noch eine Predigt halten wollen , sagte er zur Wirtin , aber dem habe er es schön gemacht , die Türe in die Hand genommen und sei gegangen . Gewiß stehe er noch mitten in der Stube und glotze die Türe an wie eine Kuh das neue Tennstor . So sollte man es allen denen - Pfaffen machen . Wenn alle es so machen würden , das Predigen und Leuteplagen verginge ihnen , denen - . Dazu stieß Johannes die Augen aus dem Kopf , daß sie anzusehen waren wie zwei Mailänderäpfel , riß das Maul auf , daß man es füglich für das berühmte Urnerloch hätte ansehen können ; aus dem einfach geöffneten Tor flogen abwechselnd ganze Wolken Rauch und ganze Wolken Flüche , und mit den breiten Fäusten schlug er den Takt dazu . Kurz er gebärdete sich ganz als ein Mann , dem ein Berg sich von dem Herzen gewälzt hat oder der einer großen Gefahr entronnen ist und es sich nun behaglich macht . Jetzt hatte er nichts mehr zu pressieren , ließ es sich so wohl sein , daß er geholt werden mußte , um Nötiges zu beschicken . Vreneli verlebte die nächsten Tage voll Zorn und Wehmut , es gedachte der Worte der Seligen über ihre Kinder und begriff sie . Es betete zu Gott , daß was bei Menschen unmöglich sei , Gott möglich machen möge , der Seligen die Last von der Seele nehmen und sie nicht entgelten lassen möchte , was sie in Unwissenheit und aus gutem , wenn auch schwachem Herzen getan . Am bösten war es über die zwei Weiber . Es war ihm unmöglich , ihnen ein gutes Wort zu geben ; daß so gemein , herzlos , blechern ums Herz zwei Menschen sein könnten , das hatte es sich nicht vorgestellt . Fressen und Zanken war ihr Tagewerk . Am besten kam es mit Johannes aus . Der hatte doch noch ein Herz von Fleisch und Blut , und manchmal war es sogar , als fahre wie ein Blitz ein höheres Gefühl durch dasselbe , aber wenn man es fassen wollte , siehe so war es schon nicht mehr da . Indessen begehrte er doch bestmöglichst den Anstand und das Übliche zu berücksichtigen , hörte Vreneli an , wenn es etwas anbrachte , gab ihm zumeist recht und half zuweilen selbst etwas anordnen aus eigenem Antriebe . Johannes hatte eine von den brüllhaften Naturen , welche die ganze Welt voll himmeldonnern , daß man glauben sollte , in ihnen sei die Macht aller wahren und falschen Gottheiten , von Saturn bis auf Hegel , welche bekanntlich darin große Ähnlichkeit haben , daß sie ihre eigenen Kinder fressen , konzentriert . Betrachtet man diese Naturen in der Nähe , so sind sie zumeist ohne alle innere Kraft und Macht , ihr ganzes Vermögen geht eben in ihrer Brüllhaftigkeit auf . Man sieht zuweilen Menschen in Kaffeehäusern , bei Spiel und Champagner die bedeutendsten Rollen spielen , daß man meinen sollte , sie wohnten in Palästen , schliefen auf Schwanenfedern unter seidenen Decken , und es sind die ärmsten Schlucker von der Welt , wohnen zur Miete oder wohnen auch gar nicht , und wenn sie Kinder haben , so haben diese oft gar nichts , um die Nase zu wischen , als was sie auf die Welt gebracht . Hört man sie , so glaubt man , Gott habe einmal statt Frösche , wie er zuweilen tut , Helden regnen lassen hageldick , die halbe Welt voll ; prüft man sie , so sind es lauter Windbüchsen , bläst man nichts hinten rein , kömmt nichts vornen raus , sind ohnmächtige Wesen , untertan jeglichem Winde , der über sie hinfährt , haben aber große Fähigkeit , den Wind zu fassen , große Fähigkeit , ihn verflucht ring wieder von sich zu geben ; wäre aber kein Wind , so wären sie auch nichts . Es sind moderne Naturen , oder , etwas vulgär gesagt , die Schweinsblasen des Zeitgeistes oder jedes andern Geistes , der sein Maul an ihr Röhrchen wagt . Derlei Naturen stolpern zu Tausenden in der Welt herum , vom Himmel geregnete Frösche , brüllen die Welt voll , daß man in Versuchung gerät , sich zu ducken , als wäre eine Herde von zehntausend Büffeln im Anzug . Wer aber Courage hat , standhält , merkt gleich , daß es eben nur Frösche sind , und wer Geduld hat und warten mag bis übermorgen , merkt Keinen mehr von ihnen ; unerwartet sind sie gekommen , unerwartet verschwinden sie , woher , wohin weiß man nicht , aber wahrscheinlich , ihrer Natur nach , aus dem Schlamm und in den Schlamm . So war auch der Johannes ein Koloß an Gestalt und Gebrüll , und ein klein Kind konnte seine Grundsätze lenken , seine Redensarten bestimmen , konnte alles mit ihm machen , Speise und Trank vorbehalten , denn in dieser Beziehung alleine besaß er große Selbständigkeit . Zu allem Peinlichen kam noch der ausgebrochene Kinderkrieg , welcher , man möchte fast sagen , Tag und Nacht kein Ende nahm . Elisis Kinder waren da , Trinettes ebenfalls , die letzteren größer , die ersteren kleiner , mischten sich unter einander und mit Vrenelis Kindern , und so unartig , zanksüchtig , meisterlos als möglich erzogen , gab es ununterbrochenen Streit , begleitet mit einem Geheul , ungefähr wie die Indianer heulen , wenn sie die Hütte eines Blaßgesichts überfallen . Zuweilen stürzte in das Geheul mitten hinein scheltend und schreiend ein Weib , schlug drein links und rechts , trug zappelnd und blutend ein Kind von dannen , und hinter ihr her scholl mit verdoppelter Macht das Geheul . Wenn es noch eine Woche so ginge , so liefe es fort , sagte Vreneli , solcher Spektakel sei , so lange die Glungge stehe , nicht erlebt worden . So viel als möglich schloß es seine Kinder ein , denn mit diesen