irgend einen zusammengehockten Rechnungsrath an , als fühlten sie die Kraft einer Judith in sich und sähen sich vielleicht veranlaßt , nächstens ihrem stillen Nachbar den Kopf abzuschlagen . Arthur hatte übrigens während dieser Zeit zu Hause mit Mama bedeutende Kämpfe zu bestehen . Die Costümfrage war glücklicher Weise zu Gunsten des Theaters entschieden worden , und sogar mit Beihilfe einer alten geizigen Oberregierungsräthin , die von Adel war , wenn gleich etwas zweifelhaftem , dabei drei eingeladene erwachsene Töchter besaß , und die förmlich vor dem Gedanken zurückschauderte , denselben Costüme machen zu lassen . Was aber die Einladungen betraf , so konnte der Maler zu seiner großen Verzweiflung hierin nicht den Sinn der Mutter ändern . Er hatte natürlicher Weise die schönsten Frauen und Mädchen aufgeschrieben , sowie Männer von guten Gestalten und interessanten Köpfen ; die unbeugsame Mutter aber verfuhr streng nach dem Gesetz : sie fing oben bei ihrer Rangliste an , und da die gelben Töchter des Kanzleidirektors begreiflicher Weise vor der schönen , jungen Sekretärsfrau und vor den reizenden Töchtern des Postmeisters kamen , so wurden jene zur Aufführung eingeladen , diese aber zum Zusehen verdammt . Der verhängnißvolle Tag der ersten Probe kam so heran ; Arthur hatte den größten Saal des väterlichen Hauses dazu eingerichtet , indem er vorn auf verschiedenen Staffeleien die auserwählten Bilder aufstellte , im Hintergrunde aber eine kleine Estrade errichtet hatte , worauf probirt werden sollte . Der Kommerzienrath hatte sich von dieser Probe zu entschuldigen gewußt - er war auch in Wahrheit gänzlich überflüssig , und die alte Dame verstand , wie wir wissen , auch ohne ihn das häusliche Scepter zu schwingen . Sie saß steif in ihrer Sophaecke ; ihr hartes Gesicht war noch ernster als sonst , und wenn man die finster herabgezogenen Augenbrauen betrachtete , so bemerkte man , daß sich die Dame in keiner freundlichen Gemüthsstimmung befand . Außer dem alten Herrn war so ziemlich die ganze Familie versammelt ; Marianne saß wie damals neben ihrer Mutter in der anderen Ecke des Sopha ' s ; Alfons , der Schwiegersohn , ging mit den Händen auf dem Rücken im Zimmer auf und ab , und die beiden Söhne des Hauses , Arthur und Eduard , standen neben einander am Fenster . Ueber Alle aber schien sich ein verdrießlicher Geist niedergelassen zu haben . Die Kommerzienräthin hatte in den letzten Tagen mancherlei Aerger erlebt , ihre Schwiegertochter war mürrischer und unaufmerksamer gegen Mann und Kinder als je gewesen , und Alfons hatte ebenfalls mit seiner Frau einige heftige Scenen , die lebenden Bilder betreffend , gehabt . Er erklärte es nämlich für unpassend , daß sie selbst mitwirke , hatte auch unter Anderem gesagt , er finde diese Tableauxgeschichte durchaus nicht anständig und begreife nicht , wie Mama dergleichen arrangiren möge ; er für seine Person werde sich wohl hüten , in irgend einem Bilde mitzuwirken ; - wofür ihm Arthur übrigens sehr dankbar war ; - auch halte er es für unschicklich , hatte er ferner gemeint , mit jungen Männern oder auch mit jungen Damen in so vertrauliche Gruppen zusammen zu treten , wie es so häufig die Bilder erforderten . Die Kommerzienräthin hatte darauf ziemlich heftig zu Gunsten ihrer Soirée gesprochen , doch war immer von diesem ausgestreuten Samen ein Körnchen bei ihr aufgegangen , welches von einem dem Hause befreundeten Geistlichen genährt wurde , der unter Anderem mit niedergeschlagenen aber dabei verdrehten Augen nur ganz ergebenst darum gebeten hatte , keine Heiligenbilder oder Darstellungen aus der heiligen Schrift zu wählen . Arthur stand , wie gesagt , bei seinem älteren Bruder am Fenster , und wenn auch letzterer angelegentlich auf die Straße zu blicken schien , so warf er doch zuweilen verstohlener Weise einen Blick in die hinterste Ecke des Zimmers , wo seine Frau in einem Fauteuil lag , die Fingerspitzen beider Hände an einander hielt und sehr beruhigt an den winterlichen Himmel hinauf blickte . Eduard schien dagegen wie oft sehr aufgeregt . » Du kannst dir nicht denken , « sagte er leise zu seinem Bruder , » wie diese Frau es versteht , mich zu plagen und zu quälen . Ich will nichts davon sagen , daß sie mir täglich ein finsteres , mürrisches Gesicht macht , so daß ich es im ganzen Jahre ohne Anstrengung behalten kann , wenn sie mich einmal heiter anblickt , - aber ihre Gleichgiltigkeit gegen mein Haus , gegen ihre Geschäfte als Frau , ja gegen meine Kinder ist oft wahrhaft empörend ! « Arthur zuckte die Achseln . » Euch Beiden ist schwer zu helfen , « sagte er . » Das sehe ich leider Gottes ein . Aber soll ich denn diese Geschichten ewig ertragen ? - Ich mag nach Hause kommen , wenn ich will , so finde ich Ursache zum Klagen und zum Streit . « » Du nimmst auch Alles zu genau . « » Ich nähme Alles zu genau ! « erwiderte Eduard vorwurfsvoll ; » ich möchte dich sehen , wenn du an meiner Stelle wärest ! Du weißt zum Beispiel , wie sehr ich auf Ordnung in meinem Schreibzimmer sehe . « » Ja , ja ; darin hat ja deine Frau nichts zu thun und kann also nichts in Unordnung bringen . « » Sie geht selbst auch nicht hinein ; aber sie läßt meine Papiere , meine so zierlich aufgestellten Sachen den Kindern zum willkommenen Spielzeug . « » Das ist freilich arg . « » So komme ich denn gestern nach Hause ; sie ist in ihrem Salon , unsere Mägde halten Kaffeegesellschaft im Hinterzimmer , mein Herr Sohn und meine Fräulein Tochter beschäftigen sich gerade damit , aus ganz wichtigen medizinischen Gutachten , die ich da liegen habe , Düten zu schneiden , in welchen sie meinen feinen Tabak und Streusand unter einander mischen , um sich einen Laden zu arrangiren . Dazu haben sie meine Pfeifen von den Gestellen herabgenommen , ein paar sind schon zerbrochen