erbauen , was Andere meines Geschlechts zerstörten . Hippolit scheint Vertrauen zu mir gefaßt zu haben , und das ist schon viel . Möge es Ihnen ein Beweis seiner Herzensgüte seyn , daß er zu meinem eignen Erstaunen das Wohlwollen meines Gemahls sich in so hohem Grade zu erwerben gewußt hat , daß dieser ihn immer um sich haben möchte , und Hippolit deshalb beinah wie einer unserer Hausgenossen anzusehen ist ; nur daß er nicht bei uns wohnt . Manche kleine körperliche Schwäche des Alters beginnt , früh wie mich dünkt , Herrn von Aarheims Daseyn zu trüben , ohne daß ich deshalb ernstlich um ihn besorgt zu seyn Ursache hätte . Er wäre gewiß weit öfterer leidend und grämlich als er es ist , doch Hippolit macht ihm vieles vergessen , denn er umspielt ihn in Jugendlust und heiterer Lebensfülle . Der allmählig zum Greise heranalternde Mann scheint oft zu wähnen , er habe in ihm einen lieben Sohn wieder gefunden , der seine grauen Locken ehrt und seine kleinen Schwachheiten schonend erträgt . Wie sehr ich dabei an häuslicher Ruhe und Lebensfreiheit gewinne , werden Sie , die Sie uns so genau kennen , leicht ermessen , und sich nicht darüber wundern , daß Hippolit , in diesem freundlichen Verhältniß zu uns , mir selbst ein Verwandter zu seyn dünkt , der Anspruch hat an mich , daß ich für ihn thue was ich kann . « Einige Wochen waren nach Absendung dieses Briefes vergangen und Gabriele sah längst der Antwort entgegen , als eines Abends sich ein kleiner gewählter Kreis zum musikalischen Verein in ihrem Zimmer versammlet hatte . Umflossen von Licht , Glanz und Schönheit saß die Markise auf dem Divan unter einer strahlenden Girandole von Kristall . Vor ihr stand die reich geschmückte große Pariser Harfe , hinter ihr über sie hingebeugt Hippolit , dessen Flöte die Töne begleitete , welche sie mit Meisterhand dem goldnen Saitengewebe entlockte . Die ganze Gesellschaft im Saal war in der Andacht des Zuhörens und des Anschauns versunken . Nur Adelbert saß einsam und abgewendet in der fernsten Ecke desselben . Mit den so eben verklungenen einfachen Tönen eines alten oft gehörten Liedes hatte Gabriele eine Welt von Schmerz und Sehnsucht in seinem Busen aufgeregt . Die Melodie des Liedes war eine von jenen , welche wie Töne aus der Heimath in uns wiederklingen und den Worten so fest sich anschließen , daß es unmöglich wird jene ohne diese oder diese ohne jene zu denken . Hier ist das Lied : Noch einmal muß ich vor Dir stehn , Noch einmal in Dein Auge sehn So lieb und klar ; Die Hand , so fest und wahr , Noch einmal fassen inniglich Die liebe Hand und Dich - und Dich ! Drum wenn ich nur erst bei Dir wär ' , Dann wär ' schon alles recht , Und wenn ich nur erst bei Dir wär ' , Wie ' s Gott dann schicken möcht ' ! Ich muß Dir sagen noch einmal All ' meine Freud ' , all ' meine Qual ; Du kennst sie beid ' , Mein Glück und auch mein Leid , Doch ich muß sagen Dir auf ' s neu All ' meiner Seele Lieb ' und Treu ! Drum wenn ich nur erst bei Dir wär ' , Dann wär ' schon alles recht , Und wenn ich nur erst bei Dir wär ' , Wie ' s Gott dann schicken möcht ' ! Muß hören noch ein einzigmal Den süßen vollen Glockenschall Von deiner Stimm ' , Denn , - ging ' s mir noch so schlimm , - Wenn sie von deinen Lippen weht Wird meine Klage still Gebet . Drum wenn ich nur erst bei Dir wär ' , Dann wär ' schon alles recht , Und wenn ich nur erst bei Dir wär ' , Wie ' s Gott dann schicken möcht ' ! Will rufen all ' mein schmerzlich Glück Mir noch ein einzigmal zurück ; Will lauschen sacht ' : Wie du an mich gedacht ? Noch einmal muß auf Erden mein , Nur einmal noch der Himmel seyn . Drum wenn ich nur erst bei Dir wär ' , Dann wär ' schon alles recht , Und wenn ich nur erst bei Dir wär ' , Wie ' s Gott dann schicken möcht ' ! Diesen Worten , diesen Tönen hatte Adelbert unzähligemal im innigsten Gefühl seines Glücks an Augustens Seite zugehorcht , wenn Gabriele , wie eben jetzt , mit ihrer süßen rührenden Stimme sie sang ; und nun erfüllten sie das Gemüth des einsam Verirrten mit einer unendlichen Sehnsucht nach dem häuslichen glücklichen Heerd . Dabei ward ihm , als trennten weite Meere , unüberwindliche Klüfte ihn von den Seinen , als werde er nimmer und nimmer sie wiedersehn . Allmählig versank er so in immer trostlosere Wehmuth und beachtete weder das Spiel der Markise noch alles was ihn umgab . Ein leises Oeffnen der Thüre bewog ihn endlich mechanisch die Augen zu erheben und zu seinem unsäglichen Schrecken erblickte er dicht vor sich die ehrwürdige Gestalt seines , viele Meilen weit entfernt geglaubten Oheims , des Generals Lichtenfels . Blitzschnell fuhr Adelbert bei dem unerwarteten Anblick in die Höhe , er wollte ihn begrüßen , aber die Stimme versagte ihm den Dienst ; bleich , wie entgeistert , blieb er auf seinem Platze regungslos stehen , den stieren Blick auf den eben Eingetretenen geheftet , der ihn indessen eben so wenig bemerkte , als er selbst von der ganz der Musik zugewendeten Gesellschaft bemerkt ward . Leise auftretend , durchschritt der General das Zimmer der Länge nach , bis er dicht vor der Markise still stand , nur durch die Harfe von ihr geschieden . Mit immer zorniger werdendem Ernste betrachtete er sie , jede Sekunde überzeugte ihn immer fester , sie sey wirklich die , für welche er sie im ersten Augenblicke erkannt hatte , bis endlich eine Pause in