Das war bei ihm ein vollständig unmögliches Gefühl . Er war zu verständig , sich als beleidigt zu betrachten , und als Gast der Dschamikun hatte er sich zu hüten , selbst beleidigend zu werden . Darum hielt er es für das beste , so zu thun , als ob diese Frage ganz ungehört an seinem Ohre vorübergegangen sei . » Komm ! Vorwärts ! « sagte er , indem er seinem Ghalib das Zeichen zum Weitergehen gab . Assil und Barkh hatten ihren Willen gehabt und folgten ohne Widerstreben . » Kommst du noch vor Nacht zurück ? « wurde das Kind von der Köchin gefragt . » Sehnst du dich schon jetzt nach mir ? « antwortete er lachend . » Nicht an dich sondern an Kara Ben Halef denke ich . Ich weiß , daß es weder Zeit noch Schranken für dich giebt , wenn du auf Sahm sitzest . Er aber hat noch von der Reise auszuruhen . Ich werde dich sehr streng bestrafen , wenn du dich verspätest ! « » Welche Strafe wird das sein ? « » Du bekommst nichts zu essen ! « » Das kenne ich ! Mit dem Munde entziehst du mir die Kost , aber schon nach einer Viertelstunde giebst du mir sie mit den Händen doppelt , weil mein Hunger nicht meinem Magen sondern deinem Herzen wehe thut ! « » Da sehe ich , wie schlecht ich dich erzogen habe ! Die Liebe ist verderblich für solche Kinder , du sollst aber von jetzt an meine Strenge kennen lernen ! « » Die giebt es ja gar nicht ! Leb wohl , o Pekala . Hast du noch einen Wunsch ? « » Bring frohe und hungrige Gäste mit ! « Das ist ein oft gebrauchter , beduinischer Abschiedsgruß . Die Köchin sagte das wohl nur , um überhaupt etwas zu sagen . Sie ahnte nicht , daß , oder gar in welcher Weise er in Erfüllung gehen werde . Der Ritt ging zunächst des Sees entlang und dann über das ganze Thal desselben hin , bis es zwischen den Bergen einen tiefen Einschnitt gab , welcher sich jenseits auf die von Tifl erwähnte Ebene öffnete . Dort wurde den Pferden erlaubt , zu galoppieren . Tifl erwies sich als ein unübertrefflicher Naturreiter . Von den feineren , erzieherischen Verhältnissen zwischen Mensch und Tier aber wußte er wohl nichts . Wer ihn so sicher , so fest , so ganz wie mit dem Pferde zusammengewachsen , im Sattel sitzen sah , der mußte es freilich für fast unmöglich halten , daß er sowohl von Assil als auch von Barkh abgeworfen worden sei ; aber diese unsere Hengste waren nicht , wie die braune Stute des Ustad , gewohnt , augenblicklichen Instinkten , sondern einem zielbewußten , sich stets gleichbleibenden Willen unterthan zu sein . Das Kind machte verschiedene Versuche , den jetzigen Ritt zu einem Wettrennen zu gestalten , hatte aber damit bei dem bedachtsamen Kara keinen Erfolg . Dieser war einerseits viel zu klug , eine Niederlage der Sahm sich wiederholen zu lassen , während andererseits sein Stolz ihm nicht gestattet hätte , etwa aus Höflichkeit freiwillig auf den Sieg zu verzichten . Es blieb also bei dem , was er sich vorgenommen hatte , nämlich bei einem Uebungsreiten , welches keinem leidenschaftlichen Zweck zu dienen hatte . Die Stute hielt , so lange der Boden grasig war , sehr leicht den gleichen Schritt mit unsern Pferden ; aber später im tiefen Sande fiel sie bemerklich ab . Das konnte ihr aber nicht zur Schande gereichen , weil sie kein Pferd der sandigen Steppe war . Als dann der Hasenpaß erreicht wurde und der langsame Aufstieg auf steinigem Boden begann , mußten dafür nun unsere Tiere sich anstrengen , es ihr gleichzuthun , worauf Kara von Tifl wiederholt aufmerksam gemacht wurde . Die Gegend war hier felsig und unfruchtbar . Niedriges , trockenes Gestrüpp überzog die Berge mit schmutzigem Grau , und nur hier oder da gab es einen Baum , dessen dünn benadelte Zweige keinen Schatten spendeten . Als die Höhe des Passes erreicht worden war , konnte man darum die Aussicht nach allen Seiten frei genießen . Das Kind deutete auf einen der aufgerichteten Steinhaufen und sagte : » Das ist das Grenzzeichen . Bis hierher gehört das Land den Dschamikun . « » Und wem sodann ? « fragte Kara . » Allen Menschen . « » Giebt es keinen besondern Besitzer ? « » Das ist der Schah-in-Schah , dem ja da ganze Reich gehört . Die Gegend hier ist so öd und dürr , daß niemand sie haben will . Wer sie bekäme , müßte Steuern zahlen ; wer aber kann diese hier aus solchen Felsen ziehen ? Wenn der Muhassil kommt , so fragt er nicht , ob der Boden etwas getragen hat , sondern er nimmt alles mit , was man besitzt . « » Wer ist der Muhassil ? « » Das weißt du nicht ? « » Nein . « » Das ist der unwillkommenste aller Gäste , die es giebt . Jedermann in Persien soll Steuern zahlen . Auch die freien Stämme werden dazu angehalten . Unser Ustad hat versprochen , es zu thun , und wir halten Wort . Darum wird kein Muhassil zu uns kommen . Andere aber zahlen nicht eher , als bis sie dazu gezwungen werden , denn sie behaupten , ein freier Mann sei auch von Steuern frei . Zu ihnen wird ein möglichst strenger , vielleicht gar hartherziger Offizier oder Beamter gesandt , der Soldaten mitbringt , die ihm helfen müssen , den Mal-i-Divan101 und den Sadir Avariz102 mit Gewalt einzutreiben . Sobald er diese Gewalt auszuüben beginnt , hat man ihn mit dem Titel Muhassil zu ehren . Er nimmt zunächst das , was er für den Beherrscher haben will . Sodann nimmt er das , was er für sich selbst haben will , und das ist gewöhnlich alles