befinde , was bis auf die kleinste Faser zerrissen und zerzaust werden müsse . Erst nach längerer Zeit wendete er mir das Gesicht zu , öffnete die strahlend scheinenden Augen und sagte : » Effendi , bist du noch da ? « » Ja . « » Ich will mit dir reden , nur mit dir , mit diesem andern nicht , kein Wort mehr ! Ich beschwöre dich bei Allah , bei dem Khalifen , bei dem Kuran , bei allem überhaupt , was dir heilig ist ! Wirst du mir die Wahrheit sagen ? « » Ja . « » So sprich ! Befinden sich meine Begleiter wirklich als ertappte Diebe bei euch ? « » Leider , ja . « » Erzähle mir , wie das gekommen ist ! Aber füge ja nichts hinzu , und laß auch nichts weg ! « Ich folgte dieser Aufforderung in der Weise , wie es die Rücksicht auf ihn mit sich brachte . Er hörte mir zu , ohne mich mit einem Worte zu unterbrechen , und saß dann , nachdem ich geendet hatte , wieder eine ganze Weile still da . Ich sah , daß nicht nur seine Hände , sondern alle seine Glieder leise zitterten . Er war innerlich furchtbar aufgeregt . Ich wartete mit mehr als bloßer Spannung darauf , was für einen Entschluß er fassen werde . Da endlich sagte er : » Effendi , wirst du thun , um was ich dich jetzt bitte ? « » Das kann ich doch nicht wissen ! « » Ich werde um nichts bitten , was du mir nicht erfüllen kannst . Es ist sogar sehr leicht für euch . « » Sage es ! « » Der Ghani ist euer Gefangener ? « » Ja . « » Erlaube , daß ich zu ihm gehe und auch gefangen bin ! « Ich hatte dies und nichts anderes erwartet . Durfte ich ihm diesen Wunsch erfüllen ? Durfte ich es ihm verweigern ? Als ich mit meinem Bescheide zögerte , fuhr er fort : » Ich gebe dir mein Wort , ja meinen Schwur , daß ich thun werde , was ich will , obgleich ich blind bin und den Ghani nicht sehen kann . Ihr könnt mich nur dadurch hindern , daß ihr mir Fesseln anlegt . Thut ihr das aber nicht , so gehe ich zu ihm . Ihr braucht ihn mir nicht zu zeigen . Ich rufe , und wenn er antwortet , wird mich seine Stimme zu ihm führen . Nun sag also , was du beschlossen hast ! « Da trat Halef herbei , welcher während des letzten Teiles des Gespräches von Hanneh zu uns gekommen war und den Wunsch des Alten gehört hatte . Er antwortete an meiner Stelle : » Ich , Hadschi Halef , werde dir sagen , was geschehen soll . Sie sind gefangen , weil sie gestohlen haben ; du aber bist ein ehrlicher Mann und also frei . Wir dürfen dich nicht hindern , zu thun , was dir beliebt . Willst du wirklich und auch jetzt noch hinüber zum Ghani ? « » Ja , ich will ; unbedingt will ich ! « » So steh auf , und gieb mir deine Hand ! Mögest du nicht bereuen , was du jetzt thust ! Ich werde dich hinüberführen . « Ich sah ihnen nicht nach , sondern stand auf und ging zu Hanneh , welche den Teppich zum Kaffeetrinken ausgebreitet hatte . Der Perser wurde natürlich eingeladen , mitzutrinken . Als Halef wiederkam , setzte er sich an meine Seite und fragte mich , wie gewöhnlich , wenn er irgend etwas aus eigenem Entschlusse ausgeführt hatte : » Habe ich es recht gemacht , Sihdi ? « » Ja , « antwortete ich . » Es freut mich , daß ich deine Zustimmung erhalte ; über die Sache selbst freue ich mich nicht . Wir konnten nicht anders , denn der Blinde ist sein eigener Herr , und wir haben kein Recht , gegen seinen Willen über ihn zu verfügen . Was hätten wir mit ihm machen können , wenn er gezwungen gewesen wäre , bei uns zu bleiben ? « » Ihn mit nach Mekka nehmen . « » Und dort ? « » Ich zweifelte gar nicht daran , daß es uns dort gelingen würde , ihn besser unterzubringen , als er jetzt untergebracht ist . « » Das denke ich auch . Und hätten wir keinen geeigneten guten Platz für ihn gefunden , nun , so giebt es unter den Zelten der Haddedihn genug Raum für einen blinden Mann , dessen Anwesenheit gar keine Opfer fordert . Dieser Münedschi wird nicht lange mehr leben ; er steht dem Jenseits näher als der Erde . Seine Seele war ja bereits fast an der Brücke . Und was alles hätten wir von ihm noch erfahren können ! « » Bist du neugierig geworden ? « » Nicht neu- , sondern wißbegierig . « » Und glaubst du , daß dieses Wissen dir und deinem Stamme Nutzen bringen würde ? « » Ja . Wenn das Erdenleben eine Vorbereitung für den Himmel ist , so ist es ja Pflicht , jede Gelegenheit zu ergreifen , etwas über das Jenseits zu erfahren . « » Du meinst , etwas Wahres ! « » Hältst du das , was wir gestern gehört haben , für Täuschung ? « » Ich kann mir darüber heute noch kein Urteil erlauben . Wenn der Blinde zu uns anstatt zu seinem vermeintlichen Wohlthäter gehalten hätte , wäre uns wahrscheinlich mehr Stoff zu einem Urteile geboten worden , als wir jetzt besitzen . Wir wollen also den Gedanken an das Jenseits jetzt nicht weiter verfolgen und uns lieber mit dem Diesseits befassen . « » Ja , das ist für den Augenblick wohl ebenso nötig . Was denkst du , daß zunächst geschehen soll ? « » Wir sind gewillt , die Diebe