, aber Eil ! « Wenn die Alarmtrompeten bliesen , machte man nimmer viel Umstände mit einem , der den Hänfenen schon um das kitzliche Zäpfl hatte . Malimmes streckte sich und sah den Profosen an : » Herr ! Ich hab doch schon die ewige Seligkeit um den Hals herum . Jetzt seid barmherzig und lasset mir die Hand lösen , daß ich als andächtiger Christ noch ein Kreuz machen kann . « Rings um den Brunnen herum ein wirres Geschrei , in dem sich grausamer Widerspruch mit christlichem Erbarmen mischte . Das letztere schien auch in der Seele des Profosen zu erwachen . Er besann sich seines Wohlwollens und zog den Dolch , um die Stricke entzweizuschneiden , mit denen die Hände des Gefangenen gefesselt waren . Daß sich vom Haus des Amtmanns ein Reiter in flämischer Rüstung unter heiser schrillenden Worten einen Weg durch das Gewühl der Menschen zu bahnen suchte - das konnte Malimmes nicht mehr sehen . Er sah nur immer den schwer belasteten Querbalken des Galgens an . Und die Aufregung verzerrte sein Gesicht , während er die Fäuste in den Gelenken drehte und noch einen heiteren Ton in seine hastigen Worte zwang : » Herr , meiner Seel , da hängen aber schon viel , da ist ja für mich kein Platz nimmer ! « Der Profos lachte : » Müßt ihr halt ein lützel zusammenrücken ! « » Also ! Gut ! Wenn ' s der Balken nur leisten kann ! « Ein fliegender Blick um den Brunnen herum , ein kurzes , angestrengtes Lauschen gegen die Salzburger Straße hinaus - und in etwas unchristlicher Flinkheit bekreuzigte Malimmes das rotgesprenkelte Gesicht . » Höia ! « schrie er mit gellendem Laut . Er stieß die Fäuste nach links und rechts - die beiden Löwen des Profosen purzelten in den Brunnentrog - Malimmes plusterte den Hals , und während er über dem Kopf mit beiden Fäusten den Hänfenen packte , machte er einen rasenden Sprung in die Luft hinaus . Ein hundertstimmiger Schrei . Erschrocken wichen die Nahstehenden zurück , die stillen Kameraden am üblen Holze pendelten wirr durcheinander , das Querholz des Galgens krachte , knickte in seinem Falz entzwei - und plötzlich plumpsten die zwölf Entseelten als ein schwerer Knäuel mit diesem Lebendigen herunter auf das grobe Pflaster . Um den kollernden Gliederhaufen entstand ein leerer Kreis . Und während die zwei von Wasser triefenden Löwen des Profosen fluchend aus dem Trog des Brunnens kletterten , und während Aberglaube , Schreck und Heiterkeit auf dem Marktplatz durcheinandertobten , hatte Malimmes schon den Hänfenen von seinem Hals gerissen , stand zwischen den Toten auf den Füßen und schrie mit halb erwürgtem Atem : » Ich sag ' s ja . Übermaß ist nie von Nutzen . Hättet ihr mich als zwölften gehenkt , so wär ' ich hängen geblieben . Aber so - ein dreizehnter ist allweil überzählig ! « Unter dem Geschrei , das sich erhob , sprang einer in flämischer Rüstung von seinem Ingolstädter Gaul , dicht vor dem kahlgewordenen Galgenbaum . Er faßte den Malimmes an der Schulter und riß ihn zu sich heran . Die heisere Stimme schrillte : » Der Mann ist mein ! Wer ihn anrührt , den schlag ich nieder . « Dennoch wollte ein dicker Schwarm von kreischenden Spießknechten gegen den aus dem Hanfsamen Erlösten andrängen . Lampert Someiner machte in Zorn das Eisen blank . Da hörte man vom Stiftshof dumpfes Gepolter und schweres Rädergerassel . Alarmtrompeten fingen zu blasen an . Ein Stutzen und Schauen der Kriegsleute , eine lärmende Verwirrung , ein Drängen und Auseinanderlaufen . » Schnell , du ! « keuchte Lampert . » Spring auf meinen Gaul ! « » Vergelt ' s Gott , Herr ! « Das war ein heißer , fröhlicher Schrei . Und Malimmes saß im Sattel . Und beugte sich nieder : » Die Jula hat Euch lieb ! Wahr ist ' s , Herr ! Die Jula - « Das steigende Roß drehte sich wie ein Kreisel . Und als es den ersten Sprung tat , riß Malimmes einem Doppelsöldner den Bidenhänder von der Brust . » Wie , du ! Gib her ! Ich brauch ein Eisen ! « Und durch das Gewühl der schreienden Menschen , die vor dem kreisenden Stahl und vor den schlagenden Hufen des Pferdes erschrocken zurückwichen , jagte Malimmes die Marktgasse hinaus , der Hallturmer Straße zu . Und war verschwunden . Lampert Someiner stand wie ein Träumender inmitten des Aufruhrs , der ihn umbrüllte . Und so stand er noch immer , als Fürst Pienzenauer und Hauptmann Hochenecher aus dem Stiftshof herausgeritten kamen . Zwischen den beiden Herren täppelte asthmatisch der Profos , der in Aufregung etwas erzählte . Und als der Fürstpropst neben dem Marktbrunnen den wirren Knäuel der stillen Schläfer und die leere Strickschlinge sah , fing er herzlich zu lachen an . Noch immer lachend , ritt er auf den Jungherrn Someiner zu und fragte : » Lampert ? Hörst du nicht , daß Alarm geblasen wird ? « Lampert erwachte aus dem lähmenden Bann , hörte vom Erker seines Hauses die Stimme der Mutter , sah , daß Frau Marianne sich mit winkenden Armen fast aus dem Fenster stürzte - sah wieder seinen lachenden Fürsten an , stammelte ein paar klanglose Worte und begann zu laufen . Einer in schwerem Panzer , wenn ihm der tragende Sattel fehlte , war immer anzusehen wie ein plumptaumelnder Käfer , dem man die Flügel ausgerissen . Die Spießknechte kuderten , als sie den ritterlichen Jungherrn so mühsame Sprünge machen sahen . Lampert verschwand im Flur des väterlichen Hauses . Er schrie den Namen des Knechtes . Und schrie : » Den Moorle ! Tu einen Sattel auf den Moorle - « Ein Hustenreiz erwürgte ihm die Stimme . Im Gerassel seines Panzers tappte er über die Treppe hinauf . Unter der Stubentüre kam ihm die Mutter wie eine Verzweifelte entgegen : » Allgütiger Heiland