der kleinen Agnes , bis Philippine kam und sie ablöste . Dort arbeitete sie auch . Wenn sie mit dem Schreiben fertig war , mußte sie sich um die Wirtschaft kümmern . Sie konnte nicht kochen und hatte auch eine Abneigung dagegen , es zu lernen . Deshalb hatte sie es eingerichtet , daß dreimal in der Woche eine Frau kam , die jedesmal für zwei , am Montag für drei Mittage das Essen bereitete . Die Frau war bescheiden und verlangte nicht viel . Die aufgehobenen Speisen brauchten dann nur gewärmt zu werden , und am Abend gab es Wurst und Butterbrot . Es war eine praktische Anordnung , aber niemand lobte sie dafür . Zuerst hatte sie auch die Nächte bei dem Kind verbracht , in Gertruds Kammer . Sie ertrug es bloß drei Wochen lang . Entweder konnte sie kein Auge schließen , oder sie hatte die schrecklichsten Träume . Da nahm sie das Kind am Abend mit in ihre eigene Stube und machte ihm ein Bettchen auf dem Sofa . Das Kind war oben viel unruhiger als dort , wo es früher gewesen , und Lenore merkte wohl , daß sie bei einem so aufreibenden Leben von Kräften kam . Oft in der Nacht , wenn sie bang und matt das weinende Kind in den Armen hielt , faßte sie den Vorsatz , mit Daniel zu reden , aber sobald es Tag geworden , konnte sie es nicht über sich gewinnen . Ihr dünkte , als ermahne sie Gertruds Stimme aus dem Land der Toten zur Geduld . Indes fühlte sie mit Angst die Zeit nahen , wo sie der harten Pflicht erliegen mußte , und da erschien wieder Philippine als Helferin . 3 Im Anfang , als Jason Philipp erfahren hatte , daß Philippine täglich zu den Jordanschen Töchtern ging , hatte er ihr diesen Verkehr streng untersagt und zu wiederholten Malen . Philippine kümmerte sich nicht darum und tat , was ihr beliebte . » Ich schlag dich tot , « schrie Jason Philipp das Mädchen an . Philippine zuckte die Achseln und lachte frech . Da sah Jason Philipp , daß eine erwachsene Person vor ihm stand ; er fürchtete sich vor dem tückischen Blick seiner Tochter . Lange wußte er nicht , was sie zu seinen Feinden trieb ; dann kam er dahinter , daß sie in der Nachbarschaft , bei Bekannten und Fremden , überall , wohin sie den Fuß setzte , die boshaftesten Gerüchte über Daniel und dessen Familie ausstreute . Nun wurde er zahmer und wollte auch etwas von dem Ohrenschmaus abkriegen . Bisweilen ließ er sich herbei , mit Philippine ein Gespräch anzuknüpfen , und wenn sie ihm ihre Neuigkeiten erzählte , freute er sich diebisch . » Der Tag wird auch noch kommen , wo ich mein Mütchen an dem Musikemacher kühlen kann , « sagte er . Therese lag noch immer im Bett . Willibald mußte ihr in seinen freien Stunden vorlesen , entweder aus der Zeitung oder aus einem Schundroman . War sie allein , so starrte sie regungslos gegen die Zimmerdecke . Dann kam die Zeit , wo Willibald die Schule verließ und zu einem Fabrikanten nach Fürth in die Lehre gegeben wurde . Es war kein Zweifel , daß er einer von den pflichttreuen und nüchternen Arbeitsmenschen werden würde , die der Stolz ihrer Eltern sind und mit jedem Jahr um dreißig Mark Gehalt mehr auf der sozialen Stufenleiter emporsteigen . Der einäugige Markus trat in die väterliche Buchhandlung und wußte alsbald in der Romanliteratur von Dumas und Luise Mühlbach bis Ohnet und Zola Bescheid , und in den populären Wissenschaften von Darwin bis Mantegazza . Sein Gehirn war ein Bücherkatalog und sein Mund ein Orakel des Geschmacks von der letzten Ostermesse . Aber er liebte die Bücher nicht nur nicht , sondern all das gedruckte Zeug erschien ihm als ein lustiger Betrug an Leuten , die nicht wissen , was sie mit ihrem Geld anfangen sollen . Der Kommis Zwanziger hatte die Witwe eines Käsehändlers geheiratet und betrieb einen Laden auf der Regensburger