über seinem Kopf , Felle lagen unter ihm und auf ihm , während Mongo an seiner Seite ebenso weich gebettet noch fest schlief . Der Alte atmete ruhig , seine Farbe war nicht mehr so grau , sein ganzes Aussehen besser . Robert schob die Felle zurück und erhob sich , um mehr zu erfahren . Als er durch eine Spalte der Zeltbahnen hinaustrat ins Freie , drohten zwar seine Füße noch den Dienst zu versagen , aber er überwand diese Schwäche und blickte um sich . Ein vollständiges Zeltlager der Wanderlappen lag vor ihm . Überall waren auf starke Pfähle die Rentierfelle gespannt , überall wimmelte es von den braunen Gestalten , die hin- und herliefen , um auf heißen Steinen ihre Mehlkuchen zu backen , die Rentiere zu beaufsichtigen oder zu melken und sie dann hinunterzutreiben in das Tal , wo Rentierflechte und Moos wuchsen , das sich die klugen Geschöpfe selbst suchten . Nur ein mächtiges , großes Tier , ein Sechzehnender mit mehreren Glöckchen um den schlanken Hals , stand festgebunden neben einem Zelt , das etwas größer war als die übrigen . Dieses Ren schien gegen alle sonstige Gewohnheit als Reittier zu dienen , denn auf seinem breiten Rücken lag ein Sattel aus Leder und Wollzeug . An den Zeltstangen hingen Zügel , Peitsche und verschiedene Geräte , während alles nach großer Armut aussah . Die Kleidung schien bei Männern und Frauen gleich zu sein ; sie bestand überall aus einem langen Pelzrock , der enge Beinkleider , ebenfalls aus Pelz , erkennen ließ . Dazu kam eine spitze , mit Federn geschmückte Mütze und sogenannte » Komager « , selbstgefertigte plumpe Stiefel aus Rentierleder . Eine kurze Pfeife sah Robert bei fast allen Männern und Frauen . Er hatte Zeit genug , sich umzusehen , da sich niemand besonders um ihn kümmerte , sondern jeder ganz mit dem Frühstück beschäftigt schien . Eine alte Frau , abschreckend häßlich und braun wie eine Indianerin , hockte neben einem flachen Fels , auf dem ein helles Feuer loderte . Sie rührte in dem darüberhängenden eisernen Kessel und sang mit tiefem Kehlton ein Lied , dessen schwermütige Weise zu der ganzen verödeten Umgebung besonders gut paßte . Als letztes Wort eines jeden Verses hörte Robert immer einen und denselben Namen : » Jubinal « - » Das wird die Zauberin des Stammes sein « , dachte er . » Die heilt Kranke und bespricht das Vieh und liest in den Sternen . Vielleicht gehört ihr sogar dieses schöne Rentier mit seinen klugen Augen . « Er streichelte den braunen Rücken , während ihn die Alte heimlich beobachtend ansah . Dann stand sie auf und brachte ihm einen hölzernen Napf voll dampfender Milchsuppe und einen Löffel . Ihre Gebärden luden ihn ein , sich zu setzen und zu essen . Robert übersah den schwärzlichen Rand der Schüssel und den plumpen Löffel von äußerst zweifelhafter Sauberkeit ; er atmete mit wahrem Entzücken den Duft der frischen Milch . Aber das wollte er nicht allein haben , sondern Mongo sollte es mit ihm teilen . Er nickte lebhaften Dank und wollte ins Zelt zurückkehren , als ihn die Alte am Arm festhielt . Ihre Handbewegungen zeigten ihm , daß für seinen Begleiter noch reichlich Suppe da sei , er möge nur ruhig essen . Und so setzte er sich denn auf ein Felsstück , um das sonderbare Mahl zu beginnen . Einige Lappen brachten ihm heiße Mehlkuchen , die er vielleicht zu Hause in Pinneberg kaum für Pikas gut genug gefunden hätte , die ihm aber , erfroren und halb verhungert wie er war , ganz köstlich schmeckten . Das Mütterchen am Herd füllte mit stillem Lächeln zum zweitenmal den großen Napf und freute sich sichtlich , als auch diese Portion hinter Roberts Lippen verschwand . Was sie sagte , klang so entschieden wie ein » Nun wirst du ' s aushalten , mein Söhnchen « , daß er den Sinn deutlich heraushörte und mitlachte . Seine Kräfte waren jetzt so ziemlich zurückgekehrt , und sein Mut hatte seine alte Spannkraft vollständig wiedergefunden . Er ging von einer Gruppe zur anderen , versuchte überall vergeblich , in deutscher oder englischer Sprache eine Unterhaltung anzuknüpfen , und ließ sich endlich eine jener kurzen , verräucherten Pfeifen anbieten , die von allen geraucht wurden . Nachdem er schließlich alle einzeln begrüßt hatte , ging er in sein Zelt zurück und sah nach dem Neger . Mongo lag mit offenen Augen da und schien zu glauben , daß er träume . Ein Dach über ihm , warme Felle um ihn herum - er begriff nicht , was das alles bedeuten könne . » Bob ! « murmelte er . » Bob , wo sind wir ? « Robert lachte . » Noch auf derselben Stelle von gestern , Alter « , rief er fröhlich . » Die Geister des Gebirges haben uns alles Nötige hergebracht und stehen auch weiterhin zu unserer Verfügung . Soll ich sie dir zeigen ? « Mongo richtete sich mühsam auf . » Du sitzst schon wieder auf dem hohen Pferd , Spitzbube , « sagte er gutmütig lächelnd . » Leih mir für ein paar Züge die Pfeife , hörst du ! « Robert gab sie ihm sofort , und der Schwarze rauchte tüchtig drauflos . » Ach « , sagte er , » das wärmt , - das tut gut ! « Und als er eine Zeitlang sinnend dagelegen hatte , während der heiße Rauch sein Gesicht umspielte , heftete er plötzlich auf Robert einen fragenden Blick . » Du « , sagte er , » Bob , was war das gestern , was hast du mir zu trinken gegeben ? Es hat mir im letzten Augenblick geholfen ! - War es Branntwein aus den Flaschen der Lappen ? « Robert errötete . » Ich glaube wohl , Mongo ! « versicherte er . Da sah der Neger die große , klaffende Wunde . » Bob «