? sagte ich . - Harald lachte : Eines Schneiders Tochter ist sie . Ich werde die Scheere und das Bügeleisen in unser Wappen zeichnen lassen müssen . - Wenn sie nicht von Adel ist , sagte ich , wirst Du sie nie heirathen , und es wäre auch nur eine Grausamkeit mehr . Das arme Geschöpf würde unter Deinem Spott und dem Hohn Deiner Freunde verbluten , wie ein gehetzter Hirsch unter den Zähnen der Hunde . Schicke das Mädchen fort ; ich beschwöre Dich , Harald , heute lieber , als morgen . Und die alte Baronin auch ; setzte ich hinzu . - Er sah mich groß an und dann lachte er und sagte : Du bist doch dümmer , als ich gedacht habe , Alte . - Damit wandte er mir den Rücken und ging trällernd in das Schloß . Ich wußte nicht , was ich von dem Allen denken sollte . Hatte Harald dem Mädchen die Ehre versprochen , glaubte sie alles Ernstes , daß er - von dem sie sagte , daß sie sein früheres Leben kenne - dies Versprechen halten würde ? Sie schaute so klug und verständig aus ihren großen blauen Augen , wie konnte sie sich ein solches Märchen aufbinden lassen ? Wie hatte es Harald angefangen , ihre Klugheit so ganz zu umnebeln ? Was meinte das Mädchen damit , daß die Tante ihrethalben hier sei ? Mir ging das Tag und Nacht im Kopf herum , daß ich fast darüber wurde . Ich hätte das arme , unschuldige Lamm so gern gerettet , und dem Harald diese Sünde erspart - hatte er doch schon genug auf dem Gewissen ! Aber ich wußte nicht , wie ich es anfangen sollte . Seit jener Unterredung im Garten wich Fräulein Marie mir überall aus ; die Tante kam nur noch des Abends aus ihrem Zimmer und hatte trotz des heißen Wetters den Kopf stets dicht in Tücher eingewickelt . Harald hatte schon seit Tagen kein Wort mehr mit mir gesprochen . Er schien wirklich ein ganz anderer Mensch geworden zu sein . Er war , so lange Fräulein Marie auf dem Schlosse war , nicht ein einziges Mal betrunken gewesen ; hatte keinen der Leute geprügelt ; kein Pferd zu Schanden geritten , während doch sonst kein Tag hinging , wo er nicht diesen oder jenen verrückten Streich ausführte . Wenn er sonst bei der geringsten Veranlassung tobte und fluchte und sich wie ein Rasender gebehrdete , so war er jetzt gegen Alle mild und freundlich , nur nicht gegen mich , weil er wußte , daß er sich vor mir nicht verstecken konnte , die ihn von Kindesbeinen an kannte - und gegen den neuen Kammerdiener . Das war ein widerwärtiger Mensch , der beständig lächelte , und immer hinter den Mädchen her war , die ihn alle nicht leiden konnten . Er hatte den ganzen Tag nichts zu thun , als mit den Händen in den Taschen umherzuschlendern und Grimassen zu schneiden . Für den Baron that er gar nichts , im Gegentheil , seitdem Harald ihm einmal einen Fußtritt gegeben , daß er noch vierzehn Tage nachher hinkte , ging er ihm überall aus dem Wege . Kein Mensch konnte begreifen , weshalb ihn der Baron nicht wieder fortjagte . - Während dieser ganzen Zeit war keiner von den Herren , die sonst bei uns aus- und eingingen , zum Besuch auf dem Schlosse gewesen . Ich hatte immer gehofft , es sollten welche kommen , damit ich Gelegenheit bekäme , mit Fräulein Marie zu sprechen , der Harald jetzt gar nicht mehr von der Seite ging . Wenn sie vorher schön mit einander gethan hatten , so war das jetzt noch viel schlimmer geworden . So wie sie sich unbeobachtet glaubten , lagen sie einander in den Armen , und das war ein Herzen und ein Küssen ! - Du lieber Himmel , das ist unter Liebesleuten so der Brauch , und ich hatte es nicht besser gemacht , als ich ein so junges Ding war , und ich wußte am besten , wie die Grenwitzer Barone einem armen hübschen Mädchen schön thun und schmeicheln können ; aber ich wußte auch , daß man jeden ihrer Küsse mit tausend Thränen bezahlen muß . - Und eines schönen Morgens , als ich Fräulein Marie wieder einmal begegnete , und fragte : wie geht ' s Fräulein Marie ? gut geschlafen ? da wurde sie purpurroth und konnte vor Verlegenheit kein Wort hervorbringen und stand da , und zitterte , wie ein Espenblatt . Und als ich das sah , wußte ich auch , was geschehen war , und da wurde mir das Herz so centnerschwer , daß ich mich auf eine Bank setzte und weinte . Als das Fräulein Marie sah , fing sie auch an zu weinen und setzte sich zu mir , schlang ihren Arm um meinen Hals und sagte schluchzend : Weinen Sie nicht , gute Mutter Clausen ! Es wird noch Alles gut werden ! - Das gebe Gott , Kind , sagte ich ; aber ich glaube es nicht . - Aber , sagte sie , Sie sehen ja selbst , wie gut und freundlich der Baron jetzt ist , und er ist doch nur so , weil er mich liebt , und wenn er mich nicht heirathen wollte warum hätte er dann die Tante mitgebracht ? und wenn die Tante nichts dagegen hat , die so stolz und hoffärtig ist , wie Harald sagt , da können ja die andern Verwandten doch auch nicht nein sagen ! - So sind Sie nicht Gesellschafterin bei der alten Baronin ? fragte ich verwundert . - Nein , sagte sie , ich habe sie hier zum ersten Mal gesehen . - Aber um ' s Himmelswillen , Kind , rief ich , wie kommen Sie denn hierher , wenn Sie nicht der Baronin gekommen sind ? - Die Kleine weinte noch stärker , als zuvor .