Finsternis , den Tod bedeuten würden , wenn sie sich nicht versöhnt die Hände reichten , grad ihn in ewges Leben zu verwandeln . Darum die Wahl , die keine Lüge war , obgleich es Tod nicht gibt und doch kein Schatten lebt : Tod oder Schatten ! « Er setzte sich ; so tat ich ' s also auch . Und nun begann er zu erzählen : Ein Menschenleben , ein Geistesleben , und aber doch das ganze Menschheitsleben . Die Sterne wanderten am Himmel weiter ; ich sah es nicht ; die Zeit war wie für mich nicht mehr vorhanden . Die Sterne schwanden ; auch dieses sah ich nicht . Ich achtete allein auf seine Worte . Im Osten stieg der Morgen bleich empor , doch schaute ich nicht hin . Mir war ein andrer Morgen aufgegangen . Nun aber kam der erste Sonnenstrahl und fiel verklärend auf sein Angesicht . Da sprang er auf , zog mich zu sich empor , berührte mit den Lippen meinen Mund und sprach : » Hier diesen Kuß für den , der drinnen schläft ! Komm mit hinein , daß er dich wiederhabe ! Du wirst gebraucht . Und ich - - - - - - ? Wohl noch viel mehr ! « Er nahm mich bei der Hand . Schon unter der Tür blieb er nocheinmal stehen und sagte leise : » Er liegt so still und schläft ; ich höre seinen Atem . Sobald du dich ihm nahst , wird er zu träumen haben , was du bei mir erlebtest . Geh langsam , langsam hin , und gib ihm meinen Kuß ! Nicht übereilt sei deine Wiederkehr , weil er des Traumes sich nach dem Erwachen genau erinnern soll . Kein Wort sei ihm verloren ! « Ich folgte dieser Weisung und ging nur Schritt um Schritt quer durch das Mittelzimmer , dann durch die offne Tür ins Schlafgemach , in welches grad mit mir der Sonne Licht auch trat . Sein Angesicht begann , sich geistig zu beleben , und dieses Leben ward um so bewegter , je näher ich ihm kam . Nun war ich dort und bog mich zu ihm nieder , gab ihm den Gruß des » Zauberers « , der an der Tür noch stand , und - - - - - - - - - - und erwachte aus dem Schlafe , riß beide Augen auf , sah mich aber schon nicht mehr stehen , sprang eiligst aus dem Bett und dann schnell durch die Tür hinaus ins Mittelzimmer . Der Zauberer war fort , das Zimmer leer und auch das platte Dach ! » Geträumt , geträumt ! « rief ich . » Und aber wie geträumt ! So deutlich ist noch nie ein Traum gewesen ? War das vielleicht ein sogenannter Wahrheitstraum ? Es ist ganz so , als hätte ich ' s erlebt , als hätte ich es wirklich durchgemacht . Ich sehe Alles noch . Ich höre jede Silbe . Ich werde es mir rekapitulieren . Dann setze ich mich her , es zu Papier zu bringen . Man kann nicht wissen , ob - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - « Infolge dieser Arbeit war es ziemlich spät , als ich mein Frühstück nahm . Dann ging ich hinab , um zunächst mit Schakara zu sprechen . Sie saß in der Halle , ganz allein , sich einen Schleier säumend . » Hat dir Marah Durimeh vielleicht einmal die Sage von dem verzauberten Gebet erzählt ? « fragte ich sie . Sie sann nach und antwortete dann : » Nicht mir , sondern einem Fremden . Das war im Dorfe Ohtian des Stammes Bulanuh . « » Wer war der Fremde ? « » Das weiß ich nicht mehr , habe es vielleicht auch gar nicht gewußt . Er gefiel mir nicht . Es war eine alte Frau gestorben , die weit draußen vor dem Dorfe in einer elenden Hütte lebte . Niemand bekümmerte sich um die Leiche , weil sie eine Tumasa52 gewesen war . Da nahm Mara Durimeh mich mit ; wir hielten Totenwache . Ich war noch klein und erst seit Kurzem ihre Schülerin . Der Fremde reiste durch das Dorf und hielt da draußen vor der Hütte an , denn Marah Durimeh saß vor der Tür und fiel ihm auf . Als er auf einige Fragen Antwort bekommen hatte , stieg er vom Pferde , um noch weiter mit ihr zu sprechen . Er kam auch einmal herein , spuckte aber vor der Leiche aus . Warum , das weiß ich nicht . Das , was er sagte , war so gelehrt , daß ich es nicht verstehen konnte , und so hochmütig , daß ich die Tote leise bat , ja nicht auf ihn zu hören , weil es die Sammlung störe , die ihr jetzt nötig sei . Das war der Mann , dem Marah Durimeh die Sage , bevor er weiterritt , mit auf die Reise gab . « » Also ist es noch gar nicht so lange her , daß jene Letzten in die Tiefe stürzten ! « » Ich verstehe dich nicht . Was meinst du da ? « » Das erzähle ich dir nachher . Kannst du mir die Sage wohl berichten ? « » Leider nein . Ich merkte sie mir nicht . Ich war so jung , sie aber tief und mir ganz unverständlich . « » Wie schade , jammerschade ! « » Warum . « » Leg deine Arbeit weg , und komm mit mir hinaus zur Pferdeweide ! Da sind wir ungestört . Ich träumte heut , und wenn der Geist in solcher Weise träumt , kann er es seiner Seele nicht verschweigen . « Wir gingen durch den Garten nach dem Steine , an dem wir schon einmal gesessen hatten .