. Eines Nachmittags begegnete sie mir im Garten . Es war ein sonniger heißer Tag ; sie hatte ein weißes Kleid an und ein Strohhut mit breitem Rande hing an ihrem schönen runden Arm . Der Baron war ausgeritten , seit langer Zeit zum ersten Male , die Tante war noch nicht aufgestanden . Ich hatte mir schon lange vorgenommen , wenn es die Gelegenheit erlaubte , ein Wort mit dem Mädchen zu sprechen und ihr die Augen zu öffnen . So faßte ich mir denn ein Herz , als sie mit einem : Guten Tag , Mutter Clausen , wie geht ' s ? an mir vorüber wollte , und sagte : Schön Dank , Fräulein Marie ; haben Sie einen Augenblick Zeit ? ich möchte gern ein paar Worte mit Ihnen sprechen ! - Recht gern ; sagte sie , und als sie in mein Gesicht sah , das wohl recht ernst und traurig sein mochte , rief sie : Um Gotteswillen , es ist doch kein Unglück passiert ? - Nein , Fräulein Marie , sagte ich , aber es könnte leicht eins passiren , wenn Sie sich nicht besser vorsehen ; und das sollte mir herzlich leid thun , denn Sie sind so jung und sehen so gut und rein und unschuldig aus . - Was meinen Sie ? sagte das arme Kind und wurde dunkelroth . - Kommen Sie hierher , Fräulein Marie , sagte ich und zog sie in einen Buchengang , wo wir vom Schlosse aus nicht gesehen werden konnten , ich will Ihnen Alles sagen , was ich auf dem Herzen habe . Ich bin eine alte Frau und Sie sind ein junges Ding , das viel weiß , wie ' s in der Welt aussieht , und wie es hier in Grenwitz zugeht . Und nun schilderte ich ihr das Leben auf dem Schlosse , wie es bis zu ihrer Ankunft gewesen war , und welch ' ein wilder , wüster Mensch Harald sei , und daß er falsch und grausam sei , wie ein Tiger . Sie hörte mir mit glühenden Wangen und die langen dunkeln Wimpern nicht von den schönen blauen Augen aufschlagend , ohne mich nur einmal zu unterbrechen , ruhig zu , dann sagte sie leise : ich danke Ihnen , liebe Frau Clausen - aber was Sie mir da sagen , das weiß ich Alles schon . - Ich war wie vom Donner gerührt . Sie wissen das , rief ich , und haben gnädigen Tante hierher folgen können ? Sie wissen das und sind noch hier ? Sie wissen das , und fürchten sich nicht , mit dem Baron stundenland , halbe Tage lang allein zu sein ? O , Kind , Kind , was soll ich von Ihnen denken ! - Denken Sie nichts Schlechtes von mir , gute Frau , sagte sie , mir die Hand auf die Schulter legend . Und denken Sie auch nicht so schlecht vom Baron . Er wird nie wieder so wild und bös sein , wie er vormals gewesen ist . - Woher wissen Sie das , Fräulein ? sagte ich . - Weil er es mir versprochen hat . - Und glauben Sie , daß er dies Versprechen hält ? - O , gewiß . - Warum ? - Weil er mich liebt . - O , Kind , Kind , rief ich , um Gotteswillen , es ist die höchste Zeit : fliehen Sie , oder Sie sind rettungslos verloren . Unglückliche , die Sie seinen Schwüren glauben ! Er schießt das Pferd todt , das ihm nicht länger gefällt und er bricht den Schwur , der ihm lästig wird . Was er Ihnen geschworen hat , ist ein altes Lied ; er pfeift es , wie ein Staar sein Stückchen pfeift , ohne etwas dabei zu denken . Was er Ihnen schwur , hat er schon hundert Andern geschworen , von denen freilich die Meisten nicht viel besser waren , als er selbst , und sich einen Treubruch schon gefallen ließen , wenn er nur gut bezahlt wurde . - Hören Sie auf , rief Fräulein Marie heftig ; ich kann und darf Sie nicht länger anhören . Und dann setzte sie lächelnd hinzu : Sie werden bald einsehen , gute Frau , wie bitter Unrecht Sie meinem Harald - wie sehr Sie dem Baron Unrecht gethan haben . - Ihrem Harald ? sagte ich , armes Kind , er wird nie Ihr Harald . Der nimmt , was ihm der Zufall in den Weg führt , und weil Sie nun einmal zufällig hier sind - Und wenn ich nicht zufällig hier wäre ? sagte sie , schelmisch lachend ; wenn ich nun nicht der alten Baronin , sondern die alte Baronin meinethalben hier wäre ? und wenn ich nun gar nicht wieder fort ginge und gar hier bliebe . - In diesem Augenblick kam Harald plötzlich in den Baumgang , in welchem wir redend auf- und ab gingen . Er stutzte , als er mich mit dem Mädchen allein sah . - Fräulein Marie , sagte er , ich glaube , die Tante wünscht Sie zu sprechen . Und als das Mädchen fort war , trat er an mich heran und sagte leise durch die weißen Zähne : Was hast Du ihr gesagt , Alte ? - Daß Du sie an der Nase führst , Harald , antwortete ich . - Ich werde Dir dafür den Hals umdrehen , sagte er und die Zornesader auf seiner Stirn schwoll . - Immer noch besser , als wenn Du dem armen Dinge das Herz brichst , sagte ich . - Höre , Alte , sagte er , und wenn ich es nun diesmal wirklich ehrlich meinte ; wenn ich das wüste Leben , bei dem man ja doch früher oder später zum Teufel gehen muß , herzlich satt hätte ; wenn ich nun das Mädchen heirathete , wie dann ? - Ist sie von Adel