müssen sehen , wie ' s dem Grafen von Stamberg geht ! das ist uns viel wichtiger als der Kristallpalast und alle sonstigen Herrlichkeiten Großbritanniens . Sind wir Dir auch willkommen ? « Uriel sah so strahlend glücklich aus , daß er keine Antwort zu geben brauchte - und es auch wirklich nicht tat . » Du hast wohl die Sprache verloren in Deiner Einsamkeit - armer verzauberter Prinz Uriel ! « sagte Corona schalkhaft . » Die kleine Fee Corona wird mir die Sprache schon wiedergeben , « antwortete Uriel , dem es am leichtesten wurde , scherzend zu sprechen , weil das Überwallen des Herzens dadurch in Schranken gehalten wurde . » Grüß Dich Gott , lieber Uriel , « sagte Regina mit der ihr eigentümlichen Innigkeit in Blick und Ton , indem sie ihm die Hand bot . Wie war sie so schön ! wie stand ihr die Halbtrauer so gut und der einfache Reiseanzug von hellgrauer Seide ! und der kleine weiße Taffthut mit dem Halbschleier von schwarzer Spitze ! - Corona und die Baronin Isabelle waren genau ebenso gekleidet . Davon bemerkte Uriel so wenig , daß er es gar nicht geglaubt haben würde ! Er war verloren in Regina ' s Anblick . Ihm war zu Sinn , als nehme sie Besitz von Stamberg , als könne er sie nimmermehr wieder ziehen lassen , als habe sie sich jetzt in die Gefangenschaft seiner Liebe begeben , als sei nun alle Ungewißheit vorüber und selige Erfüllung nahe , als müsse er in diesen Tagen die Siegesfahne auf den höchsten Zinnen seiner Wünsche aufpflanzen . Wie bei Gewitter Feuerflämmchen aus den Kelchen gewisser elektrischer Blumen aufsteigen , brach in Uriels Herzen die tiefe Glut der Leidenschaft zu lichter Flamme aus . Der Graf , dem Glut der Leidenschaft lebenslang ein unentdecktes Land geblieben war , ahnte nicht , welchen Sturm er über Uriel herauf beschwor und hoffte nur Regina etwas mit der Vorstellung vertraut zu machen , bald als Herrin und Hausfrau auf Stamberg einzuziehen . Sie benahm sich ja so vernünftig und so weltvertraut , als sei sie ganz bereit , auf ihre kindlich schwärmerischen Grillen zu verzichten . Man mußte ihr nur den Übergang zu den Realitäten des Lebens erleichtern , und das konnte möglicherweise durch diesen Besuch geschehen . Regina fühlte die Absicht ihres Vaters und den Eindruck auf Uriel und beschloß , sich eben hier und eben jetzt mit solcher Entschiedenheit auszusprechen , daß beide über ihre unveränderte Gesinnung klar würden . Uriel ' s Wunsch kam ihr entgegen ; die spannende Ungewißheit wurde ihm unaushaltbar . - Hyazinth ging jeden Morgen in grauer Dämmerung des Oktobers eine starke Stunde , um dem heiligen Meßopfer beizuwohnen , und Regina bat ihn , sie mitzunehmen . » Wenn Du fort bist und wir noch länger hier bleiben , bin ich wieder auf den Sonntag beschränkt - wie ich es auf der ganzen langen Reise war , « setzte sie hinzu . » Fürchtest Du nicht die kühle Frühe ? « fragte er . » O Hyazinth ! « rief sie , » unser Gott und Heiland senkt sich vom Himmel auf den Altar - und mir sollte der Weg zu weit sein von Stamberg zum Altar ? « » Ich fragte auch nur ! ich glaubte es nicht , « entgegnete Hyazinth einfach . Am anderen Morgen , als das ganze Schloß noch in Morgenträumen lag , gingen sie still von dannen . » So ! « sagte Regina froh , » jetzt wollen wir denken , wir zögen mit den heiligen drei Königen nach Bethlehem zum Jesukindchen ! Gold und Weihrauch haben wir Armen nicht darzubringen ; aber desto mehr Myrrhen , die schönen heiligen Myrrhen der Abtötung . « » Oder wir gehen mit den Jüngern und den heiligen Frauen zum Grabe des Herrn , trauernd um die Sünde , die ihn dort in seinem Blut gebettet hat , « sagte Hyacinth . » Und mit den zwei Jüngern können wir gen Emaus wandern , « nahm Regina das Wort ; » o möchten wir dem Herrn begegnen und möchten wir mit liebentbranntem Herzen zu ihm sagen : Bleibe bei uns , denn es will Abend werden ! - - der Abend , Hyazinth , der eine gottentfremdete Finsternis ist , die jeden bedroht , der nicht mit Gott und seiner Gnade wandelt . « » Und all ' dieser süßen und göttlichen Mysterien , von der Menschwerdung , vom bittern Leiden und Sterben , von der Auferstehung , vom geheimnisvollen und wesenhaften Verbleiben bei den Seinen - feiern wir in heiliger Messe ! « rief Hyazinth , » und ich Glückseliger werde nun bald , trotz all ' meiner Unwürdigkeit , die himmlische Vollmacht erhalten , diese überirdische Feier zu begehen und mich ausschließlich dem Dienste des göttlichen Heilandes zu widmen . O Regina , welch ' ein Beruf für den staubgeborenen Menschen ! kein Engel hat einen höheren ! Dem Wort des Geschöpfes gehorcht der Schöpfer und zum mystischen Kalvarienberg des Altars kommt das Lamm Gottes . Ecce ! venit ! ruft staunend der Prophet Malachias . Siehe , Er kommt . « » Wie freue ich mich zu Deiner Primiz im nächsten Frühling , Hyazinth ! zuerst für Dich und dann für mich ; denn da muß mir Deine Bitte die Zelle des Karmels öffnen . « » Und wenn Du dann heimisch bist auf dem stillen Karmel , als die Taube in Felsenklüften des Hohen Liedes , dann zähle wiederum ich auf Dein Gebet , Regina ; denn alsdann bist Du geborgen vor dem Nebelanhauch der Welt und ich muß in ihr leben , ohne mich von ihr berühren zu lassen . « - In solchen Gedanken waren ihre Seelen zu Hause und in traulichem Gespräch oder in sinnender Stille wanderten sie unbedrückt durch die Schwere eines erdwärts gesenkten Sinnes , wie selige Geister zu ihrem Ziel . Regina empfing die heiligen Sakramente und so wurde es