! Was ist denn schon wieder ? « » Alarm ! Leb wohl , Mutter ! Laß mich ! Jetzt muß ich fort . « » Jesus , Jesus ! « Frau Marianne umklammerte den Sohn . » Ist denn der Krieg nicht aus ? « » Mutter , ich sorg , er will erst anheben . « Lampert befreite sich und fragte in seltsamer Verstörtheit : » Der Söldner , Mutter ? Von dem du gesagt hast , er hätt mit dem jungen Buben und dem Runotter unser Haus gehütet ? Hat er über ' s Gesicht herunter einen schweren Hieb gehabt ? « » Ach geh , was geht denn uns - « Er drängte : » Sag mir ' s , Mutter ! « » In Gottsnamen , ja , ist eine schieche Narb gewesen , ist von der Brau übers Aug gegangen bis zum Hals herunter . « » Der ist ' s ! « Frau Marianne begriff diesen Schrei nicht , in dem es wie Jubel war . Und als sie den Glanz in Lamperts Augen gewahrte , sagte sie in neuem Schreck : » Ach Jesus , ich versteh ja nimmer - « Lampert streckte sich unter frohem Lachen . » Mutter ! Jetzt weiß ich - « Seine Stimme erlosch , er mußte husten , mußte tief Atem schöpfen . Die Amtmännin , als sie diesen bösen Husten hörte , fing in ihrer verstörten Muttersorge zu jammern an : » Das geht nicht ! Wie kann denn einer ausrucken , der krank ist bis auf den Tod ? Das dürfen die unsinnigen Herren nicht verlangen ! Ich leid ' s nicht ! Ich lauf zum Fürsten . Und einen heißen Wein mußt du haben , und Umschläg muß ich dir machen - « Während Frau Marianne so klagte , hörte man Trommeln und Pfeifen , hörte den Taktschritt vieler Spießknechte , ein wirres Hufgetrappel und dumpfes Rädergeknatter . » Laß mich , Mutter ! Mir ist schon lang nimmer so wohl gewesen wie heut ! So laß doch , Mutter ! Ich muß ins Feld ! Und will dem Vater noch einen Gruß - « Die Hände befreiend , sprang Lampert in die Wohnstube . Frau Marianne hinter ihm her . Immer jammernd , immer in Zorn auf die verbrecherischen Fürsten und auf den Wahnsinn der ganzen Menschheit scheltend . Auch in der Krankenstube ihres armen Ruppert hielt sie mit dieser Klage nicht inne , während Lampert stumm vor dem Vater stand , der zwischen aufgeschichteten Kissen schwach und hinfällig im Bette saß . Der Amtmann sah zum Erbarmen aus . Und während draußen auf dem Marktplatz der dumpfe Kriegslärm rottelte , zog der kranke Mann mit dürrgewordenen Händen die geblümte Decke gegen die Brust hinauf . Auch schien das schwere Leiden sein Erinnerungsvermögen in sonderbare Verwirrung gebracht zu haben . Denn er stöhnte vorwurfsvoll : » Wegen siebzehn Ochsen ! Wegen siebzehn Ochsen ! Und weil mich die Herren nicht halben tun lassen , wie ich mögen hätt . Da wär alles in Ruh gegangen . Aber nein ! So sind die Fürsten ! Erst schlagen und nachher denken , wenn - « Er mußte , von einem grimmen Schmerz gepeinigt , ein Weilchen schweigen . Dann seufzte er müde : » Wenn ' s zu spät ist . « In wortlosem Erbarmen betrachtete Lampert den Vater und nahm seine zitternde , von kaltem Schweiß bedeckte Hand . Und sagte rasch : » Jetzt muß ich fort ! Leb wohl , Vater ! Tu bald gesunden ! Und tu dir ein lützel Ruh vergönnen ! Klagen hat keinen Sinn . « Frau Marianne fügte schluchzend bei : » Gott wird schon alles wieder recht machen . Da glaub ich dran . « Dieser fromme Trost verursachte in der verstörten Christenseele des Herrn Someiner eine schreckhafte Wirkung . In seinem entstellten Gesicht erweiterten sich die angstvollen Augen . Die Hand des Sohnes umklammernd , lispelte er scheu : » Gott - Gott ? Ach , Bub , wie hart ist das ! « » Was , Vater ? « » Derzeit ich den Undank der Fürsten kenn - derzeit ich spüren muß an mir selber , wie im Leben die Redlichen gemartert werden - « Herr Someiner verstummte , und sein hilfloser Blick starrte ins Leere . » Sag ' s , Vater ! « » Ich - ich kann - « Der Amtmann ließ das gelbe , magere Gesicht gegen die wollene Decke sinken . » An Gott kann ich nimmer glauben ! « Im ersten , sprachlosen Schreck bekreuzte sich Frau Marianne . Und Lampert , von einer tiefen Erschütterung befallen , sagte ernst : » Vater ? Weißt du , was Gott ist ? « Der Amtmann hob die verstörten Augen . Und Lamperts rauhe Stimme wurde leis . » Gott ist der Glaube an uns selbst . Wenn wir Freude , Wert und Kraft in unserem Leben spüren , glauben wir auch an den Schöpfer , der uns Wert und frohe Kräfte geschenkt hat . Ich glaube . « Er beugte seine Wange auf die feuchte Stirn des Vaters , streichelte ihm das dünne Haar , wandte sich wortlos ab und ging mit klingendem Eisenschritt durch die Stube hinaus . Frau Marianne lief ihrem Buben nach und hängte sich schluchzend an seinen Hals . Drunten auf der Straße fuhren die gewaltigen Hauptbüchsen der Salzburger und die mit vielen , zentnerschweren Steinkugeln belasteten Wagen vorüber . Das erschütterte den Grund so heftig , daß es wie ein Erdbeben war . Die Mauern des Someinerschen Hauses zitterten , die Deckenbalken der Wohnstube ächzten , Mörtel bröselte von den Wänden herunter , und im Kasten der alten Standuhr wurde das lange Pendel in seinem ruhigen Schwung gestört . Es klapperte gegen die Holzverschalung und sagte noch ein letztesmal mit seufzender Stimme : » Bau ! « Dann schwieg es . Drunten im Hause polterten die Hufe des Moorle über die Holzdielen des