geboten hatte . Eines Tages im Frühsommer waren eine Anzahl fremder Arbeiter und ein Geometer nach Halbenau gekommen . Sie hatten sich auf die große Wiese , die zwischen dem Büttnerschen Hofe und dem Walde ungefähr in der Mitte des Grundstückes lag , begeben . Hier , an der dachartig abfallenden Lehne , fingen sie an , abzustecken . Dann wurde der Rasen abgeschält , der Humus , der zunächst unter der Grasnarbe lag , auf besondere Haufen geworfen , und schließlich in der tiefergelegenen zähen Tonerde ein umfangreiches Viereck von Metertiefe ausgegraben . Hier sollte die Dampfziegelei hin , die Harrassowitz zu gründen gedachte . Es sei ein allgemeines Bedürfnis für die Gegend , hatte Sam erklärt ; weit und breit bekäme man keine vernünftigen Ziegeln zu kaufen . Er halte es für seine Pflicht , etwas für die Hebung des Ortes zu tun durch Einführung der Industrie . Nun sollten die Halbenauer einmal sehen , was jetzt für Geld unter die Leute kommen werde ! - Die Grundmauern zum Ringofen schossen schnell aus dem Boden empor , das Gebälk zum Trockenschuppen wurde gerüstet , die Schlämmbassins angelegt und schließlich die einzelnen Teile der weitläufigen Anlage mittelst schmaler Schienenstränge verbunden . Über dem Ganzen reckte sich bald die Ziegeleiesse höher und höher empor ; ein ungewohnter Anblick , der die Halbenauer staunen machte . Nun bekamen sie doch auch eine Dampfesse in den Ort . Täglich gab es jetzt Veränderungen auf dem Grundstücke . Eines Tages , im Herbst , erschien ein gräflicher Revierförster mit seinen Leuten auf der zum Büttnerschen Gute gehörigen Waldparzelle . In wenigen Tagen ward mit den verkrüppelten Kiefern , Wacholderbüschen und Stockausschlägen aufgeräumt und Kahlschlag hergestellt . Die Herrschaft Saland hatte nun doch den Wald des Bauerngutes angekauft für ein Geld , das dem Bauern , hätte er es zur rechten Zeit gehabt , über alle Nöte hinweggeholfen haben würde . Gleichzeitig war auch das » Büschelgewende « , dessen Urbarmachung dem alten Manne so viel sauren Schweiß gekostet hatte , an den mächtigen Nachbarn gekommen . Nun war das Loch zugemacht , das bisher die beiden gräflichen Reviere : Halbenau und Saland , getrennt hatte . Im Frühjahr sollte die ganze Fläche zugepflanzt werden . Traugott Büttner sah alle diese Dinge . Keine Klage kam über seine Lippen . Es war , als habe er sich selbst Schweigen auferlegt . Was in seinem Inneren vor sich ging , erfuhr kein Mensch . Er glich einer Pflanze , die man schlecht versetzt hat , und die nun in verwahrlostem Zustande dahinsiecht ; sie vegitiert noch , aber in ihren Säften geht sie zurück . Er glich auch einer Maschine , die ohne treibende Kraft doch weiter arbeitet , weil der Schwung von früher her noch ein Weilchen vorhält , ehe sie aussetzt . Für Schmerz war er scheinbar unempfindlich geworden , abgestumpft durch das Zuviel , gleich dem Boden , der allzustark getränkt , keine Nässe mehr in sich aufnimmt . Die da meinten , er sei gefühllos , irrten sich . Er fühlte gar wohl das Unrecht , das ihm widerfuhr . Die Demut und Schmerzensseligkeit eines Hiob war seiner halsstarrigen Bauernnatur nicht eigen . Weit davon entfernt war er , mit dem Knechte Gottes aus dem Alten Testamente zu sagen : » Ich bin nackend von meiner Mutter Leibe gekommen , nackend werde ich wieder dahinfahren . Der Herr hat es gegeben , der Herr hat es genommen , der Name des Herrn sei gelobet ! « Wenn er auch scheinbar zum stumpfen Lasttier herabgesunken war , das die Schläge gleichgültig hinnimmt , so blieb sein innerer Trotz doch ungebrochen . Menschenhaß und Verachtung waren seine Tröster , Groll seine Nahrung ; die einzige , die ihn noch in Kraft erhielt . Aber die Qualen , die er ertrug , waren um so brennender , weil er nicht den Schrei der Wut fand , sich von ihnen zu entlasten . VI. Nachdem das Manöver vorüber , hatte der Graf Urlaub genommen , um die Hochzeit seiner Schwester Wanda auszurichten . Große Vorbereitungen wurden in Schloß Saland zu diesem Feste getroffen . Der Adel der Nachbarschaft , die Magnaten der Provinz waren geladen . Aus Berlin waren Freunde des Bräutigams und Kameraden des Wirtes eingetroffen , und immer noch erschienen neue Gäste . Es war ein Fest für die ganze Gegend . Die kleinen Leute nahmen die Gelegenheit wahr , einmal gründlich blauen Montag zu machen . Täglich gab es in Saland jetzt etwas zu sehen . Einmal hieß es , ein Wagen sei angekommen , mit sechs Pferden davor , Kutscher und Diener dazu mit feuerroten Röcken . Natürlich lief man da von der Arbeit fort , um das Wunder zu begaffen . Dann wieder gab es ein Feuerwerk . Leute in einem entfernten Dorfe sahen davon den Schein gegen den nächtlichen Himmel und glaubten , es müsse ein Schadenfeuer sein . Die Sturmglocke wurde angeschlagen , die Feuerwehr alarmiert . Die Feuerwehren der Ortschaften , durch die man kam , schlossen sich an . Und so erschien schließlich eine ganze Anzahl Spritzen vor Schloß Saland . - Als man wahrnahm , daß es gar kein Feuer gab , schimpfte man weidlich . Der Graf erfuhr von dem falschen Alarm und ließ den Leuten Bier geben aus der Schloßbrauerei , damit sie statt des Feuers wenigstens ihren Durst löschen möchten . - Die fabelhaftesten Gerüchte durchschwirrten die Luft ; es hieß : am Hochzeitstage solle Geld unter die Menge geworfen werden , im Schloßhofe werde am Vorabend der Trauung ein gebratener Ochse und ganze Schweine und Kälber zur allgemeinen Speisung ausgelegt werden , und dazu würde aus einem Riesenfasse Wein fließen . Eine Art von Fieber hatte sich der Bevölkerung bemächtigt . Die Arbeit schmeckte den Entnüchterten nicht mehr ; man erwartete voll Spannung außergewöhnliche Dinge . Auch Karl Büttner war von Wörmsbach herübergelaufen , um sich das Feuerwerk mit anzusehen . Er kannte einige von der Feuerwehrmannschaft von der Truppe her