. Als sie den Hirsch mit Fichtenzweigen bedeckt und am Moos die Hände gesäubert hatten , blickte Graf Egge , da sie sich schon zum Niederstieg anschicken wollten , lauschend durch den Wald hinauf . Man hörte Steine rollen , einen Bergstock klirren . Schipper kam durch den Wald heruntergesprungen . Bleich , atemlos , von Schweiß überronnen , blieb er vor seinem Herrn stehen und zog den Hut . » Was willst du ? Ach so , du hast wohl den Schuß gehört ? Du bist prompt am Fleck . Das gefällt mir . « » Da liegt er ja , ich gratulier , Herr Graf ! « Mühsam rang der Jäger nach Atem . » Ohne den Schuß hätt ich a schweres Suchen nach Ihnen ghabt . Ich bring gute Botschaft . Ihren Gamsbock hab ich . Aber dös is noch lang net ' s Wichtigste ! Wie ich auf ' m Heimweg unterm Schneelahner vorbeikomm , steht a Rehbock droben . Am ersten Blick schon , da hat mir ' s Gwichtl so gspassig in d ' Augen blitzt , und wie ich ' s Spektiv aufzieh , hab ich gmeint , ich muß aus der Haut fahren ! So was von Abnormität haben S ' noch net in Ihrer Sammlung ! Fünf Stangen hat der Bock droben . « » Alle Wetter ! « stammelte Graf Egge , während dunkle Röte sein Gesicht überfloß . » Und den Bock schießen S ' , da garantier ich ! « Zitternde Erregung befiel den Grafen . » Ich dank dir , Schipper ! Schau dich um Leute um , die den Hirsch heimliefern , ich steig einstweilen hinauf zur Hütte ! « » Aber Papa ! « fiel Willy mit der Miene eines schwer Gekränkten ein . » Den Hirsch hast du mir weggeschossen - ich hab ' ihn dir ja von Herzen gegönnt - aber jetzt halte mir wenigstens dein anderes Versprechen . Der Bock läuft dir ja nicht davon . Aber ich und die Schmalgeiß - « » Das verstehst du nicht . « » Ich bitte dich , laß den Bock und komm mit mir hinunter nach Hubertus ! Tu es mir zuliebe ! « » Ja , Junge , alles andere ! Aber - « » Papa , ich bitte dich ! « Graf Egge wurde ungeduldig . » Einen solchen Bock kann ich nicht auslassen . So viel Jäger solltest du sein , um das begreifen zu können . Jetzt bin ich wieder im Glück . In zwei Pirschen hab ' ich ihn . Dann komm ich , darauf hast du mein Wort ! Also sei zufrieden , geh gemütlich nach Haus und grüß ' mir einstweilen die kleine Geiß ! Morgen abend bin ich bei dir . Auf Wiedersehen ! « Ohne Willys Antwort abzuwarten , faßte er den Bergstock mitsamt der Büchse seines Sohnes und stieg durch den Wald hinauf , während Schipper davoneilte , um auf der nächsten Alm ein paar Leute zu requirieren . Mit trauernden Augen sah Willy dem Vater nach . Es war nicht Ärger , was er empfand . Ein seltsames Schmerzempfinden füllte ihm das Herz , und die Kehle war ihm wie zugeschnürt . » Was hab ' ich denn nur ? « Eine Weile noch sah er auf die grünen Reiser nieder , unter denen der Hirsch so gut verborgen lag , daß nur ein paar Enden des Geweihes hervorragten ; dann rückte er den Hut und suchte den Heimweg . Lange irrte er im Wald umher , bis es ihm gelang , den talabwärts führenden Pfad zu finden . Dabei war er müde geworden . Während des Niederstieges rastete er häufig ; auch bei der Buche mit dem Marterl . Während er im Schatten der Äste saß , von denen lautlos die welken Blätter niederfielen , beschlich ihn ein quälendes Unbehagen . » Ach , Unsinn ! « murrte er vor sich hin und erhob sich . » Ich weiß doch , wie er ist . Und er wird auch nimmer anders . « Mittag war vorüber , als er das Dorf erreichte . Verdrossen dankte er den Leuten , die ihn grüßten . Am Zaunerhaus ging er vorüber , ohne zu merken , wo er sich befand . Als er die Ecke des Gärtchens erreichte , fühlte er einen leichten Schlag an der Wange , sah eine rote Nelke über seine Schulter fallen und hörte hinter den Johannisbeerstauden ein leises Kichern . Er lächelte und wollte auf den Zaun zutreten . Da war ihm plötzlich , als stünde sein Bruder Tassilo vor ihm und sähe ihn mit ernsten Augen an , wie vor Tagen da droben in der Bergschlucht . » Wort halten ! « Er schleuderte mit dem Fuß die Nelke in den Straßengraben und ging seiner Wege . Als er an die Parkmauer kam , blieb er stehen und sah sich um . » Eigentlich war das von mir eine überflüssige Flegelei ! « dachte er . » Ich hätt ' ihr ein paar harmlose Worte sagen und dann gehen können . Aber na , jetzt hat die Geschichte ein Ende ! Tas wird lachen , wenn ich ihm das erzähle . « Beim Eintritt in die Ulmenallee klang ihm vom Adlerkäfig ein wildes Geflatter entgegen . Er achtete nicht darauf . Auch sah er am Ausgang der Allee die Schwester erscheinen , die ihm entgegeneilte , als hätte sie um sein Kommen gewußt und hätte ihn mit Ungeduld erwartet . Sie warf sich an seinen Hals und küßte ihn . Dann fragte sie zögernd : » Wo ist Papa ? « » Droben ! Er will morgen abend kommen . Das heißt , wer ' s glaubt . Ich nicht . « » Morgen abend ? « wiederholte Kitty erregt . » Aber sag ' mir , was ist zwischen ihm und Robert vorgefallen ? « » Warum ? « » Robert ist vor einer halben Stunde heimgekommen wie