erwiderte Sender lächelnd . Wieder schweifte sein Blick zu Malke hin . Sie vermied es , ihn anzusehen , aber hören sollte sie ihn . » Es ist doch auch vielleicht manchmal für die Gemeinde gut , wenn einer Deutsch lesen kann und auch andere Leut ' kennt , als Juden . « » Gewiß « , gab Jossef zu . » Das heißt « , fügte er zögernd bei , » für alle wär ' s nicht gut . Aber wenn ' s ein Mann zugleich zu seinem Geschäft macht , wie du , und so einen feinen Kopf hat , so kann niemand was dagegen haben ... Also « , fuhr er hastig fort , um von dem heiklen Thema abzukommen , » wie du es erfahren hast , ist ein Geheimnis . Aber warum wird die Wahl erst morgen verkündet ? « » Fragt nicht , Reb Jossef « , sagte Sender mit vielsagendem Lächeln . » Laßt Euch an der Nachricht genügen . Denn wenn ich Eure Neugierde befriedige , so wird mir dadurch vielleicht ein Weg verrammelt , auf dem ich der Gemeinde auch in Zukunft nützen kann . Ein Weg ins Kloster - Ihr seht , ich bin ein gefährlicher Mensch . « » Nein « , rief Jossef eifrig , » daß du ein guter Jude bist , weiß ich . « » Ich widerspreche nicht « , sagte Sender lächelnd , aber mit Würde . » Auch leidlich vernünftig bin ich geworden , Zeit wär ' s. « Er blickte Taube scharf an . » Wer mich jetzt noch als Pojaz ausschreit , tut mir unrecht . Und das alles trotz der deutschen Bücher , Reb Jossef ; sie können also nicht gar so schlecht sein . Ihr sagt : Du bist ein Geschäftsmann , dir verzeihen wir sie . Freilich muß ich sie auch zu meinem Geschäft machen , ich bin ja arm . Aber wenn ich reich wär ' , tät ' ich ' s erst recht . Und wenn Ihr so denkt , so muß Euch ja ein Mädchen , das deutsche Bücher liest , gar als Sünderin erscheinen ? « Der Vorsteher stieß ihn heftig mit dem Fuß an . » Der neue Prior - « begann er laut . Aber Sender war nicht der Mann , sich einschüchtern zu lassen . » Warum tretet Ihr mir auf den Fuß ? « fragte er noch lauter . » Ich wüßt ' gern , wie Ihr über so ein Mädchen denkt ? Ich meine , man muß ihr deshalb nur noch mehr Achtung - « Er verstummte bestürzt . Malke , die bisher mit glühenden Wangen und gesenktem Blick dagesessen , hatte sich geräuschvoll erhoben . » Komm ' , Taube « , sagte sie und schritt zur Tür hinaus . Frau Taube lachte laut auf und folgte ihr . » Hast du denn nicht gewußt , wer das ist ? « fragte der Vorsteher . » Das Mädchen kann ja selbst Deutsch lesen . Nun hat sie ' s für Spott genommen . « » Aber das war ' s nicht « , beteuerte Sender . » Ich bitt ' Euch , sagt ihr das . « Eine Schar neuer Gäste trat lärmend ein , auch sie überhäuften Sender mit Lobsprüchen . Aber seine Stimmung war für heute abend verdorben . Er trat ans Fenster ; draußen gingen Malke und Taube Arm in Arm auf und nieder . Sollte er sie ansprechen , sich entschuldigen ? Vielleicht machte er ' s dadurch noch schlechter . » Ach was « , dachte er , » den Hals kann ' s nicht kosten ! « Und er trat hinaus und auf Malke zu . » Verzeiht « , sagte er . » Eine Fremde soll nicht glauben , daß ich sie kränken wollte . Ich hab ' s gut gemeint - « Die blauen Augen blickten ihn abweisend , fast feindselig an . » Es hat mich nicht gekränkt « , sagte sie kalt . » Nur unangenehm war ' s mir . Es war gar so deutlich ... « » Das war ' s « , gab er kleinlaut zu . » Jetzt versteh ' ich . Wenn man die Absicht merkt , wird man verstimmt , heißt ein deutsches Sprichwort , das in meinem Lesebuch steht . « Sie lächelte spöttisch . » So beiläufig heißt es « , sagte sie . » Aber es ist kein Sprichwort , sondern ein Vers aus Goethes Tasso und lautet : So fühlt man Absicht , und man ist verstimmt . « » Ich will ' s mir merken « , sagte er demütig . » Ist dieser Tasso auch ein Spiel ? « » Was versteht Ihr darunter ? Ein Drama ? Ja ! « Es klang messerscharf . » Komm ' , Taube . « Aber das behäbige junge Weib empfand Mitleid mit dem Mißhandelten . » Ihr habt Euch ja heut ' ausgezeichnet , Sender . Wie hast du ihn genannt , Malke ? Der Held des Abends . « Sie wollte dadurch ein Pflaster auf seine Wunde legen . » Aber warum habt Ihr mich vorhin so scharf angesehen ? Ich red ' Euch nichts Böses nach . Nicht wahr , Malke ? « Das Mädchen zuckte die Achseln . » Ich erinnere mich überhaupt nicht « , sagte sie , » daß wir über diesen - Herrn gesprochen hätten . Komm ' ! « Das war Taube denn doch zu arg . » Aber Malke ! « sagte sie und bot Sender herzlich die Hand zum Abschied . » Ihr könnt heut ' wohl schlafen , Ihr habt uns allen eine große Freude bereitet . Hoffentlich Euch selber die größte « , fügte sie neckend bei . Und als er sie fragend anblickte . » Wann baut Ihr Euer Haus , Sender ? « » Ich ? « Er lachte auf . » Mit Gottes Hilfe