in den herrlichen Waldungen gewüthet hatte , welche von jeher den größten Schatz derselben ausmachten . Jahrhunderte hindurch , mitten im wildesten Drange der Zeiten , hatte keiner seiner Vorfahren es gewagt , sie so frevelhaft anzutasten , weil alle sie als eine nie versiegende Quelle von Wohlhabenheit betrachteten , die durchaus verlangte , sorgsam gepflegt und verständig benutzt zu werden . Sein Unmuth vermehrte sich , indem er weiter ritt und überall den fruchtbarsten Boden unverantwortlich vernachlässigt sah . Doch als Schaaren halb nackter , hungernder Kinder ihn in den Dörfern bettelnd verfolgten , als er aus den elendsten Hütten , die je ihm vorgekommen waren , bleiche Jammergestalten scheu hervorlauschen sah oder wilde zigeunerartige Gesichter , die , mit dem Gepräge dumpfer Rohheit bezeichnet , ihn anstarrten , da hielt er sich nicht mehr , der edelste Zorn schwellte seine schmerzlich bewegte Brust und flammte aus seinen dunkel blitzenden Augen . » Albert ! « rief er beinahe laut , » Albert , leichtsinniger Knabe , hältst du so dein Gelübde ? lohnst du mir so für ein Opfer , dessen wahren Werth niemand ermessen kann , und das von nun an durch deine Schuld wie ein entehrender Flecken auf meinem Leben haften muß ! « Er ritt langsamer , um sich nur einigermaßen wieder zu bemeistern , ehe er das Schloß erreichte ; sein Blick wurde immer düstrer , je näher er ihm kam ; doch wer beschreibt sein schmerzliches Erstaunen , als er nun das Innere der Burg seiner Väter betrat . Er schritt durch die lange Gallerie hindurch , von deren Wänden die ehrwürdigen Gestalten seiner Ahnen sonst auf ihn herabzublicken schienen . Diese waren nicht mehr dort , er sah die ihm so unaussprechlich theuren Bilder durch Spiegel , Vergoldungen , blitzende Girandolen und allen Flitter der damaligen Mode verdrängt ; sie selbst waren , wenn sie noch existirten , wahrscheinlich in irgend einem düstern abgelegenen Winkel des Schlosses hin verbannt . Glühend vom edelsten gerechtesten Zorn , der je in einer menschlichen Brust entbrannte , nahte er dem kerzenhellen großen Saal , aus welchem eine lustige Janitscharen-Musik ihm entgegen schallte . Hoch und furchtbar wie ein zürnender Apoll blieb Bernhard am Eingange desselben stehen , sein Auge flammte , seine Brust hob sich gewaltsam , indem er die im Walzer sich drehenden Tänzer überschaute , um Albert und Luise unter ihnen aufzufinden . Niemand achtete auf ihn , niemand bemerkte ihn , denn er hatte seine Ankunft vorher nicht gemeldet , weil er seinen Bruder freudig zu überraschen gehofft hatte . Da umschlangen ihn plötzlich zwei zitternde Arme , als wolle jemand zu seinen Füßen in den Staub sinken ; es war Albert . Bernhard heftete schweigend den finstern Blick auf ihn , und die in gänzlicher Muthlosigkeit eingesunkene Gestalt des Armen , der Ausdruck tiefen unheilbaren Grams in seinen Zügen , entwaffneten Bernhards Zorn im Augenblick . Er drückte den unglücklichen Bruder an seine feste männliche Brust . » Albert , mein armer Albert ! « sprach er mit dem weichen Ton des tiefsten Mitleids , » was ist mit Dir geschehen ? « Albert vermochte nicht zu antworten . Jetzt kam auch Luise herbei , um ihren Wohlthäter mit unverstellter Freude zu begrüßen ; sie war ganz unbefangen , denn sie hatte keine Ahnung davon , daß Bernhard hier irgend Grund zur Unzufriedenheit finden könne . Sie hatten ja ihr Wort gehalten , denn sie waren , wie er es verlangt , auf Leuenstein geblieben , und Albert mühte sich Tag und Nacht bei seinen Geschäften ab . So ging ihrer Meynung nach alles ganz vortrefflich , denn leider verband Albert mit seinen übrigen Schwächen auch noch die , Luisen über die wahren Ursachen seines Kummers nie aufzuklären , um sie in ihrer Freude nicht zu stören . Bernhard war jetzt vollkommen Herr seines empörten Gefühles geworden ; er erwiederte Luisens Gruß so freundlich , als es ihm in diesem Augenbicke möglich war , denn er wollte sie nicht ohne Noth verwunden , und war billig genug , aus ihrer frohen Unbefangenheit zu schließen , daß sie wenigstens nicht absichtlich die Zerstörerin aller seiner Pläne für ihr und seines Bruder Glück geworden war . Er sah ein , daß sie einem Kinde glich , welches spielend den verzehrenden Feuerbrand in die vollen Scheuern seiner Eltern wirft , ohne zu wissen was es thut . Am folgenden Tage beobachtete er Luisen aufmerksamer , und seinem im Leben geübten Blick ward es nicht schwer , dieses offene jugendliche Wesen ganz zu durchschauen . Er sah , wie Luise als Gattin ihre Pflicht dadurch auf das vollkommenste zu erfüllen glaubte , daß sie ihrem Albert im alltäglichsten Sinne des Wortes die unverbrüchlichste Treue bewahrte und übrigens ihm bei seiner Schwermuth , die sie Verdrüßlichkeit nannte , gern so viel als möglich aus dem Wege ging , um ihn nicht durch ihr fröhliches Wesen zu reizen oder zu verletzen . Daß sich in der ewigen Zerstreuung , in der sie jetzt lebte , ihr Herz von ihm gewendet habe , schien sie selbst kaum zu wissen . Uebrigens hielt sie sich in der Verwaltung ihres Hauswesens für eine treffliche Wirthin , weil sie es an nichts fehlen lies , um selbst die verwöhntesten ihrer Gäste zu befriedigen , und ein stiller Triumph strahlte aus ihren Augen , wenn irgend einer derselben überlaut versicherte , bei ihr wäre alles deliziös , tout comme à Paris . Ihr ältestes Kind , ein Knabe von etwa fünf Jahren , ward von ihr wie ein Spielzeug betrachtet , das sie zu nicht geringer Unbequemlichkeit der Gesellschaft fast nie von ihrer Seite lies . Das ganze Haus fürchtete die Ungezogenheit des kleinen Plagegeistes , nur die Franzosen nicht . Diese fütterten ihn mit Bonbon , nannten ihn un charmant petit Lutin , lachten über seine Unarten und halfen ihm neue ersinnen , alles pour faire rire Madame sa mère . Das jüngste Kind kam noch gar nicht in Betracht ,