Zeus , Donner und Blitz dir nach , die sind doch rascher als deine schönen Beine : meine Liebesgedanken ereilen dich dann , wie sie dich ja auch so eingeholt und überlaufen haben , daß du mein Weibchen geworden bist . « » Bin ich es denn ? « sagte sie , ihn küssend , » deine Geliebte bin ich , dein wildes Kind , wie du mich so oft nennst . Wie du mich neulich schlugst , mit meinen eigenen schweren Locken , als ich deine Heldentaten gegen den Türken nicht glauben wollte , du Prahler ! « » Prahler ! « fuhr er auf , und umschloß sie mit seinen kräftigen Armen , » und eben ermahnte sie mich noch , in meiner Liebe mäßiger zu sein , die nüchterne , ungläubige Heidin ! Ja , morden könnte ich dich , du Gottlose , liebste Liebe , in diesen höchsten Momenten der Liebe . « » Und warum nicht gern sterben ? « antwortete sie , » und mit Freudentränen im Auge ? - Ach , Paul , mein Giordano ! wenn wir uns nach dem Tode wiederfinden , wenn ich dir entgegenstürze , in jenem uns unbekannten Lande : wird dann die Wonne nicht vielleicht noch größer sein ? oder anders ? oder ist es , wie mir im Leben vorher war , daß wir es uns jetzt nicht denken können ? « » Tod und Leben in deiner Nähe ist mir eins « , antwortete Bracciano : » für dich nur hat mich das Schicksal auf einer langen , und oft rauhen Bahn erzogen . So ist mein Lieben jetzt die Schule , deiner in Zukunft noch würdiger zu werden . « » Ja « , fuhr sie fort , » und so schweben wir in jenen , uns jetzt unsichtbaren und undenkbaren Gebieten , wir beide eins , und zugleich mit Andacht , Anschauen der vorigen Kräfte eins , wie wir schon jetzt in begeisterten Momenten aufgehen mit der schönen Natur umher , mit Luft , Himmel , Licht , den Gestirnen der Nacht , und wir in Entzücken die ewigen Kräfte fühlen , die magisch im Gestein und Wasser , in Mond und Sonne weben : wir hören dann , wir fühlen den Pulsschlag der allgewaltigen Natur , Gottheit weht durch unser ganzes Wesen , und auch die kleinste Faser unsers Daseins ist geweiht und klingt , wie die windbewegte Saite der Harfe , in den Akkord der Unendlichkeit hinein . « » Und auch dies Gespräch « , fuhr er fort , » ist bacchantischer Natur . Wir Menschen können nicht anders . Wohl dem Eingeweihten in Eleusis ' Mysterien , wenn er in jeder Chiffer , die ihm die Wirklichkeit vorhält , ein Geheimnis findet , ihm verständlich . « » Oder ein Rätsel « , sagte sie , » das , als unerraten , lieblicher und tiefer unser Wesen durchschauert , als wenn sich uns die sogenannte Wahrheit enthüllte . « » Darum ist jede Wirklichkeit , jede Erscheinung Symbol « , sagte Bracciano , » und wieder , oft in anderer , irdischer Begeisterung angesehen , bedeutet es doch nur sich selbst , genügt sich selbst , und ist sich selbst das Höchste . Es ist Abend geworden , laß uns ruhen , und jene sich genügenden höchsten Mysterien feiern . « Sie sah ihn mit leuchtenden , aber keuschen Blicken an und schüttelte lächelnd das Haupt . Er küßte sie aber und sie folgte ihm nicht unwillig . - So zählten sie in immer neuem Glück nicht Zeit und Stunde . - Flaminio war in Padua , und hatte dort den Palast für sie eingerichtet , wenn sie mit dem Beginn des Winters diesen beziehen würden . Der Herzog hatte den ältern Bruder Marcello auch dorthin beschieden , der jetzt , durch den erlauchten Schwager in Wohlhabenheit versetzt , sich vornahm , fortan ein anständiges Leben zu führen . Der Sommer war vergangen , aber die beiden Glücklichen dachten noch nicht daran , ihre schöne Einsamkeit zu verlassen . Es war schon im Herbst , und einer von jenen wunderbaren Tagen , wie man sie nur in den südlichen Berggegenden erleben kann . Er wollte das wundersam schöne Wetter einmal ganz für sich allein im Walde genießen . Vittoria blieb einsam zurück und saß sinnend und schreibend bei offenen Türen im Saal , welcher die Aussicht auf die schöne Landschaft erlaubte . » Wie selig müde « , so schrieb sie , » wie erregt in schlummernde Mattigkeit , wie wach und bewußt in diesem seligen Traum ! Die Liebe ist es , durch die ich alles verstehe , durch welche auch das scheinbar Tote lebt . Der See schimmert und rauscht und flüstert unter seinen wechselnden und spielenden Lichtstrahlen . Oft klingt wie aus dem Grunde ein Glockenton herauf und tönt fort , wie mahnend unter die kosenden , vielfach schwatzenden Laute hinein . Ist es des Wassers ernster Geist , der die plaudernden Kinder ermahnt ? Denn wie die kunstbegabte Hand durch die vielfach tönenden Saiten der Harfe sich klug auf und ab bewegt , wie auf dem Spinett die angeschlagenen Tasten klingen , so hält die Fee der Wasser die glänzenden Finger hinein , und spielt mit den vor Freude zitternden Wellen und läßt sie rieseln und klingen . Der ernste Felsen drüben zieht schon , wie zum Schlaf , die ernste Nebelkappe über sein rauhes Haupt , um andächtig zuzuhören , und die Wälder fragen sich : wird die Nacht kommen und die Traumgestalt , die dann durch das dunkele Grün poetisch wandelt ? Das kleine Gesträuch schwatzt am Ufer von jener Zeit , in welcher es zu Bäumen wird , und statt der Amsel und der Nachtigall der Adler sie besucht , und der Reiher in ihnen sein Nest baut . Wie spiegelt sich die schlüpfende Eidechse noch in den letzten Strahlen der untergehenden Sonne ! Nun wandelt und wimmelt das kleine Wurmgeschlecht ,