meine Hand angeboten , gnädige Frau . Legen Sie gütigst ein Wort für mich ein ! Meine Handlungsweise wird Ihnen Beiden etwas rasch und kühn erscheinen . Zu einer anderen Zeit würde ich wohl auch überlegter und bescheidener vorgegangen sein - aber in den letzten Wochen habe ich es mir angewöhnt , schnell und keck voranzusprengen - da war kein Zögern noch Zagen erlaubt ... und was ich im Kriege geübt , das habe ich jetzt unwillkürlich in der Liebe wieder ausgeführt ... Verzeihen Sie - und seien Sie mir gnädig . Sie schweigen , Komtesse ? Verweigern Sie mir Ihre Hand ? « » Meine Schwester kann doch nicht auch so rasch über ihr Schicksal entscheiden , « kam ich Rosa , welche tiefbewegt und abgewandten Hauptes dastand , zu Hilfe . » Ob unser Vater seine Einwilligung zur Heirat mit einem Feinde geben , ob Rosa die so plötzlich eingeflößte Neigung auch erwidern wird - wer kann das heute wissen ? « » Ich weiß es , « antwortete sie und reichte dem jungen Manne beide Hände hin . Er aber riß sie stürmisch an sein Herz . » O , ihr närrischen Kinder ! « sagte ich und zog mich leise einige Schritte zurück , bis zur Saalthür , um zu wachen , daß - wenigstens in diesem Augenblick - Niemand herauskomme . Am folgenden Tag ward die Verlobung gefeiert . Mein Vater leistete keinen Widerstand . Ich hätte geglaubt , daß sein Preußenhaß es ihm unmöglich machen würde , einen der feindlichen Krieger und Sieger in seine Familie aufzunehmen ; aber sei es , daß er die individuelle von der nationalen Frage gänzlich trennte - ( ein gebräuchliches Vorgehen : » Ich hasse Jene als Nation , nicht als Individuen « hört man häufig beteuern , obschon es keinen Sinn hat , ebensowenig Sinn , als wollte Einer sagen : » Ich hasse den Wein als Getränk , aber jeden Tropfen verschlucke ich gern « - doch vernünftig braucht ja eine landläufige Phrase nicht zu sein - im Gegenteil ) sei es , daß der Ehrgeiz die Oberhand gewann und eine Verbindung mit dem fürstlichen Hause Reuß ihm schmeichelte ; sei es endlich , daß die so romantisch geäußerte , plötzliche Liebe der jungen Leute ihn rührte : kurz , er sprach ein ziemlich bereitwilliges Ja . Weniger einverstanden war Tante Marie . » Unmöglich ! « war ihr erster Ausruf . » Der Prinz ist ja lutherischer Konfession . « Aber schließlich tröstete sie sich mit der Aussicht , daß Rosa ihren Gatten wahrscheinlich bekehren werde . Im Herzen Ottos grollte es am tiefsten . » Wie , wollt ihr , « sprach er , » wenn wieder Krieg ausbricht , daß ich meinen Schwager aus dem Land verjage ? « Aber auch ihm wurde die famose Theorie von dem Unterschied zwischen Nation und Individuum erläutert und - zu meinem Staunen , denn ich habe sie nie begriffen - er begriff sie . Wie schnell und leicht man doch unter freudigen Umständen das durchgemachte Elend vergißt ! Zwei Liebespaare - oder , ich kann es kühnlich sagen , drei , denn Friedrich und ich , die Vermählten , schwärmten nicht viel weniger füreinander , als die Verlobten - also so viele Liebespaare in der kleinen Gesellschaft , das ergab doch eine glücksgehobene Stimmung . Schloß Grumitz war in den folgenden paar Tagen eine Stätte der Heiterkeit und Lebenslust . Allmählich fühlte auch ich die Schreckensbilder der vergangenen Wochen aus meinem Gedächtnis entweichen . Nicht ohne Gewissensbiß wurde ich gewahr , wie mein vor kurzer Zeit noch so brennender Mitschmerz in manchen Augenblicken ganz entschwand . - Von der Außenwelt klang wohl noch immer Trauriges herüber : die Klagen der Leute , die in dem Kriege Hab und Gut oder teuere Häupter verloren ; Nachrichten von drohenden Finanzkatastrophen , von ausbrechenden Seuchen : die Cholera , hieß es , habe sich unter den preußischen Mannschaften gezeigt - sogar in unserem Dorfe wurde ein Fall signalisiert - freilich ein zweifelhafter : » Es wird die Ruhr sein - die tritt ja jeden Sommer auf « , tröstete man sich . Nur immer verjagen - die trüben Gedanken und die bösen Befürchtungen : » Es ist nichts « - » es ist vorbei « - » es wird nichts kommen « - das ist so leicht gedacht . Man braucht nur eine heftig schüttelnde Kopfbewegung zu machen und die unliebsamen Vorstellungen sind verscheucht ... » Hörst Du , Martha , « sagte mir eines Tages die glückliche Braut , » dieser Krieg war freilich etwas Schauderhaftes , aber ich muß ihn doch noch segnen . Wäre ich ohne ihn so maßlos glücklich geworden , wie ich es jetzt bin ? Hätte ich Heinrich jemals kennen gelernt ? Und er - hätte er jemals eine so liebende Braut gefunden ? « » Nun gut , liebe Rosa , ich will gern diese Auffassung mit Dir teilen : - es mögen eure zwei beglückten Herzen gegen die vielen tausende gebrochenen in die Wagschale fallen ... « » Nicht nur um Einzelschicksale handelt es sich , Martha . Auch im Großen und Ganzen bringt der Krieg - für Jene , die siegen - einen großen Gewinn , also einem ganzen Volke . Man muß Heinrich darüber reden hören . Er sagt , Preußen stehe jetzt groß da - in dem Heere herrsche allgemeiner Jubel und begeisterte Dankbarkeit und Liebe zu den Feldherren , die es zum Siege geführt ... dadurch ward der deutschen Gesittung , dem Handel , oder sagte er dem deutschen Wohlstand - ich weiß nicht mehr genau ... die historische Mission ... kurz , man muß ihn reden hören . « » Warum spricht Dein Bräutigam nicht lieber von eurer Liebe , statt von politischen und militärischen Dingen ? « » O wir sprechen von Allem - und Alles , was er sagt , klingt mir wie Musik ... Ich fühle es ihm so gut nach , daß