gingen die andern akkurat um , als wenn es junge Katzen wären , welche man plagen und martern dürfe ungestraft . Endlich kam der Tag , an welchem die gute Mutter begraben werden sollte . Da konnte man sehen , was eine gute Frau zu bedeuten hat in einer Gegend , sie ist , was ein warmer Ofen im harten Winter ; jeder , dem es schaurig wird in der kalten Welt , läuft ihm zu , sucht und findet Behagen in seiner Nähe . Gar Viele legten in lauter Wehklage Zeugnis ab , daß sie nackt gewesen , von ihr gekleidet , hungrig und durstig , von ihr gespeiset und getränkt worden . Diese Zeugnisse werden wohl noch ihren alten Wert besitzen ; was sie diesen getan , wird der , der einst zu richten kömmt die Lebendigen und die Toten , ansehen , als hätte er es empfangen , und hier wird wohl auch die Sühnung liegen von allem , was sie gefehlt in Unwissenheit und allzu großer Milde . Indessen wem die Klage am tiefsten aus dem Herzen floß , waren doch Joggeli und Vreneli . Joggeli fühlte , daß man seinen Stab und Stütze zu Grabe trug ; ein düsteres Ahnen der Tage , die seiner warteten , beschlich ihn . Schon jahrelang war er immer am Stock gegangen und hatte es sich so angewöhnt , daß er vom Tische zum Bette den Stock zur Hand nahm . Aber viel schwächer als seine Beine war sein Wille , der änderte sich alle Tage und jedes Kind konnte ihn meistern ; seine Frau hatte ihn auch gemeistert , aber zu seinem Besten . Solange sie lebte , klagte er dar , über bitterlich , jetzt , da sie tot war , vermißte er dieses Meistern noch viel bitterer ; er fühlte , daß er den Halt im Leben verloren . Vreneli ging es fast ebenso ; es war ihm , wie es dem Schiffer ist , dem auf wild bewegtem Meere das Ruder entgleitet , der Kahn der Willkür der Wellen preisgegeben ist . Es war ihm wie einem Kinde , welchem im Marktgetümmel der Mutter leitende Hand entfährt , hin- und hergestoßen wird von des Marktes Wellen , umsonst nach der Mutter sieht und schreit . Das Verschwinden eines Menschen von der Erde ist schauerlich , und Wenige werden , wenn sie an einem offenen Grabe stehen , diesen Schauer nicht fühlen , sich nicht sagen : » Siehe , so sieht auch die Türe aus , durch die du mußt zum andern Leben , so sieht dein Grab auch aus , aber wie wird dein und aller Erwachen sein ? « So werden die Meisten denken , welche nicht mit besonderer Liebe an die Leiche gefesselt sind . Wo die Liebe recht lebendig ist , da verzehrt sie alle Gedanken , nur der Schmerz des Missens , das Sehnen nach Wiedersehen fluten durch die erregte Seele . Da wird uns klar , wie wir selbst ein Geheimnis sind im Werden und im Sterben , ein Geheimnis , welches kein Sterblicher offenbart , da begreifen wir , daß wir wandeln müssen im Glauben , nicht im Schauen , daß wir nichts sind als ein Hauch des Allmächtigen , aber ein wunderbarer , der kommt und schwindet nach seinem Wohlgefallen . Da fühlen wir , daß alles Wissen und Sagen der Gelehrten Stückwerk ist und ein kindisch Gerede und nichts Kraft und Macht hat in den Schauern des Todes und des Grabes als die Verheißung , daß auferstehen werde in Kraft und Herrlichkeit , was verweslich und in Schwachheit ausgesäet worden . Wenn einer geht ins bessere Land , entsteht wohl eine Lücke in der Welt , kleiner oder größer , je nach des Menschen Stand und Bedeutung , aber schnell ist die Lücke zugewachsen in der Welt , schneller noch , als das Gras wächst auf dem Grabe . Nur die Lücken in den Herzen wachsen nicht zu ; wenn sie aufhören zu bluten , blüht ein freundlicher Gedanke auf , schöner , als je Rosen auf einem Grabe geblüht . So verschwand auch die Base . Die Arbeit , welche sie noch getan , verrichteten Andere , der Lauf der Welt blieb der gleiche ; aber die , welche sie geliebt , vergaßen sie nimmer , und lange wird kaum ein Tag vergangen sein , daß ihrer hienieden nicht in Liebe gedacht wurde von denen , denen sie wohl , getan . Sie ruhte im Grabe im Herrn und darum sicher auch sanft . Desto weniger Ruhe hatte Joggeli . Beide Kinder , oder statt Elisi vielmehr der Baumwollenhändler ( denn was frug Elisi dem Vater und allem Übrigen nach , seit es der Mutter Schätze geerbt ! ) , stritten sich um ihn schrecklich ; jeder wollte , er solle zu ihm ziehen , um auf den Händen getragen zu werden , daß sein Fuß an keinen Stein mehr stoße , wie der Teufel es dem Herrn verhieß , als er ihn verleiten wollte , von der Zinne des Tempels zu springen . Hier könne er nicht bleiben , so verlassen , wo niemand zu ihm sehe , ihm begegnen könnte , was da wollte , niemand sich dessen achte . Nun wollte ihn aber jeder zu sich , darüber entbrannte der Streit . Jeder wußte , was mit Joggeli zu machen war , wenn man ihn in Händen hatte ungestört , darum wollte ihn jeder , aber um alles in der Welt nicht , daß er zum Andern ziehe . Johannes stellte ihm vor , wie kurzweilig es bei ihm sei , da habe er den ganzen Tag Gesellschaft und zu essen , was ihm nur in den Sinn komme ; er habe eine Köchin , wo er ausbieten wolle , sie mache gebackene Fische und saure Leber trotz dem Koch beim Falken . Der Baumwollenhändler dagegen schilderte gräßlich die Unruhe in einem Wirtshause , wo fast kein Schlaf möglich sei , man