, mit denen Du so vertraut umgehst , herniederträuft ! Also den lieben Gott habe ich bei Dir so etwas verdrängt ? Nun sieh , das könnte einem bescheidnen Bräutigam fast den Kopf verrücken . Laß es gut sein ; er ist groß , und größer , als wir denken . Er kennt keine Eifersucht . Weißt Du den Spruch nicht , daß der Künstler sich am meisten geehrt fühlt , wenn man seiner bei dem Werke vergißt ? Teuerste , schaffe Dir besseres Schreibzeug an . Diese Dinte ist unglaublich flüssig , und Deine Federchen sind viel zu zart für meine rauhe Hand . Nun schiebe ich das Blättchen mit diesem Postskript wieder unter die übrigen . Du wirst es finden , böse werden , ich werde reuig tun , Du wirst großmütig verzeihn , und zuletzt ... ? Hermann . « Nach diesem ward unsrem Freunde alles zum Schrecken klar . Er erinnerte sich aus dem genealogischen Kalender , was er zwar immer gewußt , aber seither nicht bedacht hatte , daß auch der Herzog Hermann hieß . Nicht also eine in sich selbst entzweite Frau , sondern eine junge devote Braut hatte in den geraubten Blättern ihre Gewissensbedenken niedergeschrieben , an denen er völlig unschuldig war . Die erhabnen Stanzen waren also auch ohne Not unter Schillers Büste abgefaßt worden . Achtzehntes Kapitel Glühend vor Scham und Erbitterung ging er auf und nieder . Es wollte ihn durchaus nicht trösten , daß die Herzogin sich kalt , getreu und fehlerfrei erwies . » Also immer nur Berechnung ! « rief er schluchzend aus . » Und ich das Werkzeug , zum Dienen , Lasttragen und Briefbestellen gut genug ! « Er war eben dabei , das empfangne Schreiben in einem höflich das Geschäft ablehnenden Billette einzusiegeln , als es an seiner Türe klopfte . Es waren die Arbeitsleute , welche er bestellt hatte , um den Schrank aus dem Archive zu schaffen . » Zum letzten Male denn getagelöhnert ! « murmelte er ingrimmig . Er ging mit den Leuten nach dem Gewölbe , und befahl ihnen , hurtig zu sein , er müsse gleich fort . Drinnen setzte er sich zwischen den bestäubten Urkunden nieder und sagte : » Diese Bogen haben ihnen ein ledernes und papiernes Dasein geschaffen , in welchem kein Blut zirkuliert . Man muß ihnen vergeben , denn sie sind selbst am unglücklichsten daran . « Die Arbeiter hatten unterdessen ihr Werk mit Eifer angegriffen . Ob es die Wirkung des letzteren war , oder ob das alte Holzgebäude wirklich das Ziel seiner Dauer erreicht hatte ; genug , die Worte des Herzogs gingen in Erfüllung . Der Schrank knackte , sobald er gerückt wurde , krachte und fiel in sich zusammen . Eine Wolke von Staub und Wurmmehl stieg aus den zerfreßnen Trümmern . Die Arbeiter sahen Hermann bestürzt an . » Ist es doch , als ob ein Feudalthron einstürzt « , sagte Hermann . » Frisch , ihr Leute vom dritten Stande , die ihr gar nicht die Absicht hattet , ihn zu zertrümmern , sondern ihn nur so ein wenig beiseite bringen wolltet , tragt die Stücke hinaus ! « Die Arbeiter beluden sich damit und gingen . Einer sagte : » Da ist eine Türe hinter dem Schranke . « Hermann trat zu der Stätte und scharrte mit dem Fuße in dem liegengebliebnen Staube . Dann fiel sein Blick auf die Türe , welche der alte Schrank verdeckt hatte . Ohne etwas dabei zu denken , zog er an ihr , sie gab nach , und eine tiefe gemauerte Nische in der Wand wurde sichtbar . Er sah , daß sich Gegenstände darin befanden , die er bei dem Dämmerlichte , welches im Archive herrschte , nicht unterscheiden konnte . Er griff hinein und fühlte an große , gereiht aufgesetzte Geldbeutel , so schwer , daß er sie kaum zu heben vermochte . Erschrocken zog er die Hand zurück . Ihm flog durch den Sinn , was der Herzog von dem Fehlen des baren Geldes bei dem Tode des Ahnherrn gesagt hatte . » Großer Gott ! Wo das gesteckt hat , kann mehr sein ! « rief er überlaut . Er ging umher , und suchte sich zu sammeln , seine Brust keuchte vor Erwartung . Er hauchte auf sein Tuch , und drückte es an die Augen , die doch nicht weinten . Er bat Gott , daß ihm die allerhöchste Freude seines Lebens nicht wie ein Schatten vorüberschweben möge . Hierauf streckte er den Arm , schaudernd , als sollte er die Hand zur Feuerprobe auf glühendes Eisen legen , über die Geldsäcke hinweg in die Tiefe der Nische , und zog eine Saffiankapsel hervor , ganz mit Schimmel bedeckt . Er öffnete sie , ein kostbar eingebundnes Pergament lag darin , an welchem das große Reichswappen in goldner Umschließung , durch schwarze und gelbe Schnüre festgehalten , hing . Sein Entzücken war grenzenlos . Er las , so gut er in dieser Verfassung lesen konnte , daß der Kaiser der Maria Sibylla Freundsberg - nicht den Adel gebe , - sondern den in ihrer Familie längst bestandnen , nur in Abnahme gekommnen , lediglich erneuere . Es war die vermißte , schmerzlich gesuchte Urkunde , der Adelsbrief der Ahnfrau , welcher bewies , daß das regierende Geschlecht mit gutem Fug hier waltete , daß kein Vetter ein besseres Recht als jenes gehabt , und ein solches daher auch nun und nimmermehr auf einen Dritten hatte übertragen können . Fürsorglich hatte der Großvater das teuerste Besitztum nebst seinem Gelde hieher vor dem herandringenden Feinde geflüchtet , und den großen Schrank als verbergende Schutzwehr vor die Nische schieben lassen . Stummheit und Tod des Alten hatten das Geheimnis leider auf dreißig Jahre hin bewahrt . Jauchzend flog Hermann aus dem Archiv , dessen Türe weit offengelassen wurde , und stürmte , den Adelsbrief wie eine Fahne schwingend , durch die Gänge nach den Zimmern der