. Heliodor wird uns vereinigen , hub Agathokles an , und sah dem strengen Greis freundlich in ' s Gesicht . So eisern ist seine Brust doch nicht , daß ihn eine so rein menschliche Freude nicht gerührt hätte . Ihr verdient euer Glück ! sagte er , indem er nach einigem Bedenken naher trat , denn ihr seyd gut und fromm ; und wenn ihr ' s denn in der Ehe zu finden glaubt - der Herr hat den Ehestand auch eingesetzt , und Christus ihn geheiligt - so werdet denn Mann und Frau , ich will euch trauen . Agathokles schüttelte ihm die Hand , ich küßte sie ihm mit kindlicher Rührung . So strenge er es mit mir gemeint hatte , so war er doch der Schöpfer meines Glücks geworden . Er mußte selbst lächeln , als ich es ihm vorerzählte ; aber dies Lächeln verschwand bald vor dem gewohnten Ernst . Er faßte Agathokles Hand : » Dein Blut wallt fieberisch , du bedarfst der Ruhe , Theophania geht mit mir . « Er ergriff mich bei ' m Arm . Nimmermehr ! rief Agathokles mit einer Heftigkeit , die ich ihm kaum zugetraut hätte . Sie ist mein , meine Braut , sie bleibt bei mir . Er richtete sich schnell auf , und zog mich mit Gewalt zurück ; denn gewohnt , Heliodor ' n zu gehorchen , hatte ich mich bereits ein Paar Schritte entfernt . Heliodor sah uns finster an , dann schleuderte er meine Hand hin : Nun so treibt eure Abgötterei fort ! rief er entrüstet , und ging aus dem Zimmer . Ich stand verlegen . Furcht vor Heliodor ' s Zorn , Sorge für die Gesundheit meines Freundes , und das heiße Verlangen , ihn keinen Augenblick zu verlassen , stritten in mir . Agathokles sah mich ernst an : » Du wankst ? « sagte er , » willst mich verlassen ? So hat dieser finstere Priester mehr Gewalt über dich als dein Freund ? « So hatte Agathokles noch nie mit mir gesprochen . Ich erschrak , ich sank an seine Brust : » O mache mit mir , was du willst ! ich bin dein Geschöpf . « Er drückte mich fest an sich , er beruhigte mein Herz durch tausend süße Worte und theure Namen . O welche himmlischen Augenblicke waren das ! dann ließ er mich an sein Bette niedersitzen , und entwickelte mit feuriger Beredtsamkeit und jener klaren Weisheit , mit welcher einst Apelles meinen jugendlichen Geist überzeugt hatte , die wahre Ansicht unserer heiligen Lehren . Weit erhabener , weit mehr eines allweisen , allgütigen Geistes würdig , erschienen sie mir in seiner Darstellung , als wie Heliodor und viele , mit denen ich in Nicäa und hier lebte , sie schilderten . Agathokles lehrte mich Menschensatzungen und Ansichten einer beschränkten Eigenthümlichkeit von dem ursprünglichen Sinn derselben unterscheiden ; er zeigte mir , was eigentlich Christenthum sey , und welchen Einfluß es in seiner Reinheit auf das Menschengeschlecht haben müsse . Ich hing begeistert an seinem Munde . O wenn die Liebe zu Allem , selbst zu falschen Schritten überreden kann , welche unwiderstehliche Macht muß die erhabenste Wahrheit in dem Munde des Geliebten haben ! Seine Wärme riß mich hin , ich sank vor seinem Bette auf die Kniee und rief : O sey du mein Lehrer , mein Führer , Agathokles ! Verlaß mich nie wieder , ich will dir mit kindlichem Gehorsam folgen , und laß dann deine Liebe meinen Lohn seyn ! Er umfaßte mich , er hub mich zärtlich auf , aber ich sah , daß die Erschütterung der Freude und des heftigen Redens ihn angegriffen hatte - er sank in meinen Arm auf die Kissen zurück . Ich bat ihn nun , nicht mehr zu sprechen , und sich Ruhe zu gönnen ; er folgte mir , drückte meine Hand , wir schwiegen Beide , nur unsere Augen unterredeten sich , und still und selig genoßen wir das Glück der Wiedervereinigung . Mit dem Anfang der Dämmerung fiel mir Calpurniens bevorstehender Besuch schwer auf ' s Herz . Das war die Zeit , wo sie zu kommen pflegte . Ich sah , daß auch Agathokles etwas unruhig und in Gedanken schien , obwohl er sich Mühe gab , es zu verbergen , und mein Herz , dessen Schwäche er kannte , auch nicht durch die leiseste Berührung zu verletzen . O wie dankte ich ihm für diese Schonung ! Nach und nach verschwand meine Furcht , es ward immer später und der schöne Callias erschien nicht . Mit dem Einbruch der Nacht trat Constantin ein . In seinen Armen , in inhaltvollen Gesprächen verließ ich nun meinen Freund , um in der Einsamkeit mich zu sammeln , und Gott für mein Glück zu danken . Die folgende Nacht ließ ich mich die theure Pflicht , meinen Kranken selbst zu besorgen , ihm jede Arznei , jede Labung zu reichen , und bei ihm zu wachen , von Niemand rauben , und widerstand Heliodor ' n mit Festigkeit , der als ein Sühnopfer für meine übermäßige Freude das Opfer einer freiwilligen Entfernung von Agathokles forderte . Ich blieb im Nebenzimmer , und bewachte seinen Schlummer ; er war ruhig und erquickend , wie der Schlummer der Unschuld und Tugend . Am Morgen erwachte er heiter und gestärkt , sein erster Laut war mein Name . Seitdem bin ich wieder beständig um ihn . Wir haben uns so viel zu erzählen , zu fragen ! Auch heute kam Calpurnia nicht ! Sollte sie vermuthen oder wissen , was vorgefallen ist ? Agathokles nennt ihren Namen nicht , und Constantin zu fragen , habe ich nicht den Muth . Er ist jetzt bei ihm , ich habe diese Zeit benützt , um dir mein Glück zu melden , an dem du , theure treue Freundin , gewiß den lebhaftesten Antheil nehmen wirst . Leb ' wohl ! 75.