mehr zwischen sich und der Frauengestalt des Dichters . » Haltet an ! « rief sie dem Vorlesenden zu , » man merkt wieder , daß ein Mann das geschrieben . Er will die Frau demütigen . Alles falsch . Wer wird sich so in einen fremden Gast vernarren ? « » Das mag Virgilius verantworten « , sprach Ekkehard . » Die Geschichte wird ' s ihm so überliefert haben . « » Dann lebt jetzt ein stärker Frauengeschlecht « , sagte die Herzogin und winkte ihm weiterzulesen . Sie war fast beleidigt von Virgilius ' Schilderung , vielleicht daß sie sich selber didonischer Anwandlungen erinnerte . Es war nicht immer gewesen wie heute . Und er las , wie Anna der Schwester zusprach , nicht vergeblich wider gefällige Liebe zu streiten , wie an der Götter Altären Friede und Heil durch Opfer erfleht wird , dieweil die geschmeidige Flamme fortzehrt im Mark und die alte Wunde nicht vernarbt . Und wieder will die Betörte von den Kämpfen um Ilium vernehmen und hängt am Mund des Erzählers - » Wenn sie darauf sich getrennt und ihr Licht die erdunkelnde Luna Jetzo gesenkt und zum Schlaf die sinkenden Sterne ermahnen , Trauert sie einsam im leeren Gemach - aufs verlassene Lager Wirft sie sich , jenen entfernt den Entferneten hört sie und schaut sie . Oft den Ascanius auch , von des Vaters Bilde bezaubert , Hält sie im Schoß , um zu täuschen die unaussprechliche Liebe . « Ein leises Kichern unterbrach die Vorlesung . Der Klosterschüler war aufmerksam zu der Herzogin Füßen gesessen , schier angeschmiegt an ihr wallend Gewand , jetzt hatte er gekämpft , ein aufsteigend Lachen zu unterdrücken , es mißlang , er platzte heraus und hielt die Hände vergeblich vors Antlitz , sich zu decken . » Was gibt ' s , junger Versemacher ? « sprach Frau Hadwig . » Ich habe denken müssen « , sprach der Junge verlegen , » wenn meine hohe Herrin die Königin Dido wäre , so wär ' ich vorhin der Ascanius gewesen , da Ihr mich zu herzen und küssen geruhtet . « Die Herzogin schaute scharf auf den Knaben herab . » Will man ungezogen werden ? Kein Wunder - « schalt sie mit einem Fingerzeig auf seine Locken , » die junge Altklugheit trägt ja schon graue Haare auf dem Scheitel . « » ... Das ist von der Nacht , da sie den Romeias erschlugen « , wollte der Klosterschüler sagen . » Das ist vom Fürwitz , der törichte Dinge redet , wo er schweigen sollte « , fuhr die Herzogin drein . » Steh auf , Schülerlein ! « Burkard erhob sich vom Schemel und stand errötend vor ihr . » So « , sprach sie , » jetzt geh zu der Jungfrau Praxedis und melde ihr , es müßten dir zur Strafe alle grauen Haare abgeschnitten werden , und bitte schön , daß sie dir ' s tue . Das wird gut sein für unzeitig Lachen . « Dem Knaben standen die hellen Tränen in den Augen . Er wagte keine Widerrede . Er ging zu Praxedis hin , die hegte Teilnahme für ihn , seit sie gehört , daß er des Romeias Gefährte bei seinem letzten Gang gewesen : » Ich tu ' dir nicht weh , kleiner Heiliger « , flüsterte sie ihm zu und zog ihn zu sich . Das junge Haupt in ihren Schoß gebeugt , mußte er vor ihr knien , da griff sie eine mächtige Schere aus ihrem strohgeflochtenen Nähkorb und vollzog die Strafe . Betrüblich klang erst des Klosterschülers Schluchzen , - wer sein Haupthaar von fremder Hand berühren ließ , galt eigentlich für schwer beschimpft232 - aber Praxedis ' weiche Hand fuhr ihm streichelnd über die Wangen , nachdem sie das Gelock zerzaust hatte , da ward ihm bei aller Strafe so seltsam zu Mut , daß sein Mund lächelnd die letzte niederrollende Träne auffing . Ekkehard sah eine Weile stumm vor sich hin . Das Spiel leichtfertiger Anmut macht den Traurigen trauriger . Er war verletzt , daß die Herzogin so sein Lesen unterbrochen . Aus ihren Augen las er keinen Trost : » sie spielt mit dir , wie sie mit dem Knaben spielt « , dachte er und schlug seinen Virgilius zu und erhob sich . » Ihr habt recht « , sprach er zu Frau Hadwig , » es ist alles falsch . Dido sollte lachen und Äneas sollte hingehen und sich ins Schwert stürzen , dann wäre es richtig . « Sie blickte unstet auf . » Was habt Ihr ? « fragte sie . » Ich kann nicht weiter lesen « , erwiderte er . Die Herzogin war aufgestanden . » Wenn Ihr nicht mehr lesen möget « , sprach sie mit scheinbar gelangweiltem Ausdruck , » es gibt noch mannigfache Mittel und Wege , uns Kurzweil zu schaffen . Wie wär ' es , wenn ich Euch aufgäbe , uns etwas Anmutiges zu erzählen , - Ihr möget dabei auslesen , was Euch gefällt , es gibt so viel Liebreizendes und Gewaltiges noch außer Euerem Virgil . Oder gehet hin und dichtet selber etwas . Euch drückt irgendeine Last , Ihr mögt nicht erklären , Ihr mögt nicht aufs Land gehen , alles tut Euern Augen weh , Eurem Geist fehlt eine große Aufgabe , wir wollen sie Euch setzen . « » Was sollt ' ich dichten ? « erwiderte Ekkehard . » Ist ' s nicht schon Glück genug , das Echo eines Meisters , wie Virgilius , zu sein ? « Er sah mit umflortem Auge auf die Herzogin . » Ich wüßte nur Elegien zu singen , sehr traurige . « » Sonst nichts ? « fragte Frau Hadwig vorwurfsvoll . » Haben unsere Vorfahren keine Kriegszüge getan und ihr Heerhorn mit Sturmschall durch die Welt erklingen lassen und Schlachten geschlagen , so viel wert wie die des Landfahrers Äneas ?