» Geht heim , die Entscheidung wird erst morgen verkündet . « Unter den Juden erhoben sich Rufe der Enttäuschung ; von den Zechern drinnen horchten nur wenige auf . » Frag ' ihn , was es gibt « , bat Sender den Pförtner , und der steuerte denn auch gehorsam im Bogen auf den Frater zu und kam dann ebenso zurück . » O die Schlauen « , kicherte er . » Sie wollen nur das betrunkene Pack los sein . Sie fürchten , die Kerls lassen den Valerian sonst bis morgen früh hochleben und fordern immer mehr Met und Schnaps . Schande « - er taumelte - » Schande , sich bei solcher Gelegenheit zu betrinken . Aber wer gewählt ist , darf ich dir nicht sagen , der Bruder hat ' s verboten . « » Dann will ich nicht in dich dringen « , lachte Sender und trat zurück . Im nächsten Augenblick umgab ihn ein Knäuel Fragender , und zwanzig Hände zugleich faßten ihn am Kaftan , Knöpfen und Ärmeln . » Was hat er gesagt ? Was hat er gesagt ? « Aber er schüttelte sie ab . » Ich weiß es nun « , rief er . » Aber der Vorsteher muß es zuerst erfahren . « Wie ein Triumphator , rings von einem Gefolge umgeben , trat Sender den Weg zum Marktplatz an , anfangs rasch , dann immer langsamer . Denn das Gefolge wuchs von Schritt zu Schritt lawinenartig an , weil einer dem anderen zurief : » Sender hat ' s herausgebracht und bringt ' s nun dem Vorsteher . « Aber auch Sender beeilte sich nicht , es war ihm nicht unbehaglich , so dahinzuschreiten , von allen Seiten bei den Knöpfen gefaßt , aber auch bewundert , denn auch sein Lob erklang von aller Lippen . » Sie wollen ' s nicht sagen , aber der Pojaz weiß es . « Als der Zug endlich vor Jossef Grüns Haus anlangte , war er , aber auch Senders Verdienst ins Ungemessene angewachsen : » So ein Kopf ! Das war noch nicht da . « Jossef , der eben mit den Seinen beim Abendessen gesessen , eilte ihm auf die Gasse entgegen und führte ihn in die Stube . » Nun « , rief er in atemloser Erregung , » rede ! Marcellin oder Valerian ? « Aber mit einem Worte Antwort zu geben , war Sender nicht gewillt . Er ließ seinen Blick durchs Zimmer schweifen . Da stand die ganze Familie und die anderen angesehenen Leute der Stadt und hingen an seinem Munde . Malke hatte sich in einer Ecke verborgen , hinter dem breiten Rücken der Freundin , aber auch ihre Augen sah er erwartungsvoll auf sich gerichtet . » So große blaue Augen « , dachte er , » wie heißt die griechische Göttin im Lesebuch , die solche Augen hat ? « Laut aber sagte er endlich : » Furchtbar ist es bei der Wahl zugegangen , Reb Jossef , ganz furchtbar . Und Sachen haben sich die beiden Parteien gesagt , Sachen , schön war ' s nicht . Wenn ihr den Valerian wählt , riefen die einen , so ist ' s mit der Klosterzucht vorbei und er verkauft ganz Barnow an die Juden . - Und wenn ihr den Marcellin wählt , riefen die anderen , so ist unser Leben hier nicht länger zu ertragen und das Kloster verarmt . Warum sollen wir den Juden nicht gegen gutes Geld Baugrund verkaufen ? Es bricht ja vielleicht eine Pest aus , wenn wir sie noch länger zusammenpferchen . Es ist aber noch schlimmer gekommen - « » Schlimmer ? « rief Jossef erblassend . » Schlimmer ? « wiederholten die anderen atemlos . » Bei den Verhandlungen nämlich « , sagte Sender . » Böse Worte - aber wozu die wiederholen ? Endlich sagt der Subprior : Wir werden uns nicht überzeugen . Wählen wir . Er verteilt die Stimmzettel und - « » Und ? « » Athene heißt die Göttin « , dachte Sender , » aber diese Augen sollen mich noch länger so ansehen ! « - » Und jeder schreibt einen Namen auf « , fuhr er fort . » Auch dabei ist es nicht ganz glatt zugegangen , hör ' ich . Endlich sammelt der Pater Sekretär die Stimmen und der Subprior beginnt zu lesen : Marcellin - Valerian - Marcellin - Valerian - « » Stimmengleichheit ? « stieß der Vorsteher hervor . Sender schüttelte den Kopf . Zapple nur , dachte er , so ein Mädchen für deinen Mosche ! - » Dann Marcellin , Marcellin , Marcellin - « » Gott Israels ! « stöhnte Jossef Grün angstvoll . » Und Marcellin « , fuhr Sender fort . Halt , dachte er , dreizehn Wähler sind ' s ja nur . - » Dann aber Valerian und Valerian bis zu Ende . « » Und wer ist gewählt ? « » Valerian ! Aber es wird erst morgen verkündet ! « » Valerian « , jauchzte der Vorsteher und umarmte Sender . » Valerian « , fielen die anderen ein . Und es klang auf die Straße hinaus und einige Minuten später bis in die entlegenste Ecke des Ghetto : » Gott sei gelobt , Valerian ! « Auch der Ärmste , der nie hoffen durfte , ein Fußbreit Erde sein Eigen zu nennen , jubelte auf , als wäre ihm ein Haus geschenkt ; ein schwerer Druck war von den Gemütern genommen , unter jenen Männern , von denen das Schicksal dieser Mühseligen und Belasteten abhing , war ein menschlich Gesinnter mehr . » Wein her ! « rief Jossef . » Setzt euch alle . Du , Sender , neben mich . Du weißt , ich hab ' immer was von dir gehalten . Und nun erzähle : wie hast du alles so genau erfahren ? « » Mein Geheimnis « ,