für Dich werden sollte - also die Dame ist ' s - nun weißt Du ' s - was macht denn übrigens der kleine Pistolenschäker - ? Gehts ihm gut ? Natürlich ! Diesem Gesindel gehts immer gut . Hast Du Deinen Trovatore gestern nicht gesehen ? Warst nicht mit ihm zusammen - ? « fragte Adam mit bissigem Lachen . Emmy wandte sich ab und erwiderte kein Wort . Sie hatte erst einen Augenblick Lust , sich nach dem Verlaufe der Duellgeschichte zu erkundigen . Aber sie unterdrückte die Frage . Sie hätte nach tieferer Theilnahme ausgesehen , und obwohl sie diese Theilnahme immer noch für Adam empfand , jetzt vielleicht unwillkürlich stärker als je - denn ein mit ihr rivalisirendes Moment war ja aus seinem Leben gestrichen - sie wollte sie doch nicht zeigen , in diesem Augenblick erst recht nicht , um keinen Preis der Welt . Uebrigens ging ja auch schon daraus , daß Adam kein Wort von dem Duell wieder erwähnt hatte , hervor , daß die Geschichte in irgend einer Weise erledigt sein mußte . Und es erbitterte sie , daß sie in den letzten Tagen so oft so überflüssig um Einen gebangt hatte , der es nicht verdiente - um einen Blasirten , einen Unzuverlässigen , einen Herzlosen - - Nun gingen die Beiden unten auf der Straße neben einander her . Eine längere Weile schwiegen sie . Hatten sie sich nichts mehr zu sagen ? Oder scheuten sie sich , auf ein Thema zurückzukommen , das ebenso unerquicklich war , wie undankbar ? Und doch lastete nicht minder peinlich auf Jedem der Druck , den das Schweigen des Anderen ihm auferlegte . Vielleicht aus diesem Grunde , vielleicht auch , weil es ihn doch drängte , Emmy noch dies und das zu sagen , begann Adam endlich , leise , langsam , sprungweise , zugleich absichtlich einen Accent der Bitte und Abbitte in der Stimme , als redete er , wie von einem tiefen Traume besessen , nur zu sich - : » Sei mir nicht böse , Emmy ! Siehst Du : das mußte ja Alles so kommen . Das hat ja Alles seine tiefen , tiefen Gründe . Kennst Du mich ? Weißt Du , wer ich bin - ? Nein ! Ich kenne mich zwar selber ebenso wenig . Oft bin ich ganz erstaunt über mich . Ich weißt nicht , wer ich bin . Ich ahne mich nur . Ja ! Aber ich ahne mich eben wenigstens doch . Nicht immer , doch manchmal mit brennender Schärfe und Annäherung . Dann ist Alles so voll in mir , so weit , so groß , so gewaltig , dann bin ich nicht mehr , dann hat mich etwas Unerklärliches , Geheimnißvolles in sich aufgenommen , mein Leben strömt in stolzem Drange , ein sanftes , unendlich wohlthuendes Fieber durchprickelt mir Leib und Seele , Alles in mir ist Dank , Inbrunst , Hingenommenheit , Fülle , Begeisterung , Größe ... Aber diesem unendlich Süßen , dem ich dann gehöre , das mich dann ganz aufgezehrt hat - : ihm einen Namen geben - diesem verklärten Sein , da Sehnsucht und Erfüllung zugleich in mir ist , eine Formel , ein Schema , eine Rubrik für den Tagescurs auf den Leib schreiben - nein ! das kann ich nicht . Wenn ich mit Euch , Ihr anderen Menschen , Ihr Außenmenschen , mit einem sogenannten Bekannten , einem Kameraden , mit irgend einem Weibe zusammen bin - mein Gott ! dann bin ich Gesellschaftsthier , meinem tieferen Ich entfremdet , dann rede und denke und scherze und lache und ärgere ich mich und raisonnire , schimpfe , schwadronire , debattire , diskutire , spreche ich ganz wie Ihr , nach dem berühmten Muster socialer Individuen , im Jargon des Alltags , der Straße , der Kneipe , des Gesellschaftszimmers ... Was wollt Ihr ! Mich kennt Ihr nicht . Das heißt : jenes Wesen eben , in welchem ich zuweilen sein darf . Aber nun sieh : gerade das Bewußtsein , daß ich zuweilen ein Anderer sein darf , das giebt meinem ganzen Leben doch eine große Zwiespältigkeit , eine ewige Unruhe , das macht mich so oft mürrisch , melancholisch , unzuverlässig , unberechenbar , ungeduldig , ungenießbar , das wirft mich aus einer Stimmung in die andere . Ich stürze mich in Genüsse , die für mich keine Genüsse sind , aber ich muß sie immer wieder aufsuchen , weil ich mich loswerden will , weil ich mich betäuben will - ich suche sie auf , diese faden Genüsse , obwohl ich mich vor ihnen ekele , obwohl ich sie verachte ... Ich habe eben überhaupt kein Organ für alle diese gerühmten plebejischen Freuden . Aber ich mache mit ... und ich bin zuweilen nicht der schlechteste und zurückhaltendste Cumpan - das wirst Du aus Erfahrung wissen ... Mein Pech ist nur , daß Ihr Alle mit mir wie mit einer gewöhnlichen Werkeltagsmünze rechnet - und ich bin , Gott sei ' s geklagt ! oft zu feige oder oft auch zu gleichgültig , um gegen diese Unverschämheit , zu der ich Euch übrigens ein gewisses Recht gar nicht abspreche , zu protestiren . Ich lache Euch oft im Stillen aus , verachte Euch bodenlos , mache aber doch ganz gemüthlich mit , gehe auf Euch und Euere abgestandenen Lebensspäße und Interimsmätzchen ein - um nachher mich selber desto mehr auszulachen ... Ja ! Ja ! Diese einsamen Stunden der Sammlung , der Rückschau , der Reue , des Beisichseins ! Da erlebt man ' was ! Manchmal allerdings auch Nichts . Und dann geht man wieder hinaus , die Menschen kommen zu Einem oder man sucht sie auf , man plaudert mit ihnen , man langweilt sich mit ihnen , man rempelt sie an , man klappert mit ihnen zusammen , die Zungen balgen sich , zuweilen wohl auch die gesammten ehrenwerthen Leiblichkeiten - und so gehts