vergessen ward . Wer kann das steinerne Rätsel lösen ? Vielleicht war dies der Teutschen Stammvater Tuisko . Vielleicht auch ein Götterbild , das Urbild des Berggeistes , den man später den Rübenzagel hieß . Vor mir lagen die Knochen , die ich aus der Truhe geholt hatte , und daneben die Kostbarkeiten , die meinen Sinn verwirrten . Ich griff aus dem Silberkessel eine Handvoll Goldes und sahe , daß die Münzen ein seltsam Gepräge hatten . Keine Schrift war darauf , sondern meistens nur ein Rad oder eine Sonnenscheibe mit einem Kreuz innen . Ich starrte auf das gelbe Gleißen , lauschte dem Klimpern der Münzen , wühlte im Golde , nahm die Zierate und weidete daran mein Herze , daß es trunken ward . Da hast du nun , wonach du seit der Knabenzeit getrachtet ! Erfüllt ist dein Hoffen , die Abendburg spendet , wovon die Mären raunen . Was nun ? So sprach es in mir , und vor meinen Augen regte sich das Gold und wuchs , wie Bäume wachsen , und Säulen wurden daraus , Mauern mit strahlenden Fenstern , ragende Dächer , Zinnen , Türme und Tore , Zugbrücke , Graben und Wall . Die verheißene Abendburg strebte vom Bergesgipfel himmelan , aus wildem Gestein herfürgezaubert durch des Goldes Magie , und ich war der Zauberer und Herr . Die Steinbilder der Höhle , des teutschen Volkes uralte Fürsten , die hier Jahrtausende geschlafen hatten , regten sich , das arme Vaterland zu retten , und machten mich zu ihrem Erben , boten mir den Schatz und eine Krone . Wohlan , es sei ! Erbauen will ich die Burg und herrschen über die Berge . Nicht , um zu prunken und zu schwelgen , sondern um meinen Landsleuten zu helfen , aus dem Gebirge eine unüberwindliche Feste zu machen und so den Grund zu legen zu des Reiches Libertät . Doch wiewohl mir bei diesem kühnen Gedanken hoch das Herze schlug , war doch mein Geist von Zweifeln bedrängt . Wie die Zügel der Herrschaft ergreifen ? Wie den ersten Schritt tun auf der neuen Bahn ? Je mehr ich sann , desto heißer verlangte mich nach einem Menschen , der mir raten könnte , da ich die Wucht meines Erlebnisses kaum zu ertragen vermochte . Ich beschloß , sogleich den Oheim einzuweihen und zu meinem Helfer zu machen . Verließ also den Felsendom - nicht ohne scheue Blicke hinter mich zu werfen , ob auch der Schatz noch da sei , und nicht etwan der steinerne Hüter wie ein Gespenst mich packen wolle . Doch es blieb alles , wie ich es mit Aug und Hand wahrgenommen . Taumelig überschritt ich die Brücke der Felsenschlucht und stieg den engen Gang empor , bis ich in meiner Grotte war . Hier merkte ich , daß mir die Knie zitterten und das Herze wild pochte . Mußte mich setzen , betastete meinen Kopf und starrte auf das Loch im Boden , da ich noch immer nicht fassen konnte , daß alles mehr sei als Traum . Dann aber trat meine Tatkraft auf den Plan . Die Steinplatte deckte ich auf das Loch und schaufelte den Schotter darüber . Beflügelten Fußes strebte ich zu Tal . Wiederholt freilich hemmte meinen Lauf die Sorge , es möchte in meiner Abwesenheit der Schatz aufgespürt werden . Es war mir , als müsse das Gold magnetisch die Menschen herbeiziehen . Den Oheim fand ich in seinem Laboratorio . Ich muß wohl seltsam dreingeschaut haben , denn er sahe mich groß an und fragte : » Was hat ' s denn ? « Ich legte die Hände auf seine Schultern und schüttelte ihn , da ich zunächst keine Worte fand . Dann fuhr es mir heraus : » Ich habe den Schatz ! « Noch mehr weiteten sich des Oheims dunkle Augen , und er flüsterte scheu : » Machst du keine Possen ? « - » Nein , wahrhaftig , der Schatz ist unser , du sollst ihn sehen , sollst alsogleich mit mir kommen . Doch streng verschwiegen müssen wir sein ; selbst Beate darf nichts erfahren . Sag ihr , du müssest mich begleiten , weil mir etwas Alchymistisches gelungen sei . « Da sah ich zum ersten Male in meinem Leben den Oheim strahlen vor Freude . Seinen Mund tat er auf , als wolle er jauchzen , brachte aber nur ein Lallen herfür , dann faßte auch er mich bei den Schultern und schüttelte mich wie einen Baum , der voller Früchte hängt . Wie wir einander gefaßt hielten , kamen wir ins Drehen und tanzten lachend umher . Nachdem nun der Oheim die alte Beate verständigt hatte , daß er mit mir gehe , war er leichtfüßig wie ein junger Bursch . Unterwegs im Bergwalde tat ich über alles Bericht . Abermals kam mir die Sorge , es möchte die Höhle mit dem Schatz ein Traum gewesen sein oder ein magisch Phantom , das inzwischen der gewöhnlichen Wirklichkeit Platz gemacht habe . Doch sieh , unter dem Schotter kam die Steinplatte herfür , und als wir sie weggeräumt hatten , klaffte der dunkle Eingang . Hinstarrend und auf das Tosen horchend , schauderte der Oheim , blickte dann scheu um sich und meinte : » Bist du auch sicher , daß kein Unberufener hier eintritt , derweilen wir drunten sind ? Laß uns die Pforten verriegeln ! « - So taten wir , und da die Hunde in der Balkenstube lagen , fühlten wir uns ziemlich sicher vor Überraschung . Brennende Fackeln in der Hand , stiegen wir in die Tiefe . Nachdem wir den engen Gang hinter uns hatten , kam die Felsenschlucht , darin das Wasser toste ; über die Steinbrücke ging ' s und jenseits wieder aufwärts , dem Nebenflüßlein entgegen . Im weißen Felsendom erstarrte der Oheim , wie er die Gebilde aus Tropfgestein betrachtete . Weiter wandelnd , kam er zu den beiden Bildsäulen , fuhr