sich in Palmenzweige und Todtenkränze . Von da an traf ich ihn in seinem Höfchen beim Hobeln von Bretern und wie ich ihn einmal über den Zaun fragte , was es geben sollte , war ' s erst ein Bett ; am Tage darauf sah ich , daß es ein Sarg wurde . Nun mußte man ihn in seiner Grille gehen lassen . Das Alter läßt sich nicht viel mehr von seinen Vorsätzen ausreden , am wenigsten den Ausdruck seines Kummers . Unwillkürlich mußte Lucinde bei diesen Worten ihres Pavillons in Schloß Neuhof gedenken und der alten Stammers , bei denen sie gewohnt hatte . Auch Hedemann nickte Beifall ... Benno wandte sich , nach dessen Aeltern zu fragen ... den Aeltern eines Fünfundvierzigjährigen ... Um die aus ihr unbekannten Ursachen nach wenig ausweichenden Worten entstehende drückende Stimmung freier zu machen , erwähnte Lucinde das im Weißen Roß vernommene Gerücht von Schätzen , die wol gar der alte Mevissen könnte mit sich genommen haben . Dafür erntete sie aber eine strafende Erwiderung der gerade im Abräumen begriffenen Renate . Ei was , sagte diese , wer spricht denn solche Lästerungen nach ! Schätze mit ins Grab nehmen ! Wer nur das gottlose Gerücht aufgebracht hat ! Sein ganzer Schatz ist sein gutes Herz gewesen ! Mit dem ruht er in Gottes Schoos und Schutz ... und wenn man in den Wirthshäusern anders spricht , sollt ' es wenigstens hier bei einem geweihten Priester nicht wiederholt werden und über einen solchen Schimpf so still bleiben wie drüben - im Grabe ! Mit der peinlichen Stille , die auf diese entrüsteten Worte Renatens , die gleichfalls eine alte Dienerin des Hauses Asselyn gewesen war wie der Verstorbene , folgte und von Bonaventura eben unterbrochen werden sollte , um der so abgetrumpften Lucinde eine Genugthuung wenigstens des Anstandes zu geben , stand in fast gespenstischem Widerspruch ein Klopfen , das plötzlich vernommen wurde . Frau Renate , die am ehesten gegen die Voraussetzung einer unheimlichen Thatsache hätte gerüstet sein sollen , ließ vor Schreck fast einen ihrer Teller fallen . Hedemann und Benno waren schon aufgestanden . Sie gingen ans Fenster , wo sich das Pochen erneuert hatte . 4. Der am Fenster Pochende war aus dem Stern der Gensdarm gewesen . Der Wachtmeister ! hieß es schon beruhigter . Der ganze kleine Kreis kannte ihn . Was bringen Sie uns , Herr Grützmacher ? fragte Bonaventura , während man schon die Hausthür öffnete . Der eintretende Gensdarmenwachtmeister Grützmacher bildete in seiner wohlgenährten breitschulterigen Gestalt , seinem blondgrauen Knebelbart , glänzend gebräuntem Antlitz , seinem klirrenden Sarras und seinem Helm zu dem stillen Abendimbiß eines katholischen Priesters einen schroffen Gegensatz . Daß Herr Grützmacher sich auf einem Standpunkte wußte , der selbst bei gering nachhaltender Kraft seiner Katechismuserinnerungen , bei etwas gründlich vergessener Geometrie aus seiner , als er noch bei der Artillerie stand , weiland besuchten Compagnieschule , bei einem dunkeln Gefühl verklungener Sagen über die Lehre von den Brüchen benannter und unbenannter Zahlen , dennoch unendlich erhaben war über die Sphäre , in welche er Schlag neun Uhr Abends in irgendeiner wichtigen Function hier eintrat , lag auf der Hand . War doch allen denen , die z.B. auch zu Kocher am Fall auf dem Amthause wie einst die ghibellinischen Landsknechte in Italien unter den conspirirenden Welfen saßen , ein gewisser Zug des Antlitzes gemeinsam , den man den einer stereotyp gewordenen Ironie nennen darf . Dieser Zug , der dem Gefühl der Toleranz gegen ein absolut sich Ueberlebthabendes entsprach , milderte sich hier und dort schattirte sich , ja mischte sich z.B. bei dem Chef des Herrn Grützmacher , bei dem Gensdarmeriemajor Schulzendorf , der die Tafel des Dechanten zu St.-Zeno mit einer außerordentlich feinen Zunge zu würdigen verstand , sogar mit einer Ergebenheit , die bis zu einer offenbaren Unterwürfigkeit gegen Römisches ging ... Denn wiederum ist es eine ganz eigenthümlich bestätigte Thatsache , daß jener aufgeklärte blonde , urewig beamtische Menschenschlag zwischen Elbe und Oder auf fremdem Boden seine Kraft nicht immer mit besonderm Geschick zu behaupten versteht . Im Glück leicht übermüthig , in Schwierigkeiten vor Uebermaß entweder des Muthes oder der Einsicht nicht selten unentschlossen bis zum Zaghaften oder klug bis zum Ueberklugen , läßt sich diese angeborene , alles wissende und alles könnende Art oft von dem Fremdartigen imponiren , ja hat bei aller Hitze des Anlaufs und aller Sicherheit des steten Gutsagens für sich selbst oft schon in ältern und neuern Geschichten vollständig den Kopf verloren . Aber Grützmacher gehörte nicht zu diesem überläuferischen Geschlecht . Ihm war es nicht so ergangen wie hier manchem schon der aus dem Lande des absolut Blonden kam , in größerm oder kleinerm Umfange diese Länder , die mit Rom noch etwas enger verwachsen sind als durch die Gipsfiguren Napoleone Biancchi ' s , regieren sollte und die Festigkeit des Willens allmählich verlor , indem er seine rauhe Art an dem schönsten aller Ströme , an den sanftesten Thälern , fröhlichsten Menschen , an Burgen und Nebengeländen , und vor allem an dem » Chrisam « , zu dem alle Menschen geschworen haben , selbst die Türken und Heiden , der Blume des köstlichsten Weines , abmilderte . Aus vielen Gründen sollte ja gerade jetzt dem unverbesserlichen Geiste dieser Provinzen nicht geschmeichelt werden , sollte keine Widersetzlichkeit gegen die Anordnungen der Behörden ungerügt bleiben . Der Wachtmeister von Kocher am Fall , ohnehin ein geborener Jüterbogker , aus dem Lande , wo Tezel einst seinen Ablaßhandel so empfindlich abgebrochen bekam , hielt unter allen römischen Verführungen einen festen protestantischen Widerstand , obgleich er nur auskommen mußte mit monatlich 20 Thalern Löhnung , etwas Montirungsgeld und einem jährlich durch 80 Thaler » gutgethanen « , d.h. selbst zu stellenden Pferde . Sich umsehend und die für einen ehelos lebenden Geistlichen immerhin anmuthig gemischte Gesellschaft mit jüterbogker Anti-Ablaßironie würdigend , sagte er , es fiele ihm doch sehr auf , daß im Wirthshause die Leute beisammen säßen und von dem