, mit ihrem Dienstpersonal in bestimmten Intervallen zu wechseln , da sie die Erfahrung gemacht haben wollte , daß » nur neue Besen gut fegten ; « und Marguerite war schon weit über die gewöhnliche Zeit in ihrem Hause gewesen . So gab sie derselben denn ohne weiteres den geforderten Abschied und erlaubte sogar , daß sie schon an einem der nächsten Tage in das Haus des Geheimraths übersiedelte . Daß Marguerite dabei , in Anbetracht der bedeutenden Unbequemlichkeiten , ja offenbaren pecuniären Einbußen , welche der Baronin aus ihrem plötzlichen Fortgehen erwüchsen , auf das Gehalt des laufenden Quartals verzichten mußte , verstand sich um so mehr von selbst , als » die junge Person , « wenn sie der Baronin fünf Jahre lang mit unermüdlichem Eifer gedient , doch am Ende nichts weiter gethan hatte , als » ihre Pflicht und Schuldigkeit . « So war Marguerite ein Mitglied der Familie des Geheimraths geworden , und es war daher natürlich , daß sie heute Abend bei diesem , im engsten Kreise der Familie gefeierten Feste nicht fehlen durfte . Auch war sie die Einzige , welche die Kosten der Unterhaltung ohne Mühe bestreiten konnte . Zwar gab sie sich ersichtlich Mühe , dem Ernst des Augenblicks gerecht zu werden und die Gefühle der Andern nicht durch unzeitige Lustigkeit zu beleidigen , aber bei ihrer angeborenen Lebhaftigkeit wurde es ihr nicht leicht , lange schweigsam zu sein , wie ein vergnügter Kanarienvogel , dem man das Bauer zugedeckt hat , sobald der erste Schreck vorüber ist , wieder lustig anfängt zu schmettern . Aber ich möchte doch um Alles in der Welt wissen , wo Bemperlein bleibt , sagte Sophie , nach der Uhr sehend ; er hatte versprochen , um acht Uhr hier zu sein ; jetzt ist es bereits halb zehn . Vielleicht kann uns Fräulein Marguerite Auskunft geben , sagte der Geheimrath . Moi ? pas du tout ! erwiderte Marguerite , froh eine Gelegenheit zum Sprechen zu finden . Ich nicht habe ihn gesehen seit gestern Abend . Ich glaube beinahe , daß er ist krank , denn er sah diese Tage aus sehr aufgeregt . Ich war heute bei ihm , sagte Franz . Nun ! sagte Sophie . Ja , denkt Euch : ich habe den seltsamen Menschen gar nicht zu Gesicht bekommen . Er rief durch die verschlossene Thür : er könne mich nicht sehen ; er habe eine wichtige chemische Untersuchung , von der er keinen Augenblick fort dürfe . Es wird doch nichts passirt sein ? fragte Sophie , willst Du nicht lieber noch einmal zu ihm gehen , Franz ? Recht gern , sagte Franz , sein Glas leerend und aufstehend . In demselben Augenblick erschallte aber vom Hausflur her das unterdrückte Gelächter der Mädchen und des Bedienten . Alsbald ging auch die Thür auf , und herein trat eine wunderlich herausgeputzte Gestalt , die sich durch zwei mächtige , an den Schultern angeheftete Gänseflügel , durch einen Bogen in der Hand , nebst obligatem Köcher mit Pfeilen auf dem Rücken , durch einen Kranz auf dem Kopf unzweifelhaft als Amor präsentirte , wenn auch die Brille nicht ganz zu der diesem Gott charakteristischen Blindheit und der schwarze Anzug zu der classischen Nacktheit , in welcher sich der Sohn der Liebesgöttin fast ausschließlich gefällt , stimmen mochten . Diese seltsame Gestalt näherte sich zierlichen Schrittes der Gesellschaft am Kamin , blieb in angemessener Entfernung stehen , verbeugte sich und sprach : Hochverehrliches christliches Brautpaar , sehr würdiger christlicher Brautvater und liebwerthe Demoiselle ! Ich bin , wie Jeder leicht erkennt , Der große Gott Amour . Wenn ' s irgendwo im Herzen brennt , Dann brennt durch mich es nur . Wer meinen Köcher rasseln hört , Der schlägt die Augen nieder ; Der Pfeil , der von dem Bogen fährt , Durchbohret West ' und Mieder . Und wen so traf in ' s Herz der Schuß , Um den ist es gescheh ' n ; Von meiner Kunst , o Publicus , Sollst Du ein Pröbchen seh ' n. Hier nahm Amor mit großer Ostentation einen Pfeil aus dem Köcher und sagte : Haben Sie keine Angst , meine Herrschaften , die Sehne ist sehr schlaff und die Pfeile haben , wie Sie gefälligst bemerken werden , faustgroße Gummibälle statt der Spitzen . Darauf legte er den harmlosen Pfeil auf den harmlosen Bogen und schnellte ihn auf Sophie ab , die ihn geschickt mit der Hand auffing und mit komischem Pathos an ' s Herz drückte . Diese Procedur wiederholte sich bei Franz mit der Ausnahme , daß dieser den Gummiball an den Kopf bekam . Nachdem Amor also bewiesen , daß er nicht vergeblich drohe , fuhr er fort : Nun ist ' s den Beiden angethan , Und hin ist ihre Ruh ' ; Man sieht es ihnen deutlich an : Es drückt sie wo der Schuh . Sie ruhen und sie rasten nicht , Mag ' s brechen oder biegen , Bis daß der Pfaffe Amen spricht , Und sie sich endlich kriegen . Dann heißt ' s : Ade , du Elternhaus , Ich muß nun in die Welt hinaus ! Ade , ade , lieb ' Väterlein , Ade , es muß geschieden sein ! Ade , du traute Freundesschaar , Für die ich Licht und Leben war ! Ade , ihr lieben Leute ! Ihr habt mich nur noch heute ; Wann morgen blinkt der Abendstern , Dann bin ich viele Meilen fern . Diese letzten Verse sprach Amor mit sehr bewegter Stimme . Die Gesichter der Gesellschaft um den Kamin , die im Anfang von Heiterkeit geglänzt hatten , waren nach und nach ernster geworden ; von der halboffenen Thür , in welcher sich die Dienstleute drängten , vernahm man unterdrücktes Schluchzen . Trinken Sie ein Glas Bowle , Bemperchen , sagte Sophie , Amor ein Glas präsentirend . Auf Ihr Wohl , Fräulein Sophiechen , erwiderte Amor , das