ein anderer hielt mich für vortrefflich geeignet , den Rückgrat einer Bratwurst zu benagen . Dazu sollte ich als angeblicher Galan meine Schöne bedienen , was mir durchaus unbequem war ; denn außer daß es mir lächerlich vorkam , ihr ein Gericht vorzuhalten , das ihr vor der Nase stand , und ich ihr lieber mit dem Herzen als mit den Händen dienen wollte , wo es nicht nötig war , reichte meine Kenntnis hiefür nicht aus , indem ich manchmal den Schwanz eines Fisches präsentierte , wo der Kopf gut war , und umgekehrt . Ich ließ sie auch bald unbedient sitzen und freute mich unbeschwert ihrer Nähe ; aber der Oheim weckte mich aus diesem Vergnügen , indem er mich aufforderte , Anna einen Hechtkopf auseinanderzulegen und ihr die Symbole des Leidens Christi zu zeigen , welche darin enthalten sein sollten . Allein ich hatte diesen Kopf unbesehens gegessen , obschon man früher davon gesprochen , und stellte mich nun zugleich als einen unwissenden Heiden dar ; darüber ärgerlich , ergriff ich mit der Faust den mittlerweile entblößten Schinkenknochen , hielt ihn der Anna unter die Augen und sagte , hier wäre noch ein heiliger Nagel vom Kreuze . Ich behielt nun freilich wieder recht in den Augen der Spötter , doch Anna hatte gerade solche Grobheit Nicht verdient , da sie mich nicht verspottet und ganz still neben mir gesessen hatte . Sie wurde über und über rot , Ich fühlte augenblicklich mein Unrecht und hätte aus Reue gern den Knochen verschlungen . Verlegen legte ich ihn auf meinen Teller und fügte noch ein paar schlechte Witze hinzu . » Diese Reliquie « , sagte ich , » würde allerdings ein artiger Sparren im Kopfe sein ! Indessen mag es manchen Heiligen geben , dessen christliche Ideen einem Schinkenknochen gleichen . « Hierauf antwortete niemand etwas außer meinem Oheim , welcher mich ernstlich ersucht haben wollte , dergleichen Mitteilungen zu unterlassen . Das Rotwerden war nun an mir , und ich sagte nichts mehr während der übrigen Zeit , die man am Tische zubrachte . Ich zog mich zurück in bitterm Unmute und gedachte mich nicht mehr sehen zu lassen , bis meine Bäschen mich aufsuchten und mich aufforderten , mit ihnen und ihren Brüdern Anna nach Hause zu begleiten und den Schulmeister zu besuchen . Da Ich durch den seltenen Verweis des Vaters in eine beschämende Lage geraten , so fanden sie es angemessen , mich durch diese Freundlichkeit daraus zu ziehen ; denn sie wußten wohl , daß ich sonst nach der Etikette jenes Alters nicht mitkommen konnte , wo das Schmollen eine Ehrensache und an bestimmte Gesetze gebunden ist . Wir zogen also aus und gingen dem Flüßchen nach durch den Wald . Ich blieb still , und als wir , durch die Enge des Weges getrennt , hintereinander gehen mußten , marschierte ich als der letzte hintendrein , dicht nach Anna , aber immer in tiefem Schweigen . Meine Augen hingen mit Andacht und Liebe an ihrer Gestalt , immer bereit , sich abzuwenden , sobald sie zurückschauen würde . Doch tat sie dies nicht ein einziges Mal ; hingegen bildete ich mir mit innerlichem Vergnügen ein , daß sie hie und da mit einer kaum sichtbaren Absicht , zu gefallen , sich über schwierige Stellen hinbewegte . Ich machte ein paarmal schüchterne Anstalten , ihr behilflich zu sein , allein immer kam sie meinen Händen zuvor . Da stand an einer erhöhten Stelle des Weges die schöne Judith unter einer dunklen Tanne , deren Stamm wie eine Säule von grauem Marmor emporstieg . Ich hatte sie lange nicht mehr gesehen ; sie schien mit der Zeit noch immer schöner zu werden und hatte die Arme übereinandergeschlagen , eine Rosenknospe im Munde , mit welcher ihre Lippen nachlässig spielten . Sie grüßte eines um das andere , ohne sich in ein Gespräch einzulassen , und als ich schließlich auch an die Reihe kam , nickte sie mir leicht zu mit einem etwas spöttischen Lächeln . Der Schulmeister begrüßte uns mit Freuden und vor allen seine Tochter , die er sehnlich zurückerwartet . Denn sie war nun die Erfüllung seines Ideales geworden , schön , fein , gebildet und von andächtigem , edlem Gemüte , und mit dem bescheidenen Rauschen ihres Seidenkleides war , nicht in schlimmem Sinne , eine neue schöne Welt für ihn aufgegangen . Er hatte zu seinem bisherigen Vermögen noch eine gute Erbschaft gemacht und benutzte diese , ohne Vornehmtuerei , sich mit allerhand anständigen Annehmlichkeiten zu umgeben . Was seine Tochter nach den aus Welschland mitgebrachten Bedürfnissen irgend wünschen konnte , schaffte er augenblicklich an und unter diesem Vorwande überdies eine Menge schöner Bücher für seine eigenen Wünsche . Auch hatte er seinen grauen Frack mit einem feinen schwarzen Leibrock vertauscht , wenn er ausging , und im Hause trug er einen ehrbaren talarartigen Schlafrock , um mehr das Ansehen eines würdigen , halbgeistlichen Privatgelehrten zu gewinnen . Was irgend mit einer Stickerei geziert werden konnte an seiner Person oder an seinem Geräte , das zeigte diesen Schmuck in allen Manieren und Farben , da ihm solcher ausnehmend gefiel und Anna reichlich dafür sorgte . In dem kleinen Orgelsaale stand nun ein prächtiges Sofa mit buntgestickten Kissen , und vor demselben lag ein großblumiger Teppich von Annas Hand . Diese reiche Farbenpracht , an einer Stelle zusammengehäuft , nahm sich vortrefflich und eigentümlich aus im Gegensatze zu dem einfachen weißgetünchten Saale . Nur die Orgel bot noch einigen Schmuck in glänzenden Pfeifen und mit ihren bemalten Türchen . Anna erschien nun in einem weißen Kleide und setzte sich an die Orgel . Sie hatte in der Pension Klavier spielen müssen , lehnte es aber ab , ein Klavier zu haben , als ihr Vater sogleich ein solches anschaffen wollte ; denn sie war zu klug und zu stolz , die gewöhnliche Klimperei fortzusetzen . Dagegen wandte sie das Erlernte dazu an , sich für einfache Lieder auf der Orgel