vor ihnen geschaffen haben , das sie gar nicht beachten . Und in solcher Gesinnung kommen sie auch zu weiterer Überhebung , daß sie in sich hineinsehen wollen und wollen wissen , wie in ihnen alles zusammenhängt , und woher es kommt , daß ihnen die Welt so erscheint , wie sie ihnen wirklich erscheint ; und dann denken sie , daß sie das alles ändern können nach ihrem Wohlgefallen und können bauen , was sie wollen , und einreißen , was sie wollen . Wenn es nun Gott gut meint mit solchen besonders hoffärtigen Menschen , so setzt er sie mitten in eine einfache und vernünftige Aufgabe ; und da sehen sie , daß einer mit dem andern zusammenhängt , und daß die Menschen so leben , wie es ihnen vorgeschrieben ist , und solche Gedanken haben , wie Gott will , daß sie Gedanken haben ; ebenso wie diese Schwälblein vielleicht denken , wunder welch ein Werk sie verrichten , und wie merkwürdig es ist , daß sie Mann und Frau sind , und wie wunderbar einst ihre Eier sein werden und wie eigen ihr Nest ; und setzen doch bloß Dreck zusammen wie alle Schwalben vor ihnen und nach ihnen , und haben Eier und brüten nach aller Schwalben Sitte , weil so das Geschlecht der Schwalben sich erhält auf der Erde , das Fliegen und Mücken fängt und zum Herbst fortzieht und im Frühjahr wiederkehrt . Solche aber , die zerfahren sind aus Hochmut , finden keine einfache und vernünftige Aufgabe , sondern tun irgend eine widerwärtige Tätigkeit , damit sie ihr Brot verdienen , und wenn sie ihr Tagewerk vollbracht haben , so brüten sie weiter und haben dumme Gedanken über ihre Wichtigkeit und werden immer zerfahrener . Inzwischen geht das Leben vor ihrem Fenster vorbei wie ein schönes Mädchen , und sie merken es nicht , denn sie wissen nicht , daß sie dem Mädchen nachgehen sollten , sie zur Frau begehren und mit ihr leben in Freude und ohne überflüssige Gedanken . Und nachdem sie immer zerfahrener geworden sind , beginnen sie auch immer dümmer zu werden ; und zuletzt enden sie in leerem und einfältigem Geschwätz . In Wahrheit können wir doch nichts wissen , als daß wir hier auf dieser schönen Erde wandeln und brave Menschen sein sollen und uns freuen . Dann werden wir älter in Heiterkeit und Glück , und endlich sterben wir , und im Gedächtnis der Menschen leben wir eine Weile noch als verständige Leute oder als unverständige . Als sie solche Gedanken hatten , blickten sie nach der Elsgrube hin , denn die konnten sie sehen von ihrem Hause aus , und dachten , daß hier einst die alte Burg gestanden hatte , und daß das damalige Herrengeschlecht heruntergegangen war , und ein treuer Diener hatte die letzte Tochter geheiratet und das neue Geschlecht begründet . Das hatte lange geblüht durch vielerlei Zeiten hindurch , die Urzeiten hatte es erlebt und das Lebensalter und die Renaissance , das absolute Fürstentum und die Neuzeit ; endlich war es untergegangen durch Untüchtigkeit ; und nun gründete wieder ein treuer Mann aus der unteren Gesellschaft das dritte Geschlecht ; und vielleicht erlebte das auch durch die Jahrhunderte Wandlungen der Dinge , Verhältnisse und Gedanken , und es zeigte sich , daß jede Zeit meinte , sie habe in allem das Richtige gefunden ; und vor Gottes Augen war das alles doch nichts weiter wie die Reihenfolge der Schwalben , die ein Nest unterm Hausdache beziehen ; und wenn die Kinder dieses Geschlechtes klug waren , so taten sie dasselbe , was jetzt Hans und Maria taten : arbeiten und sich liebhaben , ihre Kinder erziehen und fröhlich sein . So waren ihre Gedanken , und die mochten wohl manchem von den andern kleinbürgerlich erscheinen . Aber was wir wert sind , das sind wir ja nicht wert durch unsre Gedanken , sondern dadurch , daß wir die Stelle auszufüllen vermögen , in die wir gesetzt sind ; denn wenn wir das können , so bekommen wir Verstand und richtige Gedanken , und für die einen sind diese Gedanken richtig , für die andern jene . Nur ist das eine Weisheit , von der die Leute unsrer Zeit nichts wissen wollen , denn freilich ist sie nicht zu sehen , sondern wir müssen sie glauben . Aber wissen wir dies nicht , daß wir ja gar nicht die wahre Welt sehen , sondern nur einen trügerischen Schein ? In der wahren Welt steht Gott als ein Bauersmann im blauen Kittel vor dem Scheunentor und worfelt Weizen . Er nimmt eine Schaufel voll Weizen und schleudert den in die Scheune . Da fliegen zusammen durch die Luft Korn und Spreu und wissen nicht , wer sie in Bewegung gesetzt hat und wohin sie getrieben werden ; doch sie verspüren , daß eine Kraft in ihnen ist und daß dieselbe Sonne sie blitzend bescheint und daß dieselbe Luft sie klar bestreicht . Da denkt die Spreu hoffärtig : Siehe , wir sind wie diese da , und vielleicht sind wir auch besser , denn uns scheint , wir fliegen höher , und die Körner denken demütig : Es ist wohl so , daß wir alle gleich sind . Aber nur einen Augenblick verweilen sie beide in der hellen Luft und unter der blitzenden Sonne ; denn was Jahrhunderte sind für uns und unsre Welt des Scheins , das ist ein Augenblick für Gott und für seine wahre Welt . Dann senken sich die schweren Körner zu dem Weizenhaufen , auf den sie fallen sollen , und die Spreu trägt der Zugwind vor dem Scheunentor auf einen andern Haufen zu der früheren Spreu . Ende Nachwort1 Den Roman » Der schmale Weg zum Glück « habe ich vor nunmehr einem Vierteljahrhundert geschrieben , im Jahre 1901 . Verschiedentlich wurde angenommen , er sei eine Art Selbstbiographie . Das ist er nicht . Er ist von Anfang bis zu Ende bewußt aufgebaut , und