dürfe . » Das Auge schulen , - es ruhen , ruhen lassen - die Erscheinung ergründen , die da ist « . Und darum hatte er ihn dahin gesandt , wo es zu schauen gab , wo alles , was er sah , mit ursprünglichem Blicke gefaßt und gewertet werden mußte . Zum Schlusse wies Manfred auch Olga ihren Platz an . Frau Wallentin und sie sollten über jene Fragen berichten , die große Schichten der Frauen bewegend hoben . Besonders sollte diese Frauenfrage unter dem Gesichtspunkt der Weibesfrage und ihres Zentralsten : des Mutterproblems , erörtert werden . Für die Strebungen der Frauenbewegung trat Manfred nur bedingungsweise ein ; er wünschte die wirtschaftliche Selbständigkeit der Frau - aber - ergänzt durch Frauenschonung und Frauenschutz , zur Zeit der Belastung durch die Vorgänge der Fortpflanzung . Ja , er verlangte die gesellschaftliche Sicherung der Frau als Pflegerin und Erzieherin der Generation . Natürlich sollte die Frau ihr Leben nicht etwa nur auf ihren Gattungszweck einstellen , - da das höchste Gut der organischen Welt : das Gehirn , auch bei ihr entwicklungsfähig und vielfach hochentwickelt war . Nur vor der Schädigung durch grobe Brotfrohn wollte er sie behütet wissen . Die Frauenarbeit in ihrer heutigen Form , die besonders die Kräfte der Proletarierfrau zerrieb , betrachtete er wie ein gefährliches Medikament , das man einem kranken Gesellschaftskörper zuführt , weil man die eigentliche Methode seiner Heilung noch nicht weiß . Diese Methode aber würde dahin streben , - daß das echteste Recht des Weibes , das Recht auf Mutterschaft , jedem dazu tauglichen Weibe gesichert würde . Dann erst wird die Frau nur zu jenen Berufen streben , die ihre Lebenskraft und ihre Lebensfreude erhöhen , anstatt sie zu zermürben . Olga erwiderte : » Das war von jeher , wenn auch unbewußt , die geheimste Strömung der Bewegung . Um bewußt zu werden , mußte sich die Bewegung im Kreise drehen : sie ging aus - von der Stellung der Frau als Weib , gelangte zu ihrer Situation als Erwerbende und geistig und wirtschaftlich Selbständige und kehrte zurück - zum Mutterproblem . « Nun war noch über die Technik der Redaktion zu sprechen . Hier hätte man die neue Helferin gebraucht . Wo war sie ? Olga machte sich Vorwürfe , in der frohen Hast , mit der sie vom Hause weggeeilt war , Eva nicht deutlich genug über den Weg zum Vorort hierher unterrichtet zu haben . Nun hatte sie sich verspätet , weil sie den Weg nicht kannte , und würde wohl kaum noch kommen . Ihr Blick glitt über die Runde von Männern , unter denen sie die einzige Frau war . Sie saß Manfred gegenüber . Plötzlich , zum erstenmal , überkam sie der Gedanke : Warum - warum ist er allein ? Seine Verbindung mit Lucinda war längst ein leerer Schein gewesen . Warum fehlte diesem Mann bis heute die Gefährtin ? Auf seinen weiten Reisen in allen Zonen der Kultur , hätte er sie da nicht finden müssen ? Ihre Gedanken waren plötzlich versponnen in diese Frage . Die eigentliche Sitzung war beendet , aber man blieb noch zusammen . Sie grübelte ... Warum war er - allein ? Aber freilich , wo war die Gefährtin für ihn ? Diesen Mann konnte zum zweitenmal kein Mißgriff beirren . Wo war die Ergänzung für ihn , - wo eine Weiblichkeit , rhythmisch in Blut und Geist , wie sie allein neben ihm zu denken war ? ... Es klopfte . Ein bescheidenes , aber doch ein deutliches Klopfen war es . Manfred ging zur Tür und öffnete . Eva Nestor stand vor ihm , und Olga sah sie - sah sie , mit großen , erstaunten , mit wissenden Augen , - als hätte sie sie das erstemal gesehen , - sah sie neben jenem Manne , der für sie der vollkommenste des Geschlechtes war ... Der Sommer war vergangen , für Olga - überwunden . Stanislaus und Lore hatten kürzlich geheiratet , und Stanislaus verwurzelte sich tief in sein Gatten- und Vaterglück . Jetzt rüsteten auch noch zwei andere zu dauernder Bindung . Koszinsky sollte für seine Firma nach Buenos Aires gehen , um eine deutsche Filiale des Geschäftes da zu leiten . Er nahm Erika mit . Und da sie drüben keinen Anstoß erregen wollten , so gingen sie vorher , brav , zum Standesamt . Olga , Stanislaus und seine Frau wohnten der Zeremonie bei . Nachher ging man zu fünft in ein kleines Restaurant , zum gemeinschaftlichen Mittagessen . Erika strahlte vor Glück . In ihrem neuen , grauen Kleid sah sie wirklich wie eine Jungvermählte aus . Es war , als ob alles , was vordem ihr Leben bedrängt hatte , in dem schwarzen Wasser des Kanals geblieben wäre . Aus Koszinskys Gesicht war der unstäte Zug gewichen . Seine Miene war ernst , zufrieden , und um seinen Mund , verborgen in dem blonden Spitzbart , lagerte ein Zug von heimlicher Heiterkeit , den er früher niemals gehabt . Erika war entzückt von der neuen überseeischen Aussicht . » Nach Buenos Aires - denken Sie nur , in dies herrliche Klima , diese fremden , interessanten Verhältnisse ! « Sie schwärmte begeistert . » Erinnern Sie sich , Koszinsky , « - sagte Olga - » wie es einstmals ein - Traum von Ihnen war , sich irgendwo auf einer grünen Insel im blauen Meer niederzulassen - irgendwo fern von Europa - und dort als Farmer zu leben ? « Woher nahm sie den Mut , ihn an jene Stunde zu mahnen ? ! Die Gegenwart war es , die ihr diesen Mut gegeben . Ungescheut durfte sie jetzt , heute , auch dieses Bild heraufbeschwören . War denn das nicht wirklich sein Schicksal gewesen ? War er nicht erst hinausgeschleudert worden ins Uferlose und hatte sich dann doch auf einem Stückchen grünenden Landes gerettet ? ... Koszinsky nickte , mit rückschauendem Erinnern ... » Das schönste