entgeistert , so fahlweiß hob sich das Gesicht mit den bläulichen , krampfhaft zusammengezogenen Lippen von dem tiefen Schwarz . » Gnädige Frau – nicht hinüber ! « bat sie angstvoll und griff unwillkürlich nach dem Kleide der jungen Frau , die auf die Salonthür zuschritt ; heiße , zitternde Finger schoben die zurückhaltende Hand weg und zeigten nach der Thür , die in den Säulengang mündete . Die Kammerjungfer ging hinaus ; sie hörte , wie hinter ihr der Riegel vorgeschoben wurde . » Du wirst nicht leugnen , daß sich auch eine tüchtige Dosis dieses Narrenblutes bereits bei Leo geltend macht . Er nimmt leider , zu meiner Verzweiflung , nur allzuoft jenen › genialen Chic ‹ an , der zum Fluch für unsere einst so respektable , ehrenfeste Familie geworden ist , « sagte drinnen der Hofmarschall . » Nur eine strenge und gottesfürchtige Erziehung kann da helfen ; ich sage nochmals , nur die großväterliche , nötigenfalls eiserne Hand wird ihn retten – und das soll geschehen , so wahr ich dereinst auf einen gnädigen Richter hoffe . Und wenn du deine väterlichen Ansprüche von einem Gerichtshof zum anderen schleppst , Leo ist mein ! ... Uebrigens hast du ja Ersatz – deinen Adoptivsohn Gabriel ! Ha , ha , ha ! « Da wurde der Thürflügel zurückgeschlagen , und die junge Frau trat in den Salon . Sie stand dem in einem Lehnstuhl hohnlachen zurückgesunkenen alten Herrn gegenüber . » Gabriels Mutter ist tot , « sagte sie langsam vorschreitend . » Mag sie zur Hölle fahren ! « schrie der Hofmarschall wie wütend . » Sie hatte eine Seele so gut wie Sie , und Gott ist barmherzig , « rief Liane . Das Blut kehrte in ihre Wangen zurück . » Sie sind strenggläubig , Herr Hofmarschall , und wissen , daß er ein unbestechlicher Richter ist ... Mögen Sie auch in die Wagschale den › stets behaupteten ‹ Nimbus des Edelmannes , die strenge Ausübung der Standespflichten werfen , sie wird dennoch zu leicht befunden ... Wo ein Richter zu entscheiden hat , da müssen auch Ankläger sein , und sie steht jetzt vor ihm und zeigt auf die Fingermale an ihrem Halse . « Der Hofmarschall hatte sich anfänglich scheinbar galant vorgebeugt und die Sprechende unbeschreiblich malitiös angelächelt . Bei den letzten Worten fiel er zurück ; als ihm der Unterkiefer vor sprachlosem Schrecken herabsank und den meist so impertinent zugespitzten Mund weit offen erscheinen ließ , da sah es aus , als berühre ihn die überraschende Hand des Todes ... Mainau aber , der bei Lianes Eintreten am entgegengesetzten Ende des Salons gestanden , kam jetzt auf sie zu ; er schien kaum gehört zu haben , was sie gesprochen ; er vergaß den verzweifelten Kampf , den er eben um sein Kind kämpfte , den beispiellosen Zorn , der in ihm kochte , über dem Anblick der Frau , die , so seltsam verändert an Stimme und Erscheinung , wieder eingetreten war ... Er schlang den Arm um sie und zog sie näher an das Lampenlicht ; er wollte ihr den Kopf in den Nacken biegen , um das Gesicht voll beleuchten zu lassen , und legte die Hand auf ihren Scheitel – entsetzt fuhr er zurück . » Was ist das ? « schrie er auf . » Dein Haar trieft von Nässe . Was ist mit dir vorgegangen , Liane ? Ich will es wissen . « » Krank ist die Gnädige ! « rief der Hofmarschall mit klangloser Stimme herüber ; er saß bereits wieder aufrecht und legte mit einer ausdrucksvollen Gebärde den Zeigefinger an die Stirn . » Ich sah es sofort an ihrer gespreizten , theatralischen Haltung , und ihre letzten Worte bestätigen vollkommen , daß die Dame an Nervernaffektionen , respektive Visionen leidet . Lasse den Arzt holen ! « Liane wandte die Augen mit einem kalten , verächtlichen Lächeln von ihm weg und ergriff Mainaus Hand . » Du sollst alles erfahren – später , Raoul ... Ich habe dir schon heute einmal angedeutet , daß ich dir Schweres mitzuteilen habe . Die Tote im indischen Hause – « » Ah , da ist ja wohl die Erscheinung wieder ! « lachte der Hofmarschall heiter auf . » Wo haben Sie denn eigentlich das Phantom gesehen , meine Gnädigste ? « » Vor der Thür des roten Zimmers , Herr Hofmarschall . Ein Mann schlang die Hände um den kleinen Hals der armen Bajadere und drückte ihr die Kehle zu , bis sie für tot auf den Boden niedersank . « » Liane ! « rief Mainau in leidenschaftlicher Angst . Er zog sie an sich und zog ihren Kopf beschwichtigend an seine Brust : er glaubte immer noch eher an eine plötzliche Geistesstörung dieses geliebten Wesens , als – an einen Mordversuch in » dem höchst ehrenhaften Schönwerth « . Der Hofmarschall erhob sich in demselben Augenblicke . » Ich gehe – ich kann keinen gehirnkranken Menschen sehen . « Er sagte das mit dem ausgesprochensten Abscheu in Stimme und Gebärden ; aber er vermochte nicht allein zu stehen und griff mit unsicher tastender Hand nach der Armlehne des Stuhles . » Beruhige dich , Raoul ! Ich werde dir beweisen , daß ich nicht › gehirnkrank ‹ bin , « sagte Liane . Sie wand sich von ihm los und trat dem alten Herrn näher . Lianes sonst so liebliches Antlitz mit den weichen Zügen erschien wie versteinert in Entschlossenheit und Härte . » Herr Hofmarschall , « fuhr sie in ihrer Rede fort , » der Mann verfolgte die schöne Indierin auch nachts durch die Gärten , um sie dem armen Sterbenden im roten Zimmer zu rauben ; sie mußte sich hinter Schloß und Riegel flüchten vor ihm . – Sieh hin , Raoul , « unterbrach sie sich und deutete auf den Hofmarschall , der vernichtet in sich zusammengesunken war , » Herr von Mainau will dir dein