ich gekleidet , gelagert , drapiert . - Mit großem Enthusiasmus für den günstigen Zufall machte er Skizzen nach der Natur und litt nicht , daß ich auch nur eine Falte änderte , so brachten wir eine interessante kleine Sammlung zusammen , wie ich gehe und stehe und liege ; in die umliegende Gegend ist er gereist , wo schöne anziehende Gesichter sind , er brachte allemal einen Schatz von radierten Blättchen mit , mit schöner Treue , für das Gemütliche , nachgeahmt ; das einfache Evangelium , was ich ihm predige , ist nichts anders , als was dem Veilchen der laue Westwind zuflüstert . Dadurch wird ' s nicht in Irrtümer geführt werden . Beiliegende radierte Blättchen nach der Natur werden Dich erfreuen . Der Musiker ist mein Liebling , und bei diesem könnte ich schon eher in meinen Kunstpredigten über die Schnur gehauen haben ; denn da hole ich weiter aus , und hier schenke ich Dir nichts ; es geht nächstens wieder über Dich her , Du mußt das überströmende unbegriffne Ahnungsgefühl wunderbarer Kräfte und ihrer mystischen Wirkungen in Dich aufnehmen , nächstens werde ich tiefer Atem holen und alles vor Dir aussprechen . Sehr sonderbar ist es , auch einen Architekten lernte ich früher schon kennen , der in Deinen Wahlverwandtschaften unverkennbar erscheint ; er verdient es durch frühere enthusiastische Liebe zu Dir . Er machte damals einen Plan zu einem sehr wunderbaren Haus für Dich , das auf einem Felsen stand und mit vielen erznen Figuren , Springbrunnen und Säulen geziert war . Wieviel hätte ich Dir noch zu sagen auf ein herrlich Wort aus Deinem Brief , es wird sich aber von selbst beantworten , oder ich bin nicht wert , daß Du so viel Herablassung an mich vergeudest . Oft möcht ich Dich ansehen , um Dir Glück in die Augen zu tragen und wieder auch Glück daraus zu saugen , darum höre ich auch jetzt auf zu schreiben . Bettine An Goethe Die Welt wird mir manchmal zu eng . Was mich drückt ? Es ist der Waffenstillstand , der Friede mit allen schauerlichen Folgen , mit aller verruchten Verräterei der Politik . Die Gänse , die mit ihrem Geschrei das Kapitol einst retteten , lassen sich ihr Recht nicht streitig machen , sie allein führen das Wort . Aber Du , freundlicher Goethe ! Sonnenschein ! Der auch mitten im Winter auf den beschneiten Höhen liegt und in mein Zimmer guckt . - Ich hab mir des Nachbars Dach , das morgens von der Sonne beschienen ist , als ein Zeichen von Dir gesetzt . Ohne Dich wär ich vielleicht so traurig geworden als ein Blindgeborner , der von den Himmelslichtern keinen Begriff hat . Du klarer Brunnen , in dem der Mond sich spiegelt , da man die Sterne mit hohler Hand zum Trinken schöpft ; Du Dichter , Freier der Natur , der , ihr Bild in der Brust , uns arme Sklavenkinder es anbeten lehrt . Daß ich Dir schreibe , ist so sonderbar , als wenn eine Lippe zur andern spräche . Höre , ich habe Dir was zu sagen , ja ich hole zu weit aus , da sich doch alles von selbst versteht , und was sollte die andere Lippe darauf antworten ? Im Bewußtsein meiner Liebe , meiner innigsten Verwandtschaft zu Dir schweigst Du . - Ach , wie konnte doch Ottilie früher sterben wollen ? - O , ich frage Dich : ist es nicht auch Buße , Glück zu tragen , Glück zu genießen ? - O Goethe , konntest Du keinen erschaffen , der sie gerettet hätte ? - Du bist herrlich , aber grausam , daß Du dies Leben sich selbst vernichten läßt ; nachdem nun einmal das Unglück hereingebrochen war , da mußtest Du decken , wie die Erde deckt , und wie sie neu über den Gräbern erblüht , so mußten höhere Gefühle und Gesinnungen aus dem Erlebten erblühen , und nicht durfte der unreife jünglinghafte Mann so entwurzelt weggeschleudert werden , und was hilft mich aller Geist und alles Gefühl in Ottiliens Tagebuch ? Nicht kindlich ist ' s , daß sie den Geliebten verläßt und nicht von ihm die Entfaltung ihres Geschicks erwartet , nicht weiblich ist ' s , daß sie nicht bloß sein Geschick beratet ; und nicht mütterlich , da sie ahnen muß die jungen Keime alle , deren Wurzeln mit den ihrigen verwebt sind , daß sie ihrer nicht achtet und alles mit sich zugrunde richtet . Es gibt eine Grenze zwischen einem Reich , was aus der Notwendigkeit entsteht , und jenem höheren , was der freie Geist anbaut ; in die Notwendigkeit sind wir geboren , wir finden uns zuerst in ihr , aber zu jenem freien werden wir erhoben . Wie die Flügel den Vogel in die Lüfte tragen , der unbefiedert vorher ins Nest gebannt war , so trägt jener Geist unser Glück stolz und unabhängig in die Freiheit ; hart an diese Grenze führst Du Deine Lieben , kein Wunder ! Wir alle , die wir denken und lieben , harren an dieser Grenze unserer Erlösung ; ja die ganze Welt kommt mir vor wie am Strand versammelt und einer Überfahrt harrend durch alle Vorurteile , böse Begierden und Laster hindurch zum Land , da einer himmlischen Freiheit gepflegt werde . Wir tun unrecht zu glauben , dazu müsse der Leib abgelegt werden , um in den Himmel zu kommen . Wahrhaftig ! Wie die ganze Natur von Ewigkeit zu Ewigkeit sich vorbereitet , ebenso bereitet sich der Himmel vor , in sich selbsten , in der Erkenntnis eines keimenden geistigen Lebens , dem man alle seine Kräfte widmet , bis es sich von selbst in die Freiheit gebäre , dies ist unsere Aufgabe , unsere geistige Organisation , es kommt drauf an , daß sie sich belebe , daß der Geist Natur werde , damit dann wieder ein Geist , ein weissagender sich aus dieser