noch im Sarge gesehen , und einen durchaus reinen und erhebenden Eindruck von seinem Liebe-Bild zurückbehalten . Raymund , mit einem dankbaren Schreiben Theobalds an den Hofrat , war zeitig weitergegangen . Zur festgesetzten Zeit wollten beide Künstler sich an dem neuen Orte ihrer Bestimmung fröhlicher wieder begrüßen , als sie sich jetzo trennten . Zunächst nun folgte in dem Forsthaus eine stille , doch wohltätige Trauerwoche . In traulichen , öfters bis tief in die Nacht fortgesetzten Gesprächen vergegenwärtigte man sich die eigentümliche Sinnesart des Verstorbenen auf alle Weise . Erinnerungen aus frühester und neuester Zeit traten hervor . Entwürfe eines Denkmals , das Grab des Toten einfach und edel zu zieren wurden verschiedentlich versucht , Umrisse der freundlichen Gesichtsbildung wurden gezeichnet , nach Ansicht eines jeden sorgfältig verändert und wieder gezeichnet . Jetzt langten Noltens Effekten an . Er fand unter seinen Papieren eine Sammlung älterer Briefe des Barons ( denn in dem letzten Jahre schrieb er fast nichts mehr , und alle Verbindung zwischen ihm und dem Maler war nur gelegentlich durch das Forsthaus ) . Meistens fiel diese Korrespondenz in die Zeit da sich Theobald in Rom aufhielt , man bekam die Gegenblätter vollständig aus dem Nachlasse des Barons zusammen und sie gewährten jetzt eine ebenso lehrreiche als erbauliche Unterhaltung . Von einem solchen , dem teuren Abgeschiedenen mit frommer Neigung gewidmeten Andenken war dann der Übergang zum lebendigen Genusse der Gegenwart in jedem Augenblicke leicht gefunden . Größere und kleinere Spaziergänge , Besuche aus der Nachbarschaft erwidert , hundert kleine Beschäftigungen in Haus und Feld und Garten wechselten ab , die Tage schnell und harmlos abzuspinnen . Nolten versäumte dabei nicht , wenn von der großen Veränderung die Rede war , die ihm und den Seinigen bevorstand , gelegentlich einen Plan erst nur entfernterweise und wie im Scherze blicken zu lassen , womit er aber eines Abends , als alle drei beim traulichen Lichte versammelt saßen , ernsthaft hervortrat und den Vater wie Agnesen nicht wenig überraschte . Er sei entschlossen , sagte er , seinen künftigen Wohnort auf einem kleinen Umweg über einige sehenswerte Städte Deutschlands zu erreichen , und nicht nur die Geliebte werde ihn begleiten , sondern , wie er halb hoffe , auch der Vater , den er auf jeden Fall als bleibenden Genossen seines künftigen Hauses schon längst im stillen angesehn und nunmehr , von Agnesen unterstützt , um seine Einwilligung herzlich und kindlich bitte . Gerührt versprach der Alte , der Sache nachzudenken ; » was aber « , setzte er hinzu , » diese nächste Reise betrifft , so taugt ein alter gebrechlicher Kamerade wie ich zu dergleichen Seitensprüngen nicht mehr . Und überdies « ( er hatte die Landkarte auf dem Tisch ausgebreitet ) » so ganz unbeträchtlich find ich den Umweg des Herrn Sohns eben nicht . Sehn Sie , dies Dreieck , man mag es nehmen wie man will , macht immer einen ziemlich spitzen Winkel hier bei P * , wo Sie dann gegen Norden lenken wollten . Nein , liebe Kinder , vorderhand bleib ich hier . Euch so lange hinzusperren , bis ich Haus und Hof beschickt und abgegeben hätte , wäre unsinnig , und doch muß man sich zu so etwas Zeit nehmen können ; daß ich aber für jetzt nur abbräche , um wiederzukommen und dann die Sachen in Ordnung zu bringen , wäre womöglich noch ungeschickter . Kommt ihr nur erst an Ort und Stelle an , wir wollen sehen , was sich dann weiter schickt und ob es Gottes Wille ist , daß ich euch folge . « Agnes konnte dem Vater nicht Unrecht geben ; am liebsten freilich hätte sie Theobalden jenen Nebenplan ausreden mögen , der ihr und , wie sie wohl bemerkte , noch mehr dem Vater , der bedeutenden Kosten wegen , bedenklich vorkam . Sie hielt auch diese Einwendung nicht ganz zurück , doch da man sah , wie vielen Wert der Maler auf die Sache legte , so dachte man sie ihm nicht zu verkümmern . Man fing also zu rechnen an , und Theobald erklärte , daß er , so günstig wie nunmehr die Dinge für ihn lägen , eine Schuld ohne Gefahr aufnehmen könne , ja er gestand , er habe dies Geschäft schon abgetan und bereits die Wechsel in Händen . Dies gab ihm einen kleinen Zank , doch mußte man es ihm wohl gelten lassen . Nun aber kam ganz unvermeidlich die Hochzeit zur Sprache . Es war ein Punkt , der diese letzten Tage her Agnesen im stillen vieles mochte zu schaffen gemacht haben ; sie faßte sich daher ein Herz und fing von selbst davon zu reden an , jedoch nur um zu bitten , daß man damit nicht eilen , daß man diesen und den nächsten Monat noch abwarten möge . » Was soll das heißen ? « rief der Vater und traute seinen Ohren kaum . » Wir reisen ja die nächste Woche schon , mein Kind ! « rief Nolten . Das hindere nichts , behauptete Agnes ; sie müßten sich ja nicht notwendig im Lande trauen lassen , was ihr freilich , an sich betrachtet , ungleich lieber wäre , es könne aber auch in W * geschehn ( dies war der Ort , wo sie sich niederlassen sollten ) , und noch besser in H * ( hier lebte ein naher Verwandter des Försters und die Reisenden mußten das Städtchen passieren , das nur wenige Meilen von W * gelegen war ) ; dort würden sie in einer festzusetzenden Woche mit dem Vater zusammentreffen , und so alle miteinander aufziehn . - Der Alte hielt seinen Verdruß noch an sich , um erst die Gründe der Tochter zu hören , allein da diese rein innerlich , dem guten Mädchen selber nicht ganz klar und überhaupt gar nicht geeignet waren , eine gemein verständige Prüfung auszuhalten , so geriet der Vater in Hitze und es kam zu einem Auftritt , den wir