Verfluchter , unterirdischer , rotäugiger Lügengeist , der niemals hält , was er verspricht ! Da , nehmt alles , greift zu ! Kauft Ehre , kauft Liebe , kauft Ruhm , Lust und alles Ergötzen der Erde , seid immer satt und immer wieder durstiger bis ans Grab , und wenn ihr einmal fröhlich und zufrieden werdet , so mögt ihr mir danken . « - Alle sahen ihn erstaunt an . Faber sagte : » Ich achte das Geld nur , wenn ich es brauche . Aber Dichter brauchen immer Geld . « Und hiermit packte er ruhig seine Taschen voll , so daß er mit dem aufgeschwollnen Rocke sehr lächerlich anzusehen war . Rudolf nahm hierauf kurzen Abschied von allen und wandte sich wieder nach seinem Schlosse zurück . Friedrich eilte ihm nach , er wollte ihn so nicht gehn lassen . Da kehrte er sich noch einmal zu ihm . » Du willst ins Kloster ? « fragte er ihn , und blieb stehn . » Ja « , sagte Friedrich , und hielt seine Hand fest , » und was willst du nun künftig beginnen ? « - » Nichts - « war Rudolfs Antwort . - » Ich bitte dich « , sagte Friedrich , » versenke dich nicht so fürchterlich in dich selbst . Dort findest du nimmermehr Trost . - Du gehst niemals in die Kirche . « - » In mir « , erwiderte Rudolf , » ist es wie ein unabsehbarer Abgrund , und alles still . « - Friedrich glaubte dabei zu bemerken , daß er heimlich im Innersten bewegt war . - » O könnt ich alles Große wecken « , fuhr er dringender fort , » was in dir verzweifelt und gebunden ringt ! Hast du doch selber erzählt , daß dich alle wissenschaftliche Philosophie nicht befriedigte , daß du darin Gott und dich nie erkanntest . So wende dich denn zur Religion zurück , wo Gott selber unmittelbar zu dir spricht , dich stärkt , belehrt und tröstet ! « - » Du meinst es gut « , sagte Rudolf finster , » aber das ist es eben in mir : ich kann nicht glauben . Und da mich denn der Himmel nicht mag , so will ich mich der Magie ergeben . Ich gehe nach Ägypten , dem Lande der alten Wunder . « - Hiermit drückte er seinem Bruder schnell die Hand und ging mit großen Schritten in den Wald hinein . Sie sahen ihn nicht mehr wieder . Lange blickten sie ihm nach und bedauerten den unglücklich Verwirrten , als ein Schiffer ankam , um Leontin an die Abfahrt zu mahnen , indem soeben ein günstiger Wind vom Lande trieb . Alle sahen einander stillschweigend an und schienen erschrocken , da nun der Augenblick wirklich da war , den sie selber lange vorbereitet hatten . Der Schiffer übernahm das wenige Gepäck , und sie machten sich sogleich auf den Weg nach dem Meere . Friedrich begleitete sie . Langsam rückten Berge und Wälder bei jedem Schritte immer weiter hinter ihnen zurück , das Meer rollte sich vor ihren Blicken auseinander . Friedrich sagte unterwegs : » Mir scheint unsre Zeit dieser weiten , ungewissen Dämmerung zu gleichen ! Licht und Schatten ringen noch ungeschieden in wunderbaren Massen gewaltig miteinander , dunkle Wolken ziehn verhängnisschwer dazwischen , ungewiß , ob sie Tod oder Segen führen , die Welt liegt unten in weiter , dumpfstiller Erwartung . Kometen und wunderbare Himmelszeichen zeigen sich wieder , Gespenster wandeln wieder durch unsre Nächte , fabelhafte Sirenen selber tauchen , wie vor nahen Gewittern , von neuem über den Meeresspiegel und singen , alles weist wie mit blutigem Finger warnend auf ein großes , unvermeidliches Unglück hin . Unsere Jugend erfreut kein sorglos leichtes Spiel , keine fröhliche Ruhe , wie unsere Väter , uns hat frühe der Ernst des Lebens gefaßt . Im Kampfe sind wir geboren , und im Kampfe werden wir , überwunden oder triumphierend , untergehn . Denn aus dem Zauberrauche unsrer Bildung wird sich ein Kriegsgespenst gestalten , geharnischt , mit bleichem Totengesicht und blutigen Haaren ; wessen Auge in der Einsamkeit geübt , der sieht schon jetzt in den wunderbaren Verschlingungen des Dampfes die Lineamente dazu aufringen und sich leise formieren . Verloren ist , wen die Zeit unvorbereitet und unbewaffnet trifft ; und wie mancher , der weich und aufgelegt zu Lust und fröhlichem Dichten , sich so gern mit der Welt vertrüge , wird , wie Prinz Hamlet , zu sich selber sagen : Weh , daß ich zur Welt , sie einzurichten , kam ! Denn aus ihren Fugen wird sie noch einmal kommen , ein unerhörter Kampf zwischen Altem und Neuem beginnen , die Leidenschaften , die jetzt verkappt schleichen , werden die Larven wegwerfen , und flammender Wahnsinn sich mit Brandfackeln in die Verwirrung stürzen , als wäre die Hölle losgelassen , Recht und Unrecht , beide Parteien , in blinder Wut einander verwechseln - Wunder werden zuletzt geschehen , um der Gerechten willen , bis endlich die neue und doch ewig alte Sonne durch die Greuel bricht , die Donner rollen nur noch fernab an den Bergen , die weiße Taube kommt durch die blaue Luft geflogen , und die Erde hebt sich verweint , wie eine befreite Schöne , in neuer Glorie empor . - O Leontin ! wer von uns wird das erleben ! « - Sie waren unterdes ans Gestade gekommen . Leontin umarmte hierauf noch einmal die Freunde , Friedrich küßte Julie auf die Stirn , und die drei bestiegen ihr Schiff . Faber ritt landeinwärts fort . Friedrich kehrte ins Kloster zurück , um es niemals mehr zu verlassen . Als er in die Kirche eintrat , fand er dort noch alles leer und still . Nur einige fromme Pilger waren noch hin und her in den Bänken zerstreut . Auch die hohe , verschleierte Dame von gestern bemerkte er wieder