, daß die blasse , ätherische Blondine den Triumph der Freundin nicht sehen konnte – der düstere Mann konnte allerdings lächeln , und wie interessant wurde sein schöner Kopf unter dem Sonnenschein , der die Züge flüchtig erhellte ! Er streifte den Handschuh ab und hielt die innere Fläche seiner Rechten hin . Sie wandte blitzschnell den Kopf nach allen Seiten , und die Augen , die wie schwarze Diamanten aus der Maske dunkelten , tauchten mißtrauisch in das Gebüsch ... Ihre feinen Finger bebten bedenklich , als sie die Hand des Portugiesen berührten . « Ich sehe hier einen Stern , « erklärte sie in scherzendem Ton , während sie scheinbar mit großer Aufmerksamkeit die Handlinien prüfte . » Er sagt mir , daß Ihnen sehr viel Macht über die Herzen der Menschen verliehen sei – selbst über fürstliche ... Aber ich darf Ihnen auch nicht verheimlichen , daß Sie dieser Macht allzusehr vertrauen . « Ein köstliches Gemisch von Ironie und Belustigung lag in dem feinen Lächeln , das abermals durch die Züge des Mannes zuckte . Er stand so überlegen vor der reizenden Wahrsagerin , daß sie sichtlich mit sich rang , um nicht aus der Rolle zu fallen . » Sie lachen mich aus , Herr von Oliveira , « sagte sie , indem sie , seine Hand sinken lassend , verlegen das Terzerol wieder in den Gürtel steckte ; » aber ich werde meine Behauptung begründen ... Sie schaden sich durch Ihren – entschuldigen Sie , mein Herr – durch Ihren entsetzlich rücksichtslosen Freimut ! « » Wer sagt Ihnen denn , schöne Maske , daß ich das nicht weiß ? « Die glänzenden Augen richteten sich erschrocken auf das braune Gesicht des Sprechenden . » Wie – Sie könnten mit voller Absicht Ihren eigenen Vorteil mißachten ? « fragte sie in überstürzender Hast . » Kommt es nicht vor allem darauf an , was ich für meinen Vorteil halte ? « Sie stand einige Sekunden lang völlig ratlos da – ihre Augen hingen am Boden – , dennoch schien sie nicht gewillt , ihre Mission so rasch und erfolglos beendet zu sehen . » Darüber kann ich freilich nicht mit Ihnen streiten « , hob sie wieder an . » Sie werden mir jedoch den allgemein gültigen Satz zugeben , daß es nicht gut ist , Feinde zu haben . « Sie griff abermals , wenn auch zögernd , nach seiner Hand und tippte mit dem Zeigefinger auf die innere Fläche derselben . » Und Sie haben Feinde , schlimme Feinde , « fuhr sie , in den früher halbscherzenden Ton verfallend , fort . » Da sehe ich zum Beispiel allein drei Herren , die den Kammerherrnschlüssel tragen ; sie bekommen Nervenschmerzen und Krämpfe , wenn sie demokratisches Element von ferne wittern – damit soll jedoch nicht gesagt sein , daß ich nicht auch eine entschiedene Feindin desselben bin – auch ich darf freimütig sein , nicht wahr , mein Herr ? ... Jene drei sind indes weniger gefährlich ... Da ist aber eine ältere Dame , sie gilt viel bei Seiner Durchlaucht , hat sehr kluge Augen und eine scharfe , feine Zunge – « » Aus welchem Grunde beehrt mich die Frau Gräfin Schliersen mit ihrem Haß ? « » Still , mein Herr ! Keinen Namen ! Ich beschwöre Sie ! « rief die Hofdame entsetzt mit unterdrückter Stimme . Ihr schöner Kopf machte abermals jene blitzschnellen Schwenkungen nach allen Seiten hin , und im ersten Schrecken sah es aus , als wolle sie dem Portugiesen die kleine Hand auf den Mund legen . – » Die Dame beschützt die Frommen im Lande und kann Ihnen die vier Judenkinder in Ihrer Erziehungsanstalt nicht vergeben – « » Also die Frau mit den klugen Augen und der scharfen Zunge sitzt im Regiment – « » Sicher , und hat bedeutenden Einfluß ... Sie kennen den Mann mit dem Marmorgesicht und den langen , schlaffen Augenlidern – « » Ah , der Mann , der vierzig Quadratmeilen und einhundertfünzigtausend Seelen vertritt und sich wie ein Metternich oder Talleyrand gebärdet – « » Er wird heftig , wenn man Ihren Namen nennt , mein Herr – schlimm , sehr schlimm , und doppelt bedenklich für Sie , als Sie ihm durch eine Unvorsichtigkeit bei unserem allerhöchsten Herrn leider ein williges Ohr verschafft haben – « » Ei , waren meine Verbeugungen nicht vorschriftsmäßig ? « Sie wandte sich unwillig ab . » Herr von Oliveira , Sie machen sich lustig über unseren Hof « , sagte sie gekränkt , aber auch zugleich mit einem Anflug von Impertinenz . » Übrigens , so klein er ist , es scheint doch , daß Sie nach Ihrer eigenen gestrigen Aussage , die Erfüllung mancher Wünsche von ihm erwarten . Wenn ich nicht irre , haben Sie sich eine geheime Audienz erbeten – « » Sie irren sich doch , scharfsinnige Maske ; die Audienz soll mitnichten eine geheime sein ; aber eine besondere – am liebsten nehme ich den weiten , freien Himmel und tausend Ohren als Zeugen dazu . « Sie sah mit scheuem Forschen in das Gesicht , das sie vollständig im Zweifel ließ , ob er spottete oder ob er sich wirklich herablasse , ihr eine Mitteilung zu machen . » Nun denn « , erklärte sie bestimmt und mit einer für eine Hofdame fast unbegreiflichen Rückhaltlosigkeit , » ich kann Ihnen versichern , daß diese Audienz , gleichviel ob im weißen Schloß oder in der Residenz zu A. oder unter Gottes freiem Himmel , schwerlich stattfinden wird – « » Ah – « » Sie haben gestern auf dem Heimweg von Greinsfeld behauptet , ein frommer Feldherr sei eine Widersinnigkeit ? « » Ei , war der Ausspruch so interessant , daß ihn bereits die Damen des Hofes wissen ? ... Ich habe gesagt , meine Dame , daß mich das beständige Zitieren des Namens und der Gnade Gottes im Munde eines