und wie es dadurch von jedem Makel der Unsittlichkeit befreit blieb ? « » Ich bitte Dich , mein Kind , « sagte die Marschallin , nach Fassung ringend , » erwähne die sonderbare Farce nicht , mit der Deine jugendliche Unerfahrenheit betrogen ward . - Obwol es empörend ist , kirchliche Formen , wenn es auch nur die unzureichenden jener Ketzersekte sind , da anzuwenden , wo selbst unsere heiligen Segnungen ihre Zulassung völlig ungesetzlich machten , so müssen wir jetzt doch Gott danken , daß weder Dein Alter , noch die Anwesenheit Deiner Aeltern den kleinsten Schein einer bindenden Verpflichtung auf diese unerlaubte Prophanie werfen können ; denn sie macht wenigstens ernstere Schritte unnöthig , Dir Deine Freiheit wieder zu geben . Doch bitte ich Dich , wenn Du jetzt daran denken wirst , diese Verhältnisse zu beseitigen , daß dies mit dem Anstande geschieht , den Personen so hohen Ranges auch bei solchen Abfindungen sich selbst schuldig sind . Du hast Vermögen genug , dies ausreichend auszuführen , und selbst meine Kasse würde Dir offen stehen . « » Nein , nein , ich ertrage es nicht ! « schrie Leonin hier wie im Wahnsinne auf . - » Hören Sie mich ! Um Gottes Willen , hören Sie mich , wenn Sie mich nicht tödten wollen ! Sie sind im Irrthume , in einem schrecklichen Irrthume ! Lassen Sie mich Ihnen Alles , Alles erzählen , und dann lassen Sie mich fort von hier , wo ich nimmer hinpassen werde , verworfen von Allem , was hier Geltung hat ! « - » Gemach , mein Sohn ! « unterbrach ihn die Marschallin - » Sie verfehlen den Ton mit mir ! - Mademoiselle Louise , stehen Sie auf und erinnern Sie Ihren Bruder , daß Sie gegenwärtig sind , und daß diese Unterredung aufhört , passend zu sein für Ihre Anwesenheit ! - Lassen Sie uns jede Erörterung vermeiden , da sie uns nothwendig verstimmen muß ! « - » O , das ist kein Wort für eine Angelegenheit , die mein Lebensglück bedingt ! - Theure Mutter , entziehen Sie sich mir nicht so ! - Louise , meine Schwester , bitte für Deinen Bruder , wenn Du ihn nicht unglücklich und zerfallen mit sich und allen seinen Lebensverhältnissen sehen willst ! « - Louise warf sich ihm laut weinend in die Arme und umschlang ihn , als wolle sie mit ihrer zarten Gestalt ihn decken gegen jeden Angriff auf sein Glück . » Sei ruhig , Leonin - Du wirst , Du kannst nicht unglücklich werden ! Nein , nein , unsere Mutter wird Dich schützen - retten ! « - » Können Sie es verantworten , solche Scene veranlaßt zu haben ? « sagte die Marschallin , sich unmuthig erhebend . - » Louise , Du vergißt , daß Dich Fräulein von Lesdiguères erwartet . « » Gehen Sie so nicht von mir ! « rief Leonin , die weinende Louise aus seinen Armen sanft in einen Stuhl setzend - » meine Ehre , meine Pflicht befiehlt mir , Sie um Gehör zu bitten ; denn der größte Theil Ihres Unwillens beruht auf Ihrer Unkenntniß . « » Heute nicht , mein Sohn , « rief die Marschallin plötzlich wie erschöpft - » ich fühle , ich bedarf der Ruhe - ich kann von Ihnen diese Schonung fordern ! « - » Befehlen Sie über mich ! Wenn Sie mir diese Unterredung nicht versagen und bis dahin Ihr Urtheil zurückhalten wollen , werde ich voll Geduld und Ehrfurcht abwarten , bis Sie sich geneigt fühlen , mich anzuhören . « Obwol die Marschallin hierauf nichts erwiederte , mußte Leonin schon ihr Schweigen für eine Gunst ansehen , woran eine leise Hoffnung zu knüpfen , ihm der einzige Trost war bei der entsetzlichen Niederlage , die er erfahren . - Aber diese Unterredung , deren Ansetzung er mit so viel Unruh ' erwartete , erfolgte nicht . Eine Anregung von seiner Seite mißglückte um so mehr , da sie anzudeuten wußte , wie sie den Gegenstand längst für erledigt hielte und für zu unbedeutend , um darauf zurück zu kommen . In eben dem Maaße ward der alte Marschall dringender mit einer von ihm lebhaft gewünschten Vermählung seines Sohnes ; und obwol die Marschallin die Grundsätze gern vor ihrem Sohne entfalten hörte , die seinen Hoffnungen tödtlich werden mußten , so wußte sie sich doch stets höchst geschickt das Ansehen eines vermittelnden Schutzes zu geben und so in der Stille Leonin ' s Dank zu verdienen . Seine öffentlichen Verhältnisse hatten indeß ganz die Wendung genommen , die , seiner Eitelkeit zusagend , die Vorwürfe der Marschallin zu entkräften schienen . Täglich öffnete sich ihr Hotel für die ausgezeichnete Gesellschaft , die sie zu empfangen pflegte . Leonin war den Personen , aus denen der Hof bestand , bekannt geworden , und ohne daß er es gewahr wurde oder doch sich eingestehen wollte , war das Bild , das seine Mutter von einem vornehmen Manne entworfen hatte , in seine Phantasie übergegangen , und drückte sich nach und nach in seinen Formen aus . Er fühlte sich dabei wohler , den Verhältnissen gegenüber erleichtert , und nicht nachfragend , wohin dieser Weg ihn führen müsse , lebte er , wie der Augenblick es ihm bequem finden ließ . Endlich wurde große Cour und ein darauf folgendes Fest bei der Königin angekündigt , welche seit dem erwähnten Unfalle bei dem Hotel Biron sich unwohl gefühlt hatte , und ein Gegenstand der zartesten Aufmerksamkeit des Königs gewesen war . Man sprach zwar von dem Verhältnisse zur Lavallière , aber nur andeutend - und mit einer Schonung , die diesem Verhältnisse einen Karakter romantischer Empfindsamkeit - einen Grad von Ehrbarkeit verlieh , an dem die Gewalt zu erkennen war , die der König selbst über die feststehendsten Grundsätze auszuüben vermochte , die man aufhörte der gewöhnlichen Prüfung zu unterwerfen , wenn sein Wille sie gestaltete .