Meisters der Meister ist ; ich weiß nur , daß ich so etwas Schönes in meinem Leben noch nicht gesehen habe . Unter dem Bilde hängt eine kleine Etagere mit zwei Reihen sauber gebundener Bücher . Unter der Etagere ist eine Commode , alterthümlich geschweift mit messingenen Griffen . Auf der Commode liegen Zeichnen-Materialien und , zwischen zwei kleinen , antiken Vasen aus Terracotta , steht ein Arbeitskörbchen , über dessen Rand ein Faden rother Wolle hängt . Zwischen Fenster und Commode , offenbar auf die Seite gerückt , sehe ich eine Staffelei , auf der Staffelei ein umgekehrtes Reißbrett ; auf der anderen Seite der Thür ein Pianino , dessen oberer Theil eine sonderbare leyerförmige Gestalt hat . Ich weiß nicht , was mich plötzlich an Konstanze von Zehren denken läßt , vielleicht , daß mich das leyerförmige Instrument an ihre Guitarre erinnert hat . Es muß wohl sein , denn sonst erinnert dies Zimmer in nichts an jenes Konstanzens . So wunderlich wüst es dort aussah , so sauber und freundlich ist Alles hier ; kein fadenscheiniger , zerrissener Teppich deckt die weißen Dielen , auf welchen sich die sonnebeschienenen Fenster abzeichnen , und abermals , aber schwächer als auf den weißen Gardinen die Schatten der Weinranken spielen . Nein , ich bin nicht auf Schloß Zehren , im ganzen Schlosse war kein Gemach wie dieses , so heiter , so rein ; und Schloß Zehren , fällt mir ein , ist ja abgebrannt , bis auf den Grund , haben sie gesagt ; ich kann also nicht auf Schloß Zehren sein , aber wo bin ich denn ? Ich blicke das schöne junge Weib auf dem Bilde an , als ob sie mir Antwort geben könnte ; aber über dem Anblicke vergesse ich , was ich habe fragen wollen . Ich habe nur das Gefühl , daß es sich ruhig schlafen lasse , wenn solche Augen über Einem wachen , und wundere mich , daß der schöne Knabe den Kopf nicht an die Schulter , an den Busen der Mutter sinken läßt , die großen , trotzigen Augen schließt und süß schläft , ach so süß . Der lange , süße Schlaf hat mich wunderbar erquickt . Als ich erwache , richte ich mich ohne weiteres in die Höhe , stütze mich auf den Ellenbogen und starre Herrn Wachtmeister Süßmilch , der vor meinem Bette sitzt , verwundert in das braune , furchendurchzogene Gesicht mit den blauen Augen , der großen Habichtsnase und dem langen , schwarzgrauen Schnurrbart . Der Alte blickte mich seinerseits nicht minder verwundert an . Dann zuckt ein freundliches Lächeln von dem Schnurrbart durch ein paar der allertiefsten Furchen hinauf in die blauen Augen , wo es verweilt und gar lustig blinkt und blitzt . Er legt drei Finger seiner rechten Hand an die Stirn und sagt : » Serviteur ! « Das kommt so drollig heraus , daß ich lachen muß . Ich kann jetzt lachen und der Alte lacht ebenfalls und sagt : » Gut geschlafen ? « » Ja , « sage ich , » köstlich . Ich habe wohl lange geschlafen ? « » Ein wenig , morgen werden es acht Wochen , « erwiedert der Alte freundlich . » Acht Wochen , « wiederhole ich mechanisch , » das ist sehr lange , « und ich streiche nachdenklich mit der Hand über den Kopf . Der Kopf ist sonst mit sehr dichten , sehr krausen und trotzdem sehr weichen ( nebenbei etwas röthlichen ) Locken bedeckt ; jetzt fühle ich nur ganz kurze Stacheln , wie bei einer Bürste , die noch dazu mit der Zeit arge Lücken bekommen hat . » Das ist doch sonderbar , « sage ich . » Wird schon wieder wachsen , « sagt der Wachtmeister tröstend , » haben mich auch ritze-ratze-kahl geschoren , als ich dies da weg hatte « - er zeigt auf eine tiefe Narbe über der rechten Schläfe , die in dem dichten , grauen Haar verläuft , und die ich jetzt zum ersten Male bemerke - » ich habe doch wieder einen Schopf bekommen wie ein Bär - « » Mit sieben Sinnen , « füge ich hinzu und muß durchaus über meinen Witz lachen . Es scheint , daß ich einen Kinderkopf auf den breiten Schultern habe . Der Alte lacht auch sehr herzlich , wird aber plötzlich ganz ernsthaft und sagt : » Nun aber schweige man und schlafe wieder wie - « Er beendet seine Lieblingsphrase nicht , augenscheinlich aus Besorgniß , mich zu neuer und für meine Verhältnisse schädlicher Lustigkeit aufzuregen ; aber ich lache trotzdem und streife dabei den Aermel meines Hemdes auf , der mir ungewöhnlich weit vorkommt . Der Aermel ist nicht weiter als gewöhnlich , aber mein Arm ist dünner , so dünn , daß ich ihn kaum für den meinen halten kann . » Wird schon wieder stärker werden , « sagte der Wachtmeister . » Ich bin wohl sehr krank gewesen ? « fragte ich . » I nun , « meint der Wachtmeister ; » es war dicht vor dem Zapfenstreich ; « aber ich habe immer gesagt : » Unkraut vergeht nicht ; « und er reibt sich vergnügt die Hände . » Aber jetzt hat man genug geschwatzt , « fügt er in befehlendem Tone hinzu . » Man hat strenge Ordre , sich , wenn man aufwachen sollte , auf keinen Disput einzulassen und sogleich Meldung zu machen , was nunmehro geschehen soll . « Der Wachtmeister will sich erheben ; ich lege ihm die Hand auf eine seiner braunen Hände und bitte ihn , noch zu bleiben ; ich fühle mich ganz kräftig , das Sprechen greife mich nicht im mindesten an , noch weniger das Hören , und ich möchte gern hören , wie ich in diesen Zustand gekommen , in welchem ich mich befinde ; wer die Leute gewesen seien , die um mich gewesen , und deren Gestalten ich