Nur keine öffentlichen Schritte . Es lässt sich so Vieles unter der Hand abthun , eben wenn man Freunden vertraut . Freunden haben Sie ja nur zu winken . Kommandiren Sie auch über mich . A propos , ich habe viel von dem jungen Lehrer gehört , ein origineller Charakter , sagt man . Wo ist er ? Stellen Sie ihn mir vor . « » Er ist nicht hier . - Für unsere Gesellschaft - « » Würde er keine Augen haben , nur für seine schöne Schülerin . - Sie sehen mich an . Wie ? Soll er sein Blut in Eis verwandeln , oder spielt die Geschichte von Abälard und Heloise nur in der grauen Vorzeit ? Ach , eine reizende Geschichte , aber wenn Sie dieselbe nicht wiederholt sehen wollen , müssen Sie auch da Acht haben , mehr als nach Außen das Auge wach ! Ja , theure Frau , die Obliegenheiten einer Mutter sind groß . Sie haben eine halb Gefallene aufgerichtet , aber wer sich vor dem Fallen noch fürchten kann , ist stets dem Fallen nahe - O weh ! da fällt Ihr Diener - ein Glück , daß der andere ihm das Präsentirbrett hielt . Der arme Mensch ist krank - « » Aber Johann , wie konnte er auch ! « fuhr die Geheimräthin auf . Der Diener hatte sich wieder erhoben , und , es schien , erholt . Er versicherte es wenigstens und wollte sich nicht hinausschicken lassen ; es sei eben nur ein Schwindel gewesen . Die Geheimräthin versicherte der Fürstin , sie habe soviel Lohnbedienten angenommen , daß Johann gar nicht nöthig gehabt , selbst zu serviren ; er habe es nur aus Eigensinn gethan . » Oder Furcht , daß seine Herrschaft ihn für entbehrlich hält , « sagte die Fürstin . - » Wie liebreich Adelheid ihm zuspricht ! Sie hat ihn überredet , sie schickt ihn hinaus . Bravo ! Hören Sie ! Herren und Damen sind entzückt , sie muß etwas Seelenvolles gesagt haben . « Die Geheimräthin fand sich allein . Auch die Fürstin war zu Denen geeilt , die Adelheid mit ihrem Beifall überhäuften . Die Geheimräthin fand sich sehr allein . Nur Diener , auf den Tag gemiethet , in Livreen , frisirt oder noch in Perrücken , bewegten sich in den Zimmern , mit den Vorbereitungen für die Abendtische beschäftigt . Sie kannte mehrere von ihnen nicht . Der eine schien im Vorübergehen einen seltsamen Blick auf sie zu werfen , zwei dunkle Augen , aber er wandte sie rasch auf die Teller , die er trug . Ward sie beobachtet , hatte man auch in ihre Gesellschaft Lauscher geschickt , von Seiten der clairvoyanten Gesandten oder Gesandtinnen ? - Sie wollte in den Saal . Aber der Fürstin nacheilen , welche ihr eben so brüsk den Rücken gedreht ? Sie umfasste Adelheid . So hatte die Gargazin auch sie vorhin umfasst . Sie zog sie auf ein Kanapee , sie spielte mit ihrer Hand , sie sagte , sie flüsterte ihr tausend schöne Dinge ins Ohr . Adelheids Gesicht glühte . O sie war weit liebenswürdiger , lebhafter , zuvorkommender gegen die Tochter , als gegen die Mutter . Alle gruppirten sich , näher oder ferner , um diesen Mittelpunkt . Nach der Wirthin sah Niemänd , es kam Niemand in den Sinn , daß sie abgeschlossen war . Der Legationsrath stand in einer Fensternische , weit jenseits , die Arme unterschlungen , und beobachtete die Gruppen , sein Gesicht unbeweglich wie immer ; aber als der Strahl seines Auges sie traf , glaubte sie in dem Auge eine an sie gerichtete Bemerkung zu lesen . War es ein Vorwurf , Bedauern , Mitleid ? » Warum sich der Gesellschaft entziehen , ma belle soeur ? « rief der Geheimrath Schwager , der zufällig aus einem hinteren Zimmer kommend , der Wirthin entgegentrat , als sie die beste Partie ergriff , weil kein Mensch sich um sie , sich auch nicht um die Menschen zu kümmern , sondern um die Teller und Tische . » Weil ich überflüssig bin , « war die kurze Antwort , mit der sie an ihm vorüberstreifte . Wenn er an Ton und Art noch nicht gemerkt , daß sie auch ihn für überflüssig hielt , ward er auf der Schwelle zum Saal daran gemahnt , als die Fürstin , am Arm des Legationsrathes , über diese Schwelle rauschte . Wenn es nicht grade mit dem Ellenbogen geschah , fühlte er sich doch durch Blick und Bewegung mit seiner ganzen Persönlichkeit bei Seite geschoben . Die Fürstin verließ die Gesellschaft . Den Legationsrath hatte sie gewürdigt , sie als Kavalier an den Wagen zu begleiten ; aber nicht einmal eines Blickes würdigte sie den Mann , der vorhin ihre Liebenswürdigkeit ausposaunt . War er ein Anderer geworden ? Sie gewiß ! Einen Kopf größer schien sie ihm . Fort waren die Rollen der Liebenswürdigen , der nervös Irritirten , der Bescheidenen und der Schwärmerin geworfen , als Fürstin hielt sie ihren Ausgang . » Ach , unsere emsige Wirthin . Immer wie eine Biene für den Honig sorgend . « » Durchlaucht wollen uns doch nicht verlassen ? « » Leider , eine heftige Migräne ! O bitte , nehmen Sie nicht auf mich Rücksicht , Ich verschwinde wie ein Schattten , um Licht und Heiterkeit zurückzulassen . « Die Geheimräthin öffnete den Mund , um dagegen zu demonstriren , aber unwillkürlich kehrte ihr die Erinnerung an jene Gesellschaft vom vorigen Sommer zurück , - da war sie es ja , welche die Rolle der Fürstin gespielt . Sie verstummte . Migrainen sind oft angenehm für Die , welche sie vorschützen , nicht immer für Die , welchen Sie vorgeschützt werden . » A propos ! « rief die Fürstin . » Herr von Wandel , nur einen Augenblick , zwei Worte mit unserer Freundin . « Sie zog diese bei Seite