, und einen Krieger dafür zu gewinnen , war in jenen Tagen Gewissenssache . Zumal hier , wo sich Vater und Sohn vorzuwerfen hatten , daß sie schuld trügen , wenn ihre Sache einen Streiter verlöre an dem Deutschen . Der Bediente meldete , daß angerichtet sei . » Wir müssen den Schluß unserer Partie aufschieben , Herr von Valerius . Sie machen das Spiel dem Gegner schwierig durch den häufigen Gebrauch der Springer - solch ein Springer macht seine Bewegungen mit einer regelmäßigen Unregelmäßigkeit , die schnell einen ganzen Plan umwirft . « Der Spott war also schon artiger geworden , aber ohne Hedwigs Gegenwart wäre das Mittagsmahl doch wieder peinlich gewesen . Die Fürstin war völlig schweigsam ; Stanislaus machte mehrere Versuche , in den früheren herzlichen Ton mit seinem jungen Freunde einzustimmen , aber trotz dessen Entgegenkommen gelang es nicht . Hedwig nur war unverändert in ihrer alten Heiterkeit . Einmal betrachtete sie ihren Bräutigam und Valerius aufmerksam und mit halb lachendem Gesichte und brach endlich in ein volles Gelächter und in die Worte aus : » Meine Herren , das nenn ' ich Sympathie , Sie haben ja beide zerrissene Röcke an ! Hier ist ein langer Ritz in der Uniform , und dort - ach , wie schade ist ' s um ihren blanken schwarzen Rock , Herr von Valerius ! « Diese Erinnerung an den Vorfall im Garten war eher geeignet , die üble Stimmung noch zu erhöhen ; der alte Graf nahm aber Gelegenheit davon , sein Glas dem Fremden hinzureichen und auf » frische Tapferkeit « anzustoßen . Dieser begriff zwar leicht , daß es auf seine zu hoffende Tapferkeit gegen die Russen gemünzt sei , aber er stieß an , um womöglich ein fröhlicheres Verhältnis zu erzeugen . Einem aufmerksamen Beobachter der Fürstin konnte es nicht entgehen , daß sie nicht so ruhig war , als sie schien , daß zuweilen eine schnelle Röte in ihrem Gesichte aufstieg , daß sie mit ungewöhnlicher Teilnahme und Besorgnis auf den Säbelhieb blickte , den Hedwig auf des Gastes Rocke entdeckt hatte . Aber sie sprach nicht , und wenn Valerius sie anredete , und mit weicher , einschmeichelnder Stimme auf diese oder jene Weise in ein Gespräch zu nötigen suchte , so wich sie immer aus , wenn auch gewandt und höflich , aber immer kalt . Ihre schwer ruhenden Blicke , die auf dem jungen Manne weilten , so oft seine Augen nicht direkt auf sie gerichtet waren , bemerkte er leider nicht , von dem mörderischen Kampf zwischen Stolz und Liebe , der in solchen Augenblicken über ihre schönen Züge hinwegbrauste , gewahrte er nichts . Als man vom Tische aufstand , entfernte sie sich sogleich . Auch Valerius ging . » Die liebt mich nicht , ich habe früher recht gehabt , es ist ein gewöhnliches liebelustiges Weib , das eine scheinbare Vernachlässigung nicht vergibt . Still , Neigung , ungestümes Verlangen - hier ist kein Heil für mich , und morgen verlass ' ich diese Stadt . « Sein Geldmangel fiel ihm ein , und unruhig und ungeduldig kam er nach Hause . Magyac übergab ihm einen Brief und eine Rolle mit Goldstücken , die angekommen waren . Der Brief war von seinem Freunde Hippolyt , vom Gelde erwähnte er zwar nichts , Valerius kannte aber seine Gleichgültigkeit und sein Mißbehagen , über Geld nur ein Wort zu verlieren , und trug dem Magyac auf , zum nächsten Morgen Postpferde zu bestellen und alles für die Abreise bereit zu halten . » O Herr , verlaß uns nicht ! « bat Thaddäus . » Ich muß , Magyac , ich muß . « Und traurig ging Thaddäus ans Packen . 22. Es war dem Valerius , als ginge seine Jugend zu Ende mit der Abreise von Warschau . Alle seine früheren Wünsche , Hoffnungen und Gedanken glaubte er in Irrtümer verwandelt zu sehen , da er ein freiheitslustiges Volk aufgeben müsse . Tief und schwer seufzte er auf : » Und auch die Liebe geht zu Ende , auch sie ist nicht mehr zu gewinnen . O , Jugend , du Inbegriff alles Reizes , warum scheidest du so früh von mir ! Was ist das Leben ohne Hoffnung , und wo gibt ' s eine Hoffnung ohne Jugend ? Nur die Jugend hat Farbe und Begeisterung , was werd ' ich anfangen mit den grauen Tagen ohne Rot und Grün , die keine Kraft mehr in mir wecken . Die Jugend allein ist Poesie - wie soll ich mich fortschleppen ohne dich , du erhebende Schwärmerei ! Es gibt nur zwei Arten , glücklich zu sein : entweder man bewegt und bevölkert sich und die Welt mit Idealen , Aussichten , neuer Zukunft , man schaukelt sich auf der wogenden Bewegung des ungezügelten Strebens , - oder man betrachtet die Welt aus einem ruhigen Herzen , freut sich des Kleinsten , hilft und fördert im Kleinsten , pflanzt mit Genügsamkeit , wartet geduldig auf das Gedeihen , gestaltet das Unbedeutende zur gefälligen Form , verlangt nichts vom Tage , als was er eben bietet , und hält den Nachbar und sein Interesse höher als das Wohl oder Wehe von Nationen . Nur der letzte Weg ist mir übrig , und es fehlt mir alles , was er in Anspruch nimmt . Sogar die wohlige Behaglichkeit des Körpers , diese Vergnügen erzeugende Harmonie des Leibes geht mir ab . Die Revolutionsmilch hat mich aufgesäugt , unter Bewegung ist mir Geist und Körper groß gewachsen - wird es mir gelingen , einen neuen Menschen zu erziehen ! Und doch muß es sein : ich habe zuwenig Fanatismus , zuwenig Leidenschaft , um als rücksichtsloser Bewegungsmann irgend ein Ziel zu finden . Ich werde ein jämmerliches Leben führen ohne Begeisterung und ohne Ruhe , zum Helden verdorben , zum Bürger untauglich - aber zum Leiden und Tragen geschickt ; lebe wohl , Jugend ! « Damit nahm er seinen Mantel ;