zu gewinnen oder doch sein Letztes auf eine blutige Karte zu setzen . Ja , vielleicht steht das Spiel besser als je . Liegt jener Mann zu Boden , wer oder was könnte ihn , könnte die Andern dann noch halten ? Ein Geheul ausstoßend , wie es so gräßlich aus eines wilden Thieres Brust nimmer schallen kann , stürzt er mit hochgeschwungener Spitzaxt auf den wenige Schritte nur Entfernten zu . Das junge Mädchen wirft sich vor den Vater , den Todesstreich aufzufangen . Aber ein Anderer , der besser im Stande ist , den Herrlichen zu schützen , ist schneller noch . Mit Einem Satze ist er zwischen Jenem und dem Caspar und fällt dem Rasenden in den Arm . Zwar streift die herabschmetternde Axt seinen eigenen Kopf ; was ist das im Vergleiche zu den Schmerzen , die ihm im Kopfe schon seit Stunden wüthen ? » Hund , verfluchter ! « brüllte der Katzen-Caspar , » hast Du uns verrathen ! « und abermals holte er mit der Axt aus . Er bringt sie kaum noch in die Höhe , da liegt er bereits am Boden und auf seiner Brust kniet Einer , dessen Kraft der Wahnsinn des Fiebers zum Ungeheuren angespannt hat , dem in diesem Augenblicke kein einzelner Mensch zu widerstehen vermöchte . Aber es ist auch nur ein Augenblick . Was er noch sieht , ist das gräßlich verzerrte Gesicht des Katzen-Caspar . Dann versuchen andere Hände seine Hände von dem Halberwürgten wegzureißen und dann versinkt Alles um ihn her in tiefe , schwere Nacht . Vierundzwanzigstes Capitel . In tiefe , schwere Nacht , die eine lange , lange Fortsetzung des entsetzlichen Traumes ist , bis endlich dann und wann dämmernd Licht in diese Nacht fällt , dämmernd-sanftes Licht , vor welchem die Grauengestalten verbleichen und freundlicheren Platz machen . Die schweben wieder in tiefe Nacht , aber es ist nicht mehr die alte , fürchterliche ; es ist ein süßes Versinken in ein seliges Nichts , und jedesmal , wenn ich wieder daraus hervortauche , sind die milden Gestalten deutlicher , so daß es mir manchmal schon gelingt , sie von einander zu sondern , während sie anfänglich immer unmerklich in einander übergingen . Jetzt weiß ich bereits , daß , wenn der lange , schwarzgraue Schnurrbart vor meinem Gesichte auf und ab nickt , eine treue , gutmüthige Dogge da ist , die immer aus tiefer , breiter Brust knurrt , nur daß ich die Dogge nie zu sehen bekomme und manchmal meine , es sei der lange schwarzgraue Schnurrbart selbst , der so murre . Wenn der Schnurrbart braun ist , höre ich eine sanfte Stimme , deren Klang mir unendlich wohlthut , daß ich immer lächeln muß , glücklich lächeln , während , wenn ich die Dogge höre , ich laut lachen möchte , nur daß ich nicht lachen kann , weil ich keinen Körper habe , sondern eine Seifenblase bin , die aus der Bodenluke in meinem Vaterhause herausschwebt in die sonnige Luft , bis sich zwei Brillengläser in ihr spiegeln , die keinen Schnurrbart haben . Die Brillengläser machen mir viel zu schaffen , denn , wenn sie auch niemals einen Schnurrbart haben , so sind sie doch manchmal blau , und dann sind sie eine Frau ; wenn sie aber weiß sind , sind sie ein Mann und haben eine quäkende Stimme ; aber die blauen Gläser haben die sanfteste Stimme , noch sanfter als der dunkle Schnurrbart . Ich kann es nicht herausbekommen , wie das zugeht , und räthsle viel darüber , bis ich wieder einschlafe . Und als ich erwache , beugt sich Jemand über mich , der einen braunen Schnurrbart und braune Augen hat und gerade so aussieht wie Jemand , den ich kenne , obgleich ich mich nicht besinnen kann , wo und wann ich ihn gesehen habe . Aber es wird mir so wohl und wehe bei dem Anblicke des bekannten Unbekannten , weil mir ist , als ob ich ihm Unendliches zu danken hätte , obgleich ich gar nicht weiß was . Und dies Dankgefühl ist so lebhaft , daß ich seine Hand , die er auf meine Hände gelegt hat , langsam , leise - denn ich habe wenig oder keine Kraft - an die Lippen ziehe und die Augen schließe , aus denen selige Thränen über meine Backen rollen . Ich will auch etwas sagen , aber ich kann es nicht , und will mich darauf besinnen , und als ich die Augen wieder öffne , ist die Gestalt nicht mehr da , sondern das Zimmer ist leer und von einer lichten Dämmerung gefüllt , und ich schaue mich verwundert in dem Zimmer um . Es ist ein mäßig großes , zweifenstriges Zimmer ; an den Fenstern sind die weißen Gardinen herabgelassen und auf den Gardinen schwanken die Schatten von Weinranken auf und nieder . Ich sehe lange dem reizenden Spiele zu ; es ist ein Bild meiner Gedanken , die ebenso hin- und herwiegen und einen Punkt festzuhalten suchen , es aber nicht vermögen und immer wieder herüber- und hinüberziehen . Dann blicke ich abermals in das Zimmer und jetzt finden meine Augen einen Ruhepunkt . Es ist ein Bild , das an der einfarbigen , lichtgrauen Wand mir gerade gegenüber hängt : ein schönes junges Weib mit einem Knaben auf dem Arm . Sanft und mild blicken die Augen der jungen Mutter , still und fast schwermüthig , als sänne sie einem großen Geheimnisse nach , während die Augen des Knaben unter der vorgewölbten Stirn über seine Jahre ernst , fast trotzig und groß , als könnten und wollten sie die ganze Welt umspannen , geradeaus in die Ferne , in die Unendlichkeit blicken . Ich kann die Augen kaum von dem Bilde wenden . Meine Bewunderung ist sehr rein und unbefangen ; ich habe keine Ahnung von dem Original und weiß nicht , daß dies eine ausgezeichnete Kreidezeichnung nach dem berühmtesten Bilde des