das Loch . « Er leuchtete an der Wand hin , wo man frischgemauerte Steine sah ; ungefähr eine Elle vom Erdboden entfernt war zwischen den Steinen ein Raum von etwa einer halben Elle ein Quadrat gelassen . Konrad brachte die Lampe dahin und rief : » Amadeus ! « » Licht - wer kommt ? « rief von innen eine heisere Stimme ; » ist denn schon wieder ein Tag vorbei ? « » Nein , « antwortete Konrad ; » sieh her - ich bin Konrad , den Mitleid zu Dir treibt - hier ist einmal Wein statt Wasser ! « Er schob eine thönerne Flasche durch die Oeffnung und sagte : » Da nimm und trink ' ! « » Dank ! « rief es von innen und man hörte gierig schlucken . Dann rief Amadeus : » Gott , was hast Du gethan ! wozu hab ' ich mich verführen lassen ! - Verhungern will ich , damit dies gräßliche Leben ende ! und nun wird es noch länger währen - das vergaß ich über das thierische Bedürfniß . Aber habe Dank , daß Du kamst - mit Dir kann ich reden - sind die Baubrüder noch im Kloster ? « » Ja , « antwortete Konrad , » und Ulrich von Straßburg ist in Verzweiflung über Dein Loos , weil er meint Deine That an das Licht gebracht zu haben . « » In Verzweiflung ? « fragte Amadeus . » Sage ihm , daß ich ihm vergeben - aber daß ich nicht wahnsinnig bin . Nicht wahr , Du bist auch ein Baubruder gewesen ? « » Ja darum bin ich sein Bruder , « antwortete Konrad . » Nun , dann sage ihm allein - aber Niemanden Andern , daß ich den Frevel mit Wohlbedacht beging ; ich wünschte Ulrich einmal zu sehen und zu sprechen - und damit er in ' s Kloster selbst beschieden würde , schien es mir zweckmäßig , eine Arbeit für den geschicktesten Baubruder nöthig zu machen - darum zertrümmerte ich das zierlichste Werk in der Kirche ! aber das sage ich nur Dir für ihn - die Andern mögen immerhin glauben , daß , was ich klug berechnet , eine That des Wahnsinnes und blinder Wuth gewesen ! Bring ' ihm meinen Gruß und meinen Segen . « » Geb ' t ihn ihm selbst - hier ist er ! « antwortete Konrad , und indem er sich von der Oeffnung zurückzog , neigte sich Ulrich an diese Stelle . » Amadeus ! « sagte er in tiefster Seele bewegt , » ich habe Euere Worte vernommen - die eigene Unruhe und Angst trieben mich hierher - ich wäre längst gekommen , wenn es möglich gewesen wäre ! « Er neigte sein Haupt durch die Oeffnung , der Schein der Lampe fiel voll auf sein edles Antlitz . Amadeus preßte dieses Haupt zwischen seine beiden Hände und starrte auf Ulrich . » Habe Dank , daß Du kommst - ich wollte Dich nur einmal sehen und meine Hand segnend auf Deinen Scheitel legen . Beim ersten Sehen , da Du meinen Rosenkranz zerrissest , floh ich vor Dir , weil Du Ulriken glichest - mir war , als habe ich ihr Gespenst gesehen . Seitdem konnt ' ich keine Ruhe finden - alle Schmerzen und Wünsche , die ich seit länger als einem Jahrzehent mit mir selbst in diesen Mauern begraben wähnte , wachten in mir auf ; damals war ich allerdings wie wahnsinnig - ich wüthete gegen mich selbst und das Kleid , das ich trug - dann geißelte ich mich selbst und ließ mich geißeln , bis ich ein hitziges Fieber bekam und still ward - und dann hieß es , ich habe Buße gethan und sei genesen und wieder begnadigt ! « » Ihr kanntet meine Mutter ? « unterbrach ihn Ulrich . » Ob ich sie kannte ? « rief Amadeus ; » so Zug für Zug lebt ihr Bild in meinem Herzen , daß ich an ihm Dich erkannte ! Wenn sie noch lebt , so sage ihr - « » O Gott ! « rief Ulrich , » ich weiß nichts von ihr , von dem Augenblick an , wo unser Heimathdorf im Elsaß verwüstet ward , indeß ich im Kloster eine Zuflucht gefunden - sag ' t mir , was Ihr von ihr wißt ! « » Es ist doch besser , ich nehme das Geheimniß mit in das Grab , « sagte Amadeus nach einigem Besinnen ; » oder vielmehr ich behalte es darin - ich bin schon im Grabe ! - Ulrich , wenn es sich Dir jemals entschleiert , so mache Dir dennoch keinen Vorwurf , daß Du mich in dies Grab gebracht ; es ist eine Sühne für meine Schuld und Rache für Deine Mutter ; Du warst berufen dies Amt zu vollstrecken - ich will meine Hand segnend auf Dein Haupt legen . Du hast es nun schon gehört , daß es nicht gemeine Bestialität meiner Natur war , die mich den Frevel an dem Heiligthum begehen hieß , für den Du so entsetzlich strafende Worte hattest , daß ich erst in diesem Augenblick , da Du sie sprachst , fühlte , ich habe wirklich eine Schandthat begangen . Es war ein Frevel und eine Verirrung - aber in dem Augenblick einer ungezügelten Sehnsucht überlegt man weiter nichts , als daß man das Mittel wählt , was sie am sichersten zu befriedigen verspricht . Ich erreichte meinen Zweck , ich durfte gen Nürnberg zum Propst Anton Kreß gehen und Dich von ihm zur Arbeit erbitten - es ahnte mir nicht , daß ich damit einen doppelten erreichen würde : daß Du das langersehnte Ende meines Lebens herbeiführen werdest ! « Ulrich antwortete : » Amadeus ! hier hört uns Niemand , Konrad ' s Verschwiegenheit bin ich sicher ; wahrscheinlich versteht er uns nicht einmal - er steht dort fern , um zu wachen ,