so spät , daß die Stunde des gemeinschaftlichen Frühstücks vorüber war , als sie mit Hyazinth zurückkehrte . Uriel kam ihnen schon am äußern Schloßtore entgegen und sagte bittend : » O Regina , ich hätte Dich ja so gern zur Messe fahren lassen ! Jetzt ist der Papa ungehalten über Deine Promenade in Nacht und Nebel - wie er sagt . « » Sei ruhig , lieber Uriel , er wäre es auch über die frühe Fahrt gewesen ; Du kennst ihn ja ! « versetzte Regina lächelnd . » Ich aber wollte es mir heute nicht nehmen lassen , den Tag der heiligen Therese zu feiern und vor dem heiligsten Sakrament mein Gelübde zu erneuern - Solo Dios basta . « Uriel wurde leichenblaß . Regina sagte : » Komm ' ein wenig in den Park « - und schlug aus dem Hof den Weg dahin ein , während sie Hyazinth zuwinkte , ins Schloß zu gehen , was dieser sehr gern tat und heimlich seinem Gotte dankte , daß er kein solches Gespräch zu führen und zu hören habe , wie jetzt Regina . Sie ging schweigend durch eine Kastanienallee zu einem freien , sonnigen Platz auf einem Hügelvorsprung , wo unter einer herrlichen alten Eiche Gartenstühle um einen Tisch standen ; ein allgemeiner Lieblingsplatz wegen seiner schönen Aussicht . Da setzte sie sich nieder und Uriel setzte sich schweigend zu ihr . » Lieber Uriel , « hub sie mit fast zitternder Stimme an , » es tut mir unaussprechlich leid , daß ich hier bin ; aber Du weißt , daß der Vater seinen Gang geht . « » Ich weiß , daß Du mir keinerlei Freude gönnst , « entgegnete er finster . » Du irrst , lieber Uriel ! Stände es in meiner Macht , Dir Glück und Freude zu bereiten , es sollte Dir nicht fehlen . « » Wozu die leeren Versicherungen , da Du ja sehr gut weißt , daß es in Deiner Macht steht , und nur in ihr , mich glücklich zu machen . « » Du vergißt , daß ich gebunden bin . « » Das Band ist zu lösen ! « » Daß mein Herz gebunden ist und bleibt , Uriel , wenn mein Gelübde auch tausend Mal gelöst würde . « Er machte eine ungeduldige Bewegung und rief : » Genug und übergenug ! ich warte ! « » Und was ist Deine Absicht dabei ? « » Du sollst nicht glücklich sein ohne mich , so lange ich es hindern kann ! « rief er heftig . » Ist das edel gedacht , Uriel ? O verleumde Dich nicht ! Nein , Deine Absicht ist nur , Deine Hoffnung auf eine unmögliche Erfüllung zu nähren . Du hoffst mich treulos zu sehen , damit ich Dir Treue versprechen könne . Schlechte Bürgschaft für Dein Glück ! Möchtest Du eine Frau , die zehn Jahre geschwankt hätte in ihrer Wahl zwischen Dir und einem anderen Mann ? - schwerlich ! Um wieviel weniger , wenn sie schwankte zwischen Gott und einem Menschen ! Welch ' eine armselige Charakter- und Herzensschwäche würde das verraten ! Laß mich also ganz sein , was ich sein kann und sei auch Du es ganz . Dadurch , daß Du und nicht Orest , wie wir alle glaubten , Stamberg geerbt hast , sind Deine Verhältnisse ja ganz verändert . Du wirst hier leben , findest hier den Kreis Deiner Wirksamkeit Dir zugewiesen und Haus und Herd bereit . Nun , so nimm sie in Besitz , aber ganz und vollständig ! Mache Dir den häuslichen Herd lieblich und traut , schmücke Dein Haus mit Deinen eigenen Tugenden und denen einer lieben frommen Frau , erfülle Deine schöne , segensreiche Bestimmung und laß mich die meine erfüllen - dann wirst Du mehr und mehr Deinen Frieden finden , weil Du Dein Leben ordnest nach dem Willen Gottes , anstatt es zu verschwenden an leere Leidenschaft . Einsam darfst Du nicht bleiben ! Du würdest Dein Herz hängen an Hunde und Pferde , an Bauten und Parkanlagen , vielleicht an den Mammon - was weiß ich ! die Einsamkeit mitten in weltlichen Verhältnissen ist Vereinzelung und tut weh , weil das Herz durch sie abstirbt oder verknöchert . Ach , Uriel , Du kannst ja ein so schönes Leben haben ! wolle nur ! « Während sie sprach , schwand der finstere Ausdruck von Uriel ' s Zügen , und er sagte in ihren Anblick verloren : » Ja , Regina , es ist alles ganz richtig , was Du sagst , und ich könnte ein schönes Leben haben , aber nur durch Dich und nur mit Dir ! und ich begreife nicht , wie Du so fest auf dem Wege Deiner Liebe wandeln - aber zugleich mir raten kannst , den meinen zu verlassen . « » Weil das ein Unterschied ist wie Himmel und Erde - den Schöpfer zu lieben .... oder ein Geschöpf ! Die Welt wimmelt von Reginen , aber der Geliebte meiner Seele ist nur einer . Du kannst ohne mich eine tausend Mal bessere Wahl treffen ; ich würde durch jede andere Wahl ein elendes Loos ziehen . « » Meine Liebe läßt sich nicht beliebig auf irgend ein Individuum - gleichviel welches ! - des weiblichen Geschlechtes übertragen , Regina . Bei einer so ernsten , so heiligen , so verantwortungsschweren Verbindung wie die Ehe , die unwiderruflich über das Lebensglück von zwei Menschen entscheidet , genügt das allgemeine Wohlwollen und die christliche Nächstenliebe nicht . Da muß zugleich tiefe Übereinstimmung über die höchsten Angelegenheiten - und ausgleichender Gegensatz in den Charakteren herrschen . Da muß das Etwas sein - die Sympathie , die Neigung , der unerklärliche und unleugbare Zug des Herzens , den man Liebe nennt , der ein Wesen ausscheidet aus tausenden , ja aus allen übrigen - und der durch dies eine Wesen alle Hoffnungen , alle Wünsche , alle