Raum in ihnen gewönne , dann erst wird es Zeit sein , unmittelbar zu handeln , und das alte Recht , die alte Freiheit , Ehre und Ruhm in das wiedereroberte Reich zurückzuführen . Und in dieser Gesinnung bleibe ich in Deutschland und wähle mir das Kreuz zum Schwerte . Denn , wahrlich , wie man sonst Missionarien unter Kannibalen aussandte , so tut es jetzt viel mehr not in Europa , dem ausgebildeten Heidensitze . « Faber kam aus tiefen Gedanken zurück , als Friedrich ausgeredet hatte . » Wie Ihr da so sprecht « , sagte er , » ist mir gar seltsam zumute . War mir doch , als verschwände dabei die Poesie und alle Kunst wie in der fernsten Ferne , und ich hätte mein Leben an eine reizende Spielerei verloren . Denn das Haschen der Poesie nach außen , das geistige Verarbeiten und Bekümmern um das , was eben vorgeht , das Ringen und Abarbeiten an der Zeit , so groß und lobenswert als Gesinnung , ist doch immer unkünstlerisch . Die Poesie mag wohl Wurzel schlagen in demselben Boden der Religion und Nationalität , aber unbekümmert , bloß um ihrer himmlischen Schönheit willen , als Wunderblume zu uns heraufwachsen . Sie will und soll zu nichts brauchbar sein . Aber das versteht Ihr nicht und macht mich nur irre . Ein fröhlicher Künstler mag sich vor Euch hüten . Denn wer die Gegenwart aufgibt , wie Friedrich , wem die frische Lust am Leben und seinem überschwenglichen Reichtume gebrochen ist , mit dessen Poesie ist es aus . Er ist wie ein Maler ohne Farben . « Friedrich , den die Zurückrufung der großen Bilder seiner Hoffnungen innerlichst fröhlich gemacht hatte , nahm statt aller Antwort die Gitarre , und sang nach einer alten , schlichten Melodie : » Wo treues Wollen , redlich Streben Und rechten Sinn der Rechte spürt , Das muß die Seele ihm erheben , Das hat mich jedesmal gerührt . Das Reich des Glaubens ist geendet , Zerstört die alte Herrlichkeit , Die Schönheit weinend abgewendet , So gnadenlos ist unsre Zeit . O Einfalt gut in frommen Herzen , Du züchtig schöne Gottesbraut ! Dich schlugen sie mit frechen Scherzen , Weil dir vor ihrer Klugheit graut . Wo findst du nun ein Haus , vertrieben , Wo man dir deine Wunder läßt , Das treue Tun , das schöne Lieben , Des Lebens fromm vergnüglich Fest ? Wo findest du den alten Garten , Dein Spielzeug , wunderbares Kind , Der Sterne heil ' ge Redensarten , Das Morgenrot , den frischen Wind ? Wie hat die Sonne schön geschienen ! Nun ist so alt und schwach die Zeit ; Wie stehst so jung du unter ihnen , Wie wird mein Herz mir stark und weit ! Der Dichter kann nicht mit verarmen ; Wenn alles um ihn her zerfällt , Hebt ihn ein göttliches Erbarmen - Der Dichter ist das Herz der Welt . Den blöden Willen aller Wesen , Im Irdischen des Herren Spur , Soll er durch Liebeskraft erlösen , Der schöne Liebling der Natur . Drum hat ihm Gott das Wort gegeben , Das kühn das Dunkelste benennt , Den frommen Ernst im reichen Leben , Die Freudigkeit , die keiner kennt . Da soll er singen frei auf Erden , In Lust und Not auf Gott vertraun , Daß aller Herzen freier werden , Eratmend in die Klänge schaun . Der Ehre sei er recht zum Horte , Der Schande leucht er ins Gesicht ! Viel Wunderkraft ist in dem Worte , Das hell aus reinem Herzen bricht . Vor Eitelkeit soll er vor allen Streng hüten sein unschuld ' ges Herz , Im Falschen nimmer sich gefallen , Um eitel Witz und blanken Scherz . O laßt unedle Mühe fahren , O klinget , gleißt und spielet nicht Mit Licht und Gnad , so ihr erfahren , Zur Sünde macht ihr das Gedicht ! Den lieben Gott laß in dir walten , Aus frischer Brust nur treulich sing ! Was wahr in dir , wird sich gestalten , Das andre ist erbärmlich Ding . - Den Morgen seh ich ferne scheinen , Die Ströme ziehn im grünen Grund , Mir ist so wohl ! - die ' s ehrlich meinen , Die grüß ich all aus Herzensgrund ! « Faber reichte Friedrich , der die Gitarre wieder weglegte , die Hand zur Versöhnung . - Der Morgen warf unterdes wirklich schon vom Meere her ungewisse Scheine über den dämmernden Himmel , hin und wieder erwachten schon frühe Vögel im Walde , alle Wipfel fingen an sich frischer zu rühren . Da sprang Leontin fröhlich mitten auf den Tisch , hob sein Glas hoch in die Höh und sang : » Kühle auf dem schönen Rheine Fuhren wir vereinte Brüder , Tranken von dem goldnen Weine , Singend gute deutsche Lieder . Was uns dort erfüllt ' die Brust , Sollen wir halten , Niemals erkalten , Und vollbringen treu mit Lust ! Und so wollen wir uns teilen , Eines Fels ' verschiedne Quellen , Bleiben so auf hundert Meilen Ewig redliche Gesellen ! « Alle stießen freudig mit ihren Gläsern an , und Leontin sprang wieder vom Tische herab . Denn soeben sahen sie Rudolf , unter beiden Armen schwer bepackt , aus der Burg auf sie zukommen . » Lustig ! lustig ! « rief er , als er den gläserklirrenden Jubel sah , » frisch , spielt auf , Flöten und Geigen ! Da habt ihr Gold ! « Hierbei warf er zwei große Geldsäcke vor ihnen auf die Erde , daß die Goldstücke nach allen Seiten in das Gras hervorrollten . - » Das ist ein lustiges Metall « , fuhr er fort , » wie es in die fröhliche , unschuldige Welt hinaushüpft und rollt , mit den verwunderten Gräsern funkelnd spielt und mit dunkelroten , irren Flammen zuckt , liebäugelnd , klingend und lockend !