daß uns Niemand entdeckt - ich weiß von dem , was Ihr mir nun verschweigen wollt , zu viel , um die Ruhe finden zu können , die Ihr vielleicht denkt mir durch Euer Schweigen zu bewahren , und wieder zu wenig , um in irgend einer Gewißheit gegen das Quälende meiner Ahnungen einen Trost zu finden - was wißt Ihr von meiner Mutter ? warum nehm ' t Ihr Antheil an mir ? « » Weil ich glaube , daß Du mein Sohn bist ! « rief Amadeus ; » nun weißt Du es ! « fügte er erschöpft hinzu . Ulrich zuckte zusammen und unterdrückte mühsam einen Schrei . Nun müßt Ihr Alles sagen , « sagte er tonlos . » Vor achtundzwanzig Jahren , « sagte Amadeus , » war Amadeus von Wildenfels ein stolzer feuriger Ritter , als er bei einem Reichstag in Kostnitz die liebreizende Ulrike Kreß kennen lernte , die dort als eine alleinstehende Verwandte in der Familie lebte , in deren Haus er wohnte . Ein Vierteljahr hatten sie sich täglich gesehen und mehr und mehr geliebt ; obwohl der Ritter wußte , daß die Seinigen einer Verbindung mit einer Bürgerlichen entgegen sein würden , so verlobte er sich doch mit ihr und versprach , sobald er aus dem Kampf , in den er eben mitziehen mußte , heimkehren werde , sie zum Altar zu führen . Aber in der Aufregung der Trennungsstunde nahmen sie das dann verheißene Glück voraus . - Ein Jahr verging , ehe der Ritter zurückkehren konnte . Er fand Ulrike , die eine Waise war , nicht mehr in Kostnitz ; von der Familie , bei welcher sie gewohnt , erfuhr er nur , daß sie vor einem halben Jahr dieselbe verlassen habe , und daß man ihr auch nie wieder die Aufnahme in sie gestatten werde , weil sie sich derselben unwerth gemacht . - Ueberall forschte ich vergeblich nach ihr ; von einem gemeinschaftlichen Bekannten hörte ich einmal , daß man etwa vor einem halben Jahre eine weibliche Leiche im Rhein gefunden habe , und daß man glaube , es sei Ulrike gewesen , die sich , um der Schande zu entgehen , den Tod gegeben . Verzweiflungsvoll irrt ' ich noch immer umher nach ihr fragend und suchend , aber nirgend erhielt ich eine andere Antwort . Ich entsann mich , daß sie einen Bruder Anton gehabt hatte , der Geistlicher war - ihn fand ich endlich in Worms , aber es ging ihm wie mir : er wußte auch nichts von seiner Schwester . « Ulrich hörte mit äußerster Spannung zu und sagte : » Meine Mutter war eine geborene Waise - « » Höre weiter ! « sagte Amadeus . » Jahre vergingen , und man sagt ja , daß die Zeit jeden Schmerz heilt . Ich heirathete ein ebenbürtiges Edelfräulein , das mich zärtlich liebte und das ich glücklich machte . Ich selbst war es wohl auch einige Zeit - aber das Umhertreiben in Kampf und Gefahr in allen Landen war mir lieber , als daheim auf meinem Schlosse zu sitzen bei Weib und Kind . So kam ich auch einst an der Spitze einer Schaar in das Elsaß , und dort gab es bei einem Dorfe ein Gefecht , welches dasselbe ganz verwüstete . Wer kampffähig war , mußte mitziehen , und die Frauen , die unsern Leuten gefielen , wurden auch nicht geschont . Da hört ' ich den Namen Ulrike - in der dürftigen Tracht einer Bäuerin erkannt ' ich die Geliebte meiner Jugend nach zehn Jahren der Trennung wieder und sie erkannte mich . Die Zeit und Alles , was inzwischen geschehen , versank vor uns - wir hatten Beide einander für todt beweint - wir lebten und hatten uns wieder ! So wunderbar zusammengeführt , gehörten wir einander an . Ich erfuhr von ihr , daß ihr ein halbes Jahr nach der Trennung von mir die Kunde gekommen , daß ich im Kampf geblieben sei , und daß sie verzweiflungsvoll von ihren gegen sie wüthenden Verwandten in die weite Welt geflohen sei - um den Tod zu finden . Wohl war ihr oft die Versuchung gekommen , Hand an sich selbst zu legen , aber gerade um ihrer Mutterschaft Willen hatte sie ihr widerstanden . So war sie immer rheinab gepilgert , arbeitend oder bettelnd , je nachdem es gekommen . In einem Stall , auf einem Meierhof im Elsaß , wo man sie mitleidig aufgenommen , hatte sie einen Knaben geboren . Dort durfte sie eine Zeitlang bleiben , und so viel es ihre Kräfte erlaubten , mitarbeiten . Ein Bauernbursche , der auch hier arbeitete , fand Wohlgefallen an ihr ; in seiner Heimath hatte er eben ein kleines Grundstück geerbt , und da er es ohne Frau nicht bewirthschaften konnte , so fragte er die fleißige Ulrike , ob sie mit ihm ziehen wolle , sie wollten sich hier trauen lassen und er ihr Kind als das seine anerkennen - in seinem Dorfe wisse man viel , ob sie schon ein Jahr verheirathet wären oder nicht . Mußte sie es nicht als ein Glück betrachten , so sich vor Schande bewahrt und die Zukunft ihres Knaben gesichert zu sehen ? Freilich war es ein großer Schritt abwärts aus dem höheren Bürgerstande , dem sie angehört , zu der niedern Frau des rohen Bauers , die sie nun ward . Aber sie fühlte sich ausgestoßen aus der menschlichen Gesellschaft - sie mußte froh sein , wenn sie in dieser untersten Stufe ihr wieder angehören konnte . Sie wollte auch todt und vergessen sein für Alle , die sie sonst gekannt - so war sie dessen am gewissesten , und alles Leid , das ihr nun das Leben noch zu bieten wagte , das betrachtete sie als Strafe und Buße für ihren Fehltritt . Glücklich war sie keinen Augenblick gewesen , außer durch ihr Kind , das ihr einziges blieb . Ihr Mann hatte sie später