hämischer Bemühung ausgemaltes Truggemälde von Dagobert ' s Lebenswandel zu Costnitz , und führte den Pinsel so gut , daß der Vater in dem Verläumdeten bald den verlornen Sohn beweinte . - Während dieser Einflüsterungen ging in beträchtlicher Entfernung hinter Vater und Tochter Frau Margarethe , den Knaben an der Hand , nachdem sie Elsen voraus zur Stadt geschickt , um zu einem erweiterten Mittagmahl Anstalten zu treffen . Die Art und Weise , wie die ungeliebte Wallrade trotz ihrer Schroffheit sich im ersten Augenblicke des Vertrauens des Vaters bemächtigte , mit geringschätzender Hintansetzung der Gattin desselben , - die Kränkungen , die Wallrade mit freigebiger Hand an die Stiefmutter und den Knaben gespendet , griffen hart und böse an das reizbare Herz der stolzen Leuenbergerin . Wie aber oft das menschliche Gemüth , - ein weibliches insbesondre , - aus Dingen Trost gewinnen kann , die an sich geringfügig sind , so beruhigte sich auch hier Margarethe mit dem Gedanken , daß nicht allein sie selbst der Widersacherin Wermuth , zu kosten gegeben , sondern daß der Knabe sogar durch seine deutlich ausgesprochne Abneigung der Gegnerin Stolz verletzt habe . Von dieser kleinen Vergeltung erfreut , bückte sie sich mit größrer Freundlichkeit , - als sie sonst wohl dem Knaben zuwendete - - zu demselben hinab , und streichelte seine Wangen . » Du bist ein wackrer Bube ; « sprach sie belobend zu ihm : » ich habe Dich lieb vor Allen , wenn Du gegen Wallraden ferner Dich beträgst , wie heute . Willst Du ? « - » Was Du befiehlst , Mutter ; « erwiederte der Knabe freundlich . » Recht so , mein guter Hans , « fuhr Margarethe fort : » Gehe nicht zu der falschen Frau . Sie wird Dir vielleicht Honigkuchen und Semmelringe bieten , um dich kirre zu machen . Nimm aber nichts von ihr , hörst Du ? Sie meint es böse mit Dir und mir und mit dem Vater . « - » Ach Mütterlein ! « rannte ihr der Knabe ins Ohr : » Ich fürchte mich vor ihr . « - » Thue das immer , mein Söhnlein ! « versetzte Margarethe : » Zieh ' ihr immer ein finster Gesicht , und iß nicht , was sie Dir bietet . Für jeden Leckerbissen , den Du aus ihrer Hand nicht nimmst , gebe ich Dir deren zwei . « - » O ja Mütterlein ! « entgegnete der Knabe hüpfend : » Du bist ein gut und anmuthig Mütterlein bei dem ich bleiben will . Zu der schwarzen Mutter will ich nicht mehr . « - » Was schwatzest Du wieder von dem schwarzen Weibe ? « schalt Margarethe : » Du weißt , daß Du nur von ihm geträumt hast , Bube . Vergiß doch endlich den bösen Traum ! « » Ich will ja wohl , lieb ' Mutter , « sagte der Knabe , eingeschüchtert durch den heftigen Ton : » aber Heute war mir ' s , als finge ich wieder an zu träumen , und die Fremde ist gewiß die Schwarze , die mich schlagen will . « - » Lächerliches Zeug ! « eiferte Margarethe : » Wallrade ist Deine Schwester , Hans , und Niemand sonst . Aber eine böse Schwester ist sie , ob sie gleich ein rothes lustiges Gewand trägt . Sie will uns arm machen , daß wir betteln gehen sollen , wie der arme Hug , dem du alle Samstag seinen Heller an die Pforte bringst . Denk Dir nur ! Je weniger Du sie aber leiden kannst , je weniger vermag sie uns anzuhaben . « - » Ich will ihr aus dem Wege gehen , « versicherte der kleine Hans treuherzig : » Du mußt mir auch dagegen nichts thun lassen . « - » Sorge nicht , mein Kind ! « tröstete Margarethe . » Ich will Dich hüten wie meinen Augapfel . Folge nur fein meinen Geboten , und es wird alles gut gehen . « - Es gieng auch alles nach ihrem Wunsche . Knabe und Stieftochter blieben einander ferne , weil sie sich nicht suchten . Diether , der , von Gatten- und Vaterliebe gleich bedrängt , in seiner unwandelbaren Gutmüthigkeit beständig hoffte , die Mißtöne seines Hauses würden sich endlich doch noch in den gewünschten Einklang auflösen , vermittelte , entschuldigte , sprach zur Sühne , wo und wie es sich nur thun ließ , und erhielt auf diese Weise einen Schein von Friedlichkeit im Hauswesen , welcher bald genug die ganze Stadt täuschte , den nahen Verwandten- und Freundekreis nicht ausgenommen . Wallrade , die man geraume Zeit zu Frankfurt vergessen hatte , gewann nun neue Theilnahme durch ihr musterhaft sittsames Betragen , und durch die reuevolle Versöhnlichkeit , mit welcher sie , nach Diethers jubelvoller Behauptung , den Eltern die Friedenshand gereicht hatte . Der Altbürger , von den Glückwünschen seiner Freunde geschmeichelt , schwamm in einem Meere von Entzücken , und gewahrte in seiner Herzensfreude nicht , wie zwischen Wallraden und Margarethen die Kluft immer größer wurde , und zwischen Schwester und Brüderlein dennoch keine Annäherung sich stiften wollte . Eine Woche war also hingeschwunden , - eine kurze Zeit für Seelen , die sich lieben , - eine lange für solche , die bloß das Band verhaßter Form verknüpft , als Wallrade aus dem Vaterhause unmuthig und düster nach ihrer Wohnung im Einhorn zurückkehrte . Verdrüßlich beurlaubte sie den abgeschmackten Herrn , der durch eine weitläufige Vetterschaft das Recht gewonnen hatte , ihr als Begleiter auf dem Heimwege lästig zu seyn . Verdrüßlich trat sie in ihr Gemach , wo ihre Begleiterin in tiefen Gedanken versunken , am Fenster saß . - » Gute Wallrade , « sprach die Letztere , die Eintretende froh begrüssend : » Wie freue ich mich , Dich schon so frühe bei mir zu sehen . Mich quälen heute ganz absonderliche Grillen . « - » Wie so