die Völkerschaft der kleinen Käfer auf mannigfachen Wegen durch das dunkler leuchtende Gras . Der Adler fliegt zu seinem Horst und trinkt die Strahlen der Abendröte : die Schafe kommen blökend von der Weide , die Glocken der Kühe tönen den einförmigen Schall - ein Schweigen ruht auf Wasser , Feld und Berg - es horcht brütend und aufmerksam in die Tiefe der Erde hinein , was die Geister dort ausschwatzen , die niemals an die Oberwelt kommen . Nun stehen die Kuppen der Berge hell blühend im Rosenlichte , die Nebel ziehen sacht , vom Strahle geküßt , in den Wald hinab , die großen Wolken malen kühn Schlacht und Tumult und Ovidische Metamorphose in das dunkelnde Himmelsgwölbe . Nun geht sie fort , die Abendröte , die Königin ; bläulich grau , wie Leichname , stehn die Felsenkuppen , wie Gespenster fast , und mich ergreift ein Schauer , und zittert an mein Herz hinan . « - Wirklich ergriff sie ein fröstelndes Zittern , und sie stand auf die Fenster und Türen gegen die eindringende Abendluft zu schließen . Indem sie sich umsah , nahm sie in der Ecke des Saales ein zusammengekauertes , kleines graues Wesen wahr , das sich in der Nähe einer Tür gelagert hatte . Ihr erster Gedanke war , einen jener blödsinnigen Bettler , oder die Gestalt eines Kretins vor sich zu sehn , wie sie wohl in jenen Gegenden zu finden sind . Sie wollte die Diener rufen , um das kleine Wesen mit einem Geschenke abzufinden , als dieses sich erhob und den nebelgrauen Finger warnend ausstreckte . Es war nicht Wirklichkeit , so sagte sie zu sich selbst , sondern eine Schöpfung ihrer aufgeregten Phantasie . Sie trat dem Fremden dreist näher und heftete die Augen fest auf ihn , aber er verschwand nicht , wie sie erwartet hatte . Sein hängendes Gewand war grau , mit einem schwärzlichen Gurt in der Mitte zusammengehalten , die weiten Ärmel schlotterten , und Arme , Finger , und Hände waren unendlich mager : sein Angesicht war wie das eines halb verweseten Leichnams , die Lippen blaßbläulich und die Augen dunkel mit stechendem Blick . So mutig sie war , so genau sie den Unheimlichen zu betrachten wagte , so konnte sie sich doch einer angsthaften Furcht nicht erwehren . - » Wer bist du ? « redete sie ihn an ; » was willst du von mir ? « » Dein Warner « , krächzte kaum vernehmlich der Kleine ; » sollst dich hüten ! - Er - jetzt eben - « Da ging sie ganz nahe , aber ihre Hand erfaßte nur die Mauer , es war nichts da , was gesprochen haben konnte , aber viel finsterer war die Stelle des Saales , als vorher , als der Kleine noch dort in seinem grauen Schimmer gestanden hatte . - Aber sie faßte sich und rannte schnell aus dem Hause , da sie glaubte , soviel begriffen zu haben , er sei in Gefahr . - Sie eilte in den nahen Wald . Hier war die Dämmerung schon in Dunkel und Finsternis verdichtet . Es war , als wenn ein unsichtbarer Führer sie auf den Fußsteigen geleitete , die sich nach allen Seiten ausstreckten , denn sie zweifelte nicht , daß sie ihrem Gemahl begegnen müsse . Er kam ihr auch nach geraumer Zeit entgegen , schwankend , ungewissen Schrittes , auf einen fremden Mann gestützt . Sie eilte in seine Arme , er lehnte sich auf sie und rief : » Nun bin ich getrost , da ich dich wiederhabe ! « Sie wußte nicht , was sie antworten sollte . » Dank Euch , mein guter Mann « , sagte Bracciano , » daß Ihr mir bis hierher geholfen habt , jetzt ist mir besser . « - Sie sah sich um , der Wald war an dieser Stelle um ein weniges lichter , und schnell hatte sie mit einem kräftigen Stoß den unbekannte Begleiter zu Boden geworfen . » Du Elender ! « rief sie , » willst uns auch bis hierher verfolgen ? « Bracciano stand verwundert still . » Es ist ja der verächtliche Mancini , ein Spießgesell von Mördern , der uns damals von meinem unglücklichen Bruder den Zettel brachte in der verhängnisvollen Nacht . Seitdem hat mich eben Marcello wiederholt und dringend vor diesem Menschen warnen lassen , der im Solde unserer Verfolger steht . « - » Mancini ! « rief Bracciano , » ich kenne ihn als meinen Feind , ob ich ihn gleich früher niemals sah . « Der Niedergestürzte raffe sich auf und floh mit größter Eil in das Dickicht des dunkeln Waldes . Sie wollte ihm nach , aber das Zittern und Schwanken des Gemahls hielt sie bei diesem zurück und der Verdächtige entkam . Vittoria führte ihn , ihn sicher stützend , in das Haus ; er legte sich tu Bett , und mit größter Eil wurden Ärzte aus der nächsten Stadt herbeigerufen . Sie wachte indessen bei seinem Lager , und er , so matt er sich fühlte , konnte nicht einschlafen . - » Was ist dir geschehn ? « sagte Vittoria in der Nacht : » du siehst bleich , deine Hand zittert , dein Auge ist matt und sieht starr . « » Ich fürchte « , antwortete der Herzog , » ich bin durch mein Verschulden meinen listigen Feinden in die Hände geraten : daß du diesen Mancini , vor welchem mich seit lange schon freundschaftliche Briefe warnen , wiedererkannt hast , gibt mir fast die Gewißheit davon . Ich glaube , daß ich ihnen und ihren Künsten unterliege , und daß du zu spät zu meiner Rettung herbeigeeilt bist . O Vittoria ! wir sind alle schwache , gebrechliche Menschen . Indem uns die eine Torheit verläßt , meldet sich schon die andre bei uns an , und wir gestatten ihr gern den Eingang . O freilich war es eine Lüge