Für wen ? « » Muß ich auch noch mit dem Holzschlegel winken ? Für Angelika - « » Dann winke und deute nur zu , denn ich verstehe dich noch immer nicht . « » Dann bist du doch auch nicht gar so klug und hast alles gar so klar aus dem Kaffeesatz , wie man meint . Ich bin der Hans , aber als Dorothee mit dem Andreas ins Gerede kommen ist , da ist mir doch gleich etwas eingefallen , und dir kommt es jetzt noch nicht einmal in den Sinn . Ich hab ' mir eingebildet , wie weh dieses Gerede der Angelika tun müsse . Diese Vorstellung hat mir keine Ruh ' und an nichts mehr eine rechte Freude gelassen . « » An Angelika « , fragte die Wirtin erstaunt , » an die hättest du zuerst gedacht ? « » Allerdings , und hab ' ihr gewiß alles treulich nachempfunden , was die Arme litt . Ich kann das schon auch . Zwar bei so Mädchen , die jeder Wind herumdreht , kann kein Mensch erraten , aus welchem Dorfe sie eben wieder läuten zu hören meinen , und ich mag mich auch nicht besonders viel darum kümmern . Ein Weib aber hält vor allem , selbst vor ihrem Glück , an der Ehre des Hauses und hängt mit Leib und Seele fest an denen , mit welchen sie leben und Schand ' oder Ehre teilen muß . « » Du kennst die Weiber ziemlich gut « , spottete die Wirtin , obwohl oder gerade weil sie dem Burschen innerlich recht lassen mußte . Hans aber sagte ganz ruhig : » Ich hätte schon lange geheiratet , wenn man gleich ein Weib nehmen könnte . So ein unerfahrenes Ding jedoch ist nur zum Kurzweilen , zum Singen und Springen recht . « Der Wirtin kam diese Ansicht so vernünftig vor , daß sie dieselbe Hansen schwerlich einmal zugetraut hätte . Noch etwas ungläubig fragte sie : » Ist dir das schon immer so vorgekommen ? « » Nein , der Verstand kommt einem erst mit den Jahren . Damals , als Angelika noch ledig und ein junges Mädchen gewesen ist , ja , da hätt ' ich sie nicht anders wünschen können - in keinem Stücke . Später ist ' s mir so worden , und an den Mädchen gefiel mir das am besten , was dann zum Segen des Hauses mit in den Ehstand genommen werden kann . Es ist nicht die oder die gute Eigenschaft , und ich wüßte nicht , wie ich alles zusammen , was ich meine , ganz kurzweg nennen sollte . Auch Empfindlichkeit für die Ehre der Familie gehört dazu , drum hab ' ich mir gleich vorgestellt , wie weh der Angelika so ein Gerede tun müsse . Wohl hat man schon früher hören können , daß er , wie ein Lediger , mit allen Kellnerinnen bis Bregenz hinaus bekannt sei ; aber das war so allgemein und übertrieben , daß es viel weniger in die Augen stach , als was man jetzt von Dorotheen hört . Du nun kannst da viel ausrichten mit einem ernsten Wort , und ich halte das auch für deine Pflicht . « » Du hast recht « , sagte die Wirtin , und mehr konnte gewiß einer nicht verlangen , welcher kam , sie an ihre Pflicht zu erinnern . Hans ging auch recht zufrieden heim , obwohl er nicht wußte , wie leicht es ihm diesmal hätte fehlen können bei der Kronenwirtin , die sich noch von ganz anderen sehr ungern einreden und gar von der Ehre ihres Hauses vorpredigen ließ . Nun wurde Dorothee sogleich ins Herrenstüble gerufen , die Türe wieder geschlossen und ihr dann das ganze Gespräch mit Hansen mit nur wenigen Auslassungen mitgeteilt . Es war das anfangs nicht der Plan der Wirtin , doch als Dorothee sogar jetzt noch recht haben wollte , schien es ihr das klügste , Hansen selbst , den doch nicht jedes leere Geschwätz in der Welt herumtrieb , gegen sie auftreten zu lassen . Als nun das kam , was Andreas gesagt haben sollte , wechselte das Mädchen die Farbe . » Nun helfe mir Gott ! « rief es mit tonloser Stimme , » denn ich weiß mir nicht mehr zu helfen . Drückt denn die Armut so tief nieder , daß man in allem , was unsereins tut , nur etwas Schlechtes sehen kann ? « » Nun danke Gott für die Einsicht und glaube nicht , daß es dein Beruf sei , überall einzugreifen ! Dazu muß man fester stehen als du . Denk ' an den faulen Apfel , der den frischen ansteckt , statt neben ihm frisch zu werden ! « Schweigend verließ Dorothee das Herrenstüble und ging still wieder an ihre Arbeit . Es war Sonnabend und gab daher noch viel zu tun für den morgigen Tag , für den man , wie jeden Sonntag , auf sehr viele Gäste rechnen konnte . Das Mädchen aber beeilte sich , um fertig zu werden , bevor der Andreas kam . Vielleicht ging ihm auch alles um so schneller aus der Hand , weil es darauf hielt , seinen Unmut zu verwerchen und keinen Augenblick zu sich selber zu kommen . Wohl noch selten oder nie war die fleißige Magd so früh in ihr Dachkämmerlein gekommen als heute . Zum Schlafen war sie freilich nicht aufgelegt , aber sie hatte schon genug daran , doch nun allein und unbeobachtet sein zu können . Aufatmend öffnete sie das Fenster und schaute hinaus über die eingeschneiten Häuser , aus denen man da und dort noch ein Lichtlein schimmern und wie ein immer breiter werdender bläulich-gelber Streif über den Schnee vor dem Fenster hinausleuchten sah ; und hinauf zu den rötlich schimmernden Bergspitzen , deren eigentümliches Glühen wohl eine Sturmwoche verkünden mochte . Leise schlich die Ach hart neben dem Hause dahin , und Dorothee wollte sich zwingen