' s Anschlag auch schon ein Plan gefaßt . Auf den Fußspitzen liefen sie die Treppe hinunter , damit man das Klappen der Stelzchen nicht höre , zur Hinterthüre schlichen sie hinaus ins Freie und durch das große Hofthor kamen sie wieder herein , und ehe sich Herbert dessen versah , waren sie an seiner Seite und hatten mit ihren losgelösten bunten Bändern ihn umschlungen , und wenn er den einen Arm frei machte , sich der Einen zu erwehren , so umwand die Andere ihm den anderen Arm , und eine Dritte versuchte ihm das Band um die Augen zu winden , und ihn haschend und sich befreiend , und sich wehrend und ihn verfolgend , und lachend und schäkernd rannten sie rechts und links um den Teich und über den ganzen Hof , daß die Enten , welche sich aus dem Teiche herausgemacht hatten , sich überstürzend in das Wasser flüchteten , die Tauben sich mit klatschendem Fluge in die Höhe schwangen , die Hühner mit gespreizten Flügeln das Weite suchten und die Hunde aus allen Ecken und Enden bellend dazwischen fuhren . Gefangen , gebunden ! rief es hier und dort , um ihn dafür zu strafen , daß er nicht schon gestern gekommen war , als man den letzten Wagen in die Scheune gefahren hatte . Es war ein Lärmen und ein Lachen , ein Laufen und ein Jubeln ! Und die helle Sonne funkelte auf all den blühenden Gesichtern und brannte auf die entblößten Arme und Nacken und auf die lockigen Scheitel der fröhlichen Mädchen . Gefangen , gebunden , bestraft ! schallte es immer wieder , bis Adam mit seinen Freunden herbeikam , die Partei für Herbert nahmen , bis die hübschen Kinder , athemlos , sich der Verfolgung der Männer nicht mehr entziehen konnten und Herbert , nun er es nicht mehr mit Allen auf einmal zu thun hatte , Eva ' s , als der Anführerin , habhaft wurde . Gefangen , gebunden ! rief jetzt auch er , und umschlang sie trotz ihres Sträubens und hielt sie fest und küßte sie nach Herzenslust auf die heißen , rothen Lippen . Das wirkte ansteckend , die Andern thaten es ihm bei den eingefangenen Mädchen nach , und sich von Herbert losmachend , rief Eva : Nun haben wir den Mosje zur Ernte doch wenigstens nachträglich gebunden , nun kommt er auch nicht fort , so lange ihr Alle bei uns seid ! Aber wer sagt denn , daß ich gehen will ? Ich kam ja , um zu bleiben , Sie Gewaltthätige ! versicherte Herbert , indem er sie auf ' s Neue in seine Arme zu schließen suchte , und es wollte ihn dünken , als widerstrebe sie ihm nicht sehr . Herbert war recht von Herzen vergnügt . Selbst die Männer am Tarocktische , wie sie auch schmählten , daß man sie aus ihrer Ruhe aufgeschreckt habe , sahen nicht böse drein . Es glitt ein helles Licht durch ihre alten Augen und es zuckte ihnen lächelnd um die Lippen . Sie hatten wohl auch an manche fröhliche Stunde zu denken , die ihnen nicht wiederkehren konnte und die Jenen noch zu kommen hatte . Der Amtmann und Eva waren die Seele von Allem , genügten Allem , waren jung mit den Jungen und alt mit den Alten . Das ging den ganzen Tag so fort . Wenn ich nur wüßte , meinte Herbert am Abende , warum ich nicht alle Tage hergekommen bin ? Das will ich Ihnen sagen , entgegnete Eva und flüsterte ihm etwas in das Ohr . Er wollte nicht wahr haben , was sie sagte , aber die Mädchen behaupteten , er sei roth geworden und er möge sich in Acht nehmen ; sie wüßten , um was es sich handle , es sei nicht geheuer in den Schlössern . Freilich , freilich , bekräftigte Eva , es steckt noch immer etwas von der alten Burg darin ! Die Andern fragten , was das heiße . O , rief sie , ihr wißt ' s ja ! Da oben sind vor jenen Jahren die Herren von Arten Raubritter gewesen , und nun ist ' s damit wie in der verkehrten Welt ! Sonst raubten die Ritter den andern Leuten ihre Frauen , jetzt halten die vornehmen Damen die Männer gefangen ! Man lachte über den Einfall ; sie neckten Eva , und einer der jungen Leute meinte : Sorgen Sie nicht , Mamsell Eva ! Monsieur Herbert sieht nicht aus wie einer , der so leicht zu fangen wäre ! Wer denkt denn jetzt an Mosje Herbert ? warf sie schnippisch und doch verlegen hin . Ich bin geduldig und werde warten , sagte er , sich mit scherzender Demuth vor ihr neigend . Sie that , als höre sie seine Worte gar nicht mehr , und sie hatte ja auch alle Hände voll zu thun . Das blankste Leinen , die besten Teller , selbst das Silberzeug mußte heute und in den folgenden Tagen auf den Tisch . Alles sollte reichlich , Alles vollauf und Jedem sollte es wohl sein in dem Hause , da man so liebe Gäste und des Jahres Erntesegen nun auch wieder einmal in den Scheunen hatte . Vom heutigen Danktage in der Kirche war freilich im Amthofe nicht viel zu merken . Aber der Pfarrer selber drückte ein Auge zu . Er hatte seine Absichten mit Eva , und sie gefiel ihm , wenn sie sich in Haus und Küche also regte und bewegte . Auch Herbert fand sie immer reizender in ihrer fröhlichen Geschäftigkeit . Er bot ihr seine Dienste an , sie wußte dieselben zu nutzen und , des Befehlens wohl gewohnt , ihn immer neben sich fest und immer in so guter Laune zu erhalten , daß er gar nichts sah und gar nichts denken konnte , als nur sie den lieben , langen Tag . Ihm war das aber recht und lieb , er verlangte